Auf dem Kunstmarkt ist die digitale Revolution noch nicht ganz angekommen. Das lassen zumindest einige Stimmen aus der Kunstwelt, von Art-Berlin-Direktorin Maike Cruse bis hin zu Seriengründer Magnus Resch, verlauten. Shopping, Banking, News: Fast alle Branchen bewegen sich inzwischen online. Der Anteil des Online-Musikmarktes am Gesamtumsatz schwankt um die 70 Prozent, Tendenz steigend. Und in der Kunst? Laut der Art Basel, die jährlich einen Bericht über den aktuellen Stand des Kunstmarkts veröffentlicht, liegt da der Online-Anteil bei 8 Prozent. Die Kunst − besonders ihr Verkauf − zeigt sich noch immer analog.

Der Markt ist konservativ

Diese Tatsache bleibt nicht ohne Konsequenzen. Magnus Resch, Gründer der Kunst-App Magnus und Kenner der Szene, meint: „Die Wahrheit ist: Unsere Generation kauft keine Kunst. Wenn sich nichts ändert, bleibt der Kunstmarkt so, wie er ist: klein, unprofessionell, undurchsichtig und exklusiv.“ Fine Art ist teuer. Hinzu kommen weitere Kaufbarrieren: Kunden wissen oft nicht unbedingt, wonach sie suchen. Sie sind unsicher, ob das, was ihnen gefällt, auch stilvoll ist. Wer sich nicht gut auskennt, möchte da nicht eben mal 15.000 Euro auf den Tisch hauen. Der Kunstmarkt ist demnach einer, der von einer kleinen Elite dominiert wird. Wie schafft man es also, ihn zu demokratisieren?

Lea Lange, Co-Founder des Online-Art-Shops Juniqe, und Resch sind sich einig, dass Tech das Potenzial hat, den Markt zu revolutionieren. Es bedarf Transparenz: Dafür eignet sich die Digitalisierung. Zum einen bieten Technologien wie Blockchain neue Möglichkeiten für die Dokumentation von Besitzerschaft und Provenienz. Was heutzutage unübersichtlich und schwierig festzuhalten ist, möchten Startups wie Codex Protocol mit dezentralisierten Datenbanken lösen, um den Markt durchsichtiger und ehrlicher machen. Zum anderen gibt das Online-Erleben von Kunst − anschauen, verbreiten, kaufen − dem Markt die Möglichkeit, die junge Generation zu erreichen.

Startups an der Schnittstelle

In der Hinsicht hat sich auch schon einiges getan: An der Schnittstelle von Kunstszene und Tech-Welt befinden sich Startups, die die Szene nachhaltig verändern wollen und auf genau die Probleme, die der Kunstmarkt momentan hat, eingehen. Lange erklärt: „Kunst ist in den letzten Jahren sehr viel zugänglicher geworden, vor allem im Zuge von iPhonography, Instagram und Internet. Kunst ist heute präsent in unserem täglichen Leben und das bedeutet eine ganz neue Interessentenschicht.“ Die Generation Internet und die Kunstwelt zusammenzuführen, das birgt großes Potenzial für den Markt. Online-Verkaufshändler wie Juniqe, Singulart und Fineeartmultiple sind schon dabei, das Kunst-Shopping-Erlebnis durch digitalen Verkauf individueller zu gestalten und zugänglicher zu machen. Denn: „Warum sollte sich nicht jeder etwas Schönes ins Wohnzimmer hängen, auch wenn man sich keine Fine Art leisten kann?“

Bietet VR Möglichkeiten für den Kunstmarkt?
Sara Lisa Vogl auf der Dreamhack 2018

Analoge Kunst, die sonst für die Öffentlichkeit nur beschränkt zugänglich ist, kann man heutzutage per VR (Virtual Reality) entdecken. Google Arts and Culture ermöglicht beispielsweise den virtuellen Besuch echter Museen. Auch das macht Kunst inklusiver, denn wenn man zeitlich und örtlich nicht die Möglichkeit hat, ins Museum oder in die Galerie zu gehen, hätte man auf diese Fine Art keinen Zugriff.

Kunstmarkt: Noch wenig digital

Das Kaufen richtig teurer Werke geschieht dennoch offline. Die Art Basel hat festgestellt, dass renommierte Auktionshäuser wie Sotheby’s und Christie’s ihre Milliarden-Umsätze noch hauptsächlich mit analogen Auktionen erzielen. Maike Cruse, Direktorin der Art Berlin,
erklärt: „Es ist wichtig, die Kunst real zu sehen und darüber zu sprechen, mit den Galeristen und Künstlern. Digitale Verkaufsforen sind daher bisher nicht wirklich erfolgreich.“

Langsam werden sie es aber: Kleinere Auktionshäuser setzen schon vermehrt aufs Internet und machen durchschnittlich um die 30 Prozent ihres Umsatzes durch digitalen Verkauf. Der Anteil des digitalen Kunstmarktes am Umsatz der gesamten Branche ist zwar noch gering, wächst aber auch. Lange prophezeit, dass sich der Markt für Fine Art weiter online bewegt.

Zwischen Content und Kunst

Wie es um die digitale Kunst selbst steht, ist da etwas komplizierter. Manche möchten sie nicht als Kunst bezeichnen. Wo läge der Unterschied zwischen Content und Kunst? Für andere ist sie einfach nicht mit analoger Malerei oder Skulptur zu vergleichen. Digital Art beanspruche nicht das gleiche Können, weniger Kreativität oder geringeren Zeitaufwand.

Die Nachfrage an ihr steigt trotzdem. Ob Videos in Auftrag gegeben werden oder ganze Museen rein Digitales ausstellen: Die Sparte gewinnt an Popularität. Sara Lisa Vogl, Gründerin von VR Base in Berlin, erklärt: „Digitale Kunst, besonders die, die nicht an physische Regeln gebunden ist und in Virtual Reality stattfindet, hat ein enorm bewusstseinserweiterndes Potenzial und wird an der Eindrücklichkeit und Immersivität, also dem Ausmaß des Erlebnisses, gemessen. Wie es momentan Location Based Installations zeigen, ist die umfassende Experience ein ausschlaggebender Marktwert – daneben wird von Konsumentenseite noch wenig investiert.“ Künstler in der Szene können sich kaum über Wasser halten. Dadurch, dass etwas, das virtuell existiert, dort leicht kopiert werden kann und die Werke nicht einfach zu konservieren sind, scheuen sich Interessenten vor dem Kauf. Das Konzept, etwas rein Digitales zu kreieren, geschweige denn zu besitzen, scheint vielen noch sehr abstrakt, beziehungsweise völlig undenkbar. Genau hierin sieht Vogl allerdings „unendliche Vielfalt und Flexibilität“.

Wie sich der Markt für digitale Kunst weiterentwickeln wird, ist ein spannendes Thema. Manch einer sieht darin keine Zukunft, andere spüren, dass in diesem Bereich riesiges Potenzial schlummert. Welche Möglichkeiten neueste Technologien für digitale Kunst und den Kunstmarkt dafür eröffnen können, darüber sprechen wir im Interview mit YAIR (Your Art Is Reality).

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