Build – Measure – Learn: Das ist der Weg zum Erfolg, wie ihn die Lean-Startup-Methode vorschlägt. Geprägt wurde der Begriff im Jahre 2011 vom Unternehmer Eric Ries. Ziel seines Ansatzes ist es, Ressourcenverschwendung zu vermeiden und in einem „Umfeld extremer Unsicherheit“ eine relative Sicherheit zu schaffen. Der Erfolg sei zwar damit nicht garantiert, werde aber wahrscheinlicher, sagt Phil Dillard, Coach der Lean Startup Company, im Interview mit Berlin Valley.

Startups, die intuitiv „lean“ gründeten, gab es allerdings bereits vor 2011. Die bekanntesten Beispiele sind wohl der Online-Schuhhändler Zappos (gegründet 1999) und der Cloud-Speicherdienst Dropbox (gegründet 2007). Eric Ries hat das Rad also nicht neu erfunden. Trotzdem brachte sein Buch die Idee weit voran und verbreitete sie in den wichtigsten Gründerzentren der USA und Europas.

Der Ansatz ist intuitiv, sagt Phil Dillard

Mittlerweile ist Lean Startup zu einem Hype geworden, den kaum jemand hinterfragt. Wozu auch? „Der Ansatz ist logisch und schon beim ersten Lesen verstehen viele Gründer intuitiv, dass es Sinn ergibt, sich damit auseinanderzusetzen“, sag Dillard. Lean Startup gibt eine einfache Antwort auf viele Herausforderungen, die jeder Gründer kennt: wenig Kapital, wenig Zeit, die Unsicherheit, ob das Produkt gut ankommt, und selbst das Problem, die eigenen Entscheidungen vor Investoren rechtfertigen zu müssen.

Ein Minimal Viable Product (MVP) muss kein fertiges Produkt sein. Nach dem Prinzip „Fake it ’til you make it“ reicht es, so zu tun, als gäbe es ein Produkt, um Feedback einzuholen. Dropbox beispielsweise brauchte im Jahr 2007 Kapital, um seinen benutzerfreundlichen Cloud-Speicher aufzubauen. Gründer Drew Houston drehte kurzerhand ein Video, in dem er zeigte, wie Dropbox funktionieren sollte – das Feedback war überwältigend. Mit diesen positiven Stimmen konnte Dropbox Startkapital einsammeln und einen Cloud-Service für weltweit mehr als 500 Millionen Nutzer aufbauen.

Zappos testete, ob Kunden online Schuhe kaufen

Zappos ist ein sehr erfolgreiches Überbleibsel aus der Dotcom-Ära um das Jahr 2000. Gründer Nick Swinmurn wollte 1999 einen großen Online-Schuhhandel aufbauen, um das Problem des begrenzten Angebots im stationären Handel zu lösen. Zu dieser Zeit hätten die meisten Unternehmen zuerst eine große Logistik-Infrastruktur aufgebaut und dabei viel Geld verbrannt – nicht so Swinmurn. Er fotografierte mit Erlaubnis stationärer Händler deren Schuhe, stellt die Bilder online und kaufte die Schuhe dann bei Bestellung selbst beim Händler, um sie an seine Kunden zu schicken. So konnte er testen, ob die Kunden überhaupt online Schuhe kaufen würden. 17 Jahre nach diesem ersten Test ist aus Zappos ein Schuh-Imperium mit mehr als 1500 Mitarbeitern geworden.

Lean Startups arbeiten wie Wissenschaftler

Lean Startups arbeiten ähnlich wie Wissenschaftler mit Experimenten. Sie entwerfen Hypothesen für ihr Handeln und testen diese dann. „Die Menschen haben ein bestimmtes Problem“, ist die erste und wichtigste Hypothese. Wenn sie sich nicht bestätigt, gibt es keine Grundlage für ein Geschäftsmodell. Weitere wichtige Annahmen sind: „Das Problem kann mit meinem Produkt gelöst werden“ und „Menschen sind bereit, für die Lösung des Problems zu bezahlen“. Natürlich gibt es auch sehr viele kleine Hypothesen, die sich beispielsweise auf den Nutzen einzelner Produkt-Features beziehen.

Beispiele aus der Praxis, das Interview mit Phil Dillard, was Investoren sagen, eine Anleitung zum Lean-Startup und mehr steht im Lean-Startup-Special von Berlin Valley. Hier geht’s zum Download.

 

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2 Kommentare auf "Mut zu Fehlern"

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