Florian, wie seid ihr auf die Idee gekommen, in einen Camper zu steigen und einen Dokumentarfilm in den USA zu drehen?

Florian Schmitt: Ich habe lange in den USA gelebt, studiert und gearbeitet, bin aber nie so richtig tief in die Startup-Szene eingestiegen. Deswegen habe ich nie herausfinden können, wieso amerikanische Startups so schnell so groß werden. Wie kann es sein, dass drei Jungs in einer Garage mit drei Laptops in drei Jahren ein Milliarden-Unternehmen aufbauen? Ich wollte einfach wissen, was wir uns da abschauen können. Dann waren wir im vergangenen Jahr mit unserem Startup Ampero auf der CES in Las Vegas, um sie auf den US-Markt zu bringen. Da hatten wir schon ein Film-Team dabei und haben dann vor Ort beschlossen, das noch größer aufzuziehen und einen Dokumentarfilm zu machen. Wir haben festgestellt, dass es zwar viele Filme über das Silicon Valley gibt, aber keinen, der den Weg zeigt, wie man dort groß und erfolgreich wird.

„Wir haben gesehen, dass die Gründer in den USA eigentlich nur zwei Motive haben: Entweder sie wollen die Welt verändern oder sie wollen super reich werden“

Das war das Ziel?

Florian Schmitt: Ja, wir wollen zeigen, was sich junge deutsche Gründer vom Silicon Valley abschauen können, was die Gründer dort besser und auch, was die dort schlechter machen. Wir haben allerdings nichts gefunden, was sie dort schlechter machen. Mit unserer Doku wollen wir junge Leute motivieren zu gründen und große Ziele anzustreben. Wir haben gesehen, dass die Gründer in den USA eigentlich nur zwei Motive haben: Entweder sie wollen die Welt verändern oder sie wollen super reich werden. Andere Motive haben sie nicht. In Deutschland gibt es viele andere Gründe, zum Beispiel, dass man sich über den Chef geärgert hat oder arbeitslos ist. Wir wollen den Gründern Mut machen, richtig groß zu denken.

Was ist die Story?

Florian Schmitt: Man könnte sagen: Es sind die Abenteuer eines deutschen Gründers im Silicon Valley. Hauptperson ist Malte Steiert, der 2015 Foodguide gegründet hat, das „Tinder für Essen“. Er tauscht sein Büro im Hamburger Stadtteil Sternschanze für einen Monat gegen einen Road Trip im Camper durch die USA, um herauszufinden, ob dort eine unternehmerische Zukunft auf ihn wartet. Und ich begleite ihn.

Das Lexrocket-Team vor ihrem Camper, Marius Hoch, Malte Steiert, Florian Schmitt und Robin Teuffel (Foto: Lexrocket)
Das Lexrocket-Team vor ihrem Camper (v. l.): Marius Hoch, Malte Steiert, Florian Schmitt und Robin Teuffel (Foto: Lexrocket)

Wen habt ihr getroffen?

Florian Schmitt: Wir haben versucht herauszufinden, wie der typische Weg eines Gründers aussieht. Die Idee entspringt meist an einem Ort im Silicon Valley, in einer Garage, im Schwimmbad oder in einem Café. In den Cafés dort sprudeln die Ideen geradezu. Damit gehen die Gründer meist in die Uni, wo sie sehr offen sind für Leute mit guten Ideen. Auch das ist ein Unterschied zu Deutschland. Von außen kommt man hier in die Uni praktisch nicht hinein. An den US-Unis finden die Gründer dann sehr gute Bedingungen, um ihre Ideen weiterzuentwickeln. Meist bekommen sie in den dortigen Inkubatoren oder Acceleratoren bereits das erste Geld. Und im zweiten Schritt werden sie gleich an den richtigen Investor vermittelt. Dann zeigen wir an den Beispielen Kickstarter, Salesforce und Dropbox, wie man auch in einem stark wachsenden Unternehmen die Startup-Kultur beibehält. Im Prinzip folgen wir dem Weg der Gründer von dem Café an der Ostküste bis an die Börse nach New York. Das ist ja das große Ziel.

Ihr seid den Weg ja mit dem Camper gefahren. Was gibt es auf dem Weg dazwischen?

Florian Schmitt: Nichts.

„In den USA bekomme ich zehn Telefonnummern von Leuten, die mir weiterhelfen können“

Was waren die wichtigsten Learnings?

Florian Schmitt: Als erstes hat uns überrascht, wie offen und hilfsbereit die Amerikaner sind. Hierzulande haben die Gründer immer diese Phobie, dass ihnen ihre Ideen geklaut werden, wenn sie darüber sprechen. Das gibt es dort nicht. Und die Amerikaner sind optimistischer: Wenn ich hier zehn Leuten von meiner Idee erzähle, bekomme ich zehn Mal zu hören, warum sie nicht funktioniert. In den USA bekomme ich zehn Telefonnummern von Leuten, die mir weiterhelfen können. Und schließlich haben wir beobachtet, dass die Amerikaner von Anfang an groß denken und den globalen Markt im Blick haben. Der deutsche Markt ist einfach zu klein, wenn man sich zuerst auf den deutschen Markt konzentriert, bleibt man stecken. Und schließlich haben wir festgestellt, dass die Amerikaner viel lockerer sind und viel mehr Spaß bei der Arbeit haben.

Warum interessiert sich die Haufe Group für Startups?

Florian Schmitt: Erstens steht die Haufe Group für das Thema Digitalisierung und Wandel – so kann sie für andere Unternehmen Partner und Begleiter sein. Mit der Marke Lexware bietet die Gruppe Produkte für kleine und mittlere Unternehmen an. Gerade für die Cloud-Lösung Lexoffice gehören Startups zur Zielgruppe und an diese Zielgruppe wollen wir näher ran. Nicht nur als Kunde, sondern auch als Partner für unsere Lösung. Der Dokumentarfilm zahlt also zum einen auf unsere Brand ein und macht uns in der Startup-Szene deutlich bekannter. Zum anderen geht es um die Technologie. Wenn wir Startups ins Haus holen, dann bringen sie neue Technologien mit, die wir auch im Rest der Gruppe nutzen können. Zum Beispiel ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz und Chatbots auch für unsere Steuersoftware interessant. Die betreffenden Startups gewinnen durch uns neue Kunden, es ist also für beide Seiten ein Gewinn. Und drittens beteiligen wir uns auch an Startups und hoffen, sie bei ihrem Wachstum zu begleiten und davon zu profitieren.

Was sind die nächsten Schritte?

Florian Schmitt: Wir starten im kommenden Februar/März mit den ersten fünf Startups unseren Inkubator Lexrocket. Die Bewerbungsphase läuft ab Oktober. Wir suchen Startups in einer ganz frühen Phase, kurz vor oder nach der Gründung und wollen in den ersten zwölf Monaten ihr Partner beim Aufbau des Unternehmens sein. Wir bieten den Gründern in unserem Haus in Freiburg Bürofläche, Workshops und Mentoren. Aber wir wollen die Startups nicht in Freiburg halten. Wenn sie ready sind für den Markt, dann helfen wir ihnen beim Start, ganz egal wo das ist, ob in Las Vegas, New York, Tel Aviv oder Buxtehude. In manchen Fällen  werden wir eine Minderheitsbeteiligung halten, aber die genauen Konditionen stehen noch nicht fest. Das wird für jedes Startup individuell entschieden. Wichtig ist, dass wir uns nicht auf Software einschränken, sondern für alle Technologien offen sind, die innovativ sind und Märkte radikal verändern.

Und wo kann man den Film sehen?

Florian Schmitt: Die Premiere wird am 11. Juli im Zoopalast in Berlin sein. Dann wird „Starting Up USA – von der Garage zum Unicorn in 5000 km“ auch im Kino zu sehen sein – in München, Freiburg, Berlin und Köln. Anschließend soll er ins Fernsehen kommen und dann auch auf Youtube verfügbar sein. Außerdem wollen wir ihn in Coworking Spaces und bei unseren Partnern zeigen. Das ist der Plan, jeder Gründer soll den Film sehen und davon lernen können.

Das Interview führte Corinna Visser.

Der Dokumentarfilm „Starting Up USA – Von der Garage zum Unicorn in 5000 km“ hat am 11. Juli 2017 um 18.30 Uhr Premiere im Zoo Palast in Berlin. Es gibt Snacks und Getränke sowie vor und nach der Vorführung die Gelegenheit zum Netzwerken. Die am Film Beteiligten werden auch dabei sein.

FLORIAN SCHMITT leitet die Abteilung Startup Relations bei der Haufe Group, dazu gehören der Accelerator Lexrocket und Lexrocket Films sowie das Gründerförderprogramm Reach the Peak. Nach dem Studium sammelte er Erfahrung in Großunternehmen wie Salesforce und IBM, wechselte daraufhin zum Münchner Startup Testbirds. Nach einem Aufenthalt auf den Malediven gründete er das Startup Black Forrest Snacks, wo er bis vor kurzem auch Geschäftsführer war.

NAME: Lexrocket
GRÜNDER: Haufe Group
GRÜNDUNG: 1. April 2017
MITARBEITER: 4
STANDORT: Freiburg
SERVICE: Accelerator für extrem junge Startups

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