Drohnen erarbeiten sich ihren Platz in der Wirtschaft und werden bald nicht mehr wegzudenken sein. Das Potenzial, Aufgaben schneller, sicherer und mit gleichbleibender Qualität zu erledigen, entfaltet sich besonders an Stellen, wo der Einsatz von Personal entweder gefährlich oder teuer ist.

„Drohnentechnologie ist ein echter Paradigmenwechsel“

Aber von vorn: aktuell erobern Drohnen Bereiche wie Vermessung und Inspektion im Sturm. Sie sammeln in kurzer Zeit hochpräzise Daten, eine Baustelle muss dafür nicht mehr geschlossen werden. Durch die regelmäßige Wiederholung dieser Aufgaben kann man Baufortschrittskontrollen standardisieren, Verzögerungen verringern, BIM-Daten erstellen und abzutragende Volumina auf eine Handvoll Kiesel genau bestimmen. Man kann Zufahrtswege prüfen und mit Vorher-/ Nachher-Aufnahmen sogar Schadensersatzansprüche klären. Ob in Steinbrüchen, Tagebauten, im Hoch- oder Tiefbau – Drohnentechnologie ist ein echter Paradigmenwechsel, wenn es um die Erstellung operativ wichtiger Daten geht.

Im Bereich der Inspektion und des Monitorings werden die Möglichkeiten noch größer: Bahntrassen und Hochspannungsleitungen können auf Schäden untersucht werden. Brücken, Schornsteine und Windkraftanlagen werden in kurzer Zeit inspiziert, ohne dass sich Industriekletterer in gefährliche Höhen begeben müssen. Waldbestände, Erntezeitpunkte und Schädlingsbefall, Bodenzustand und voraussichtlicher Ernteertrag können bestimmt und sogar Rehkitze vor dem Mähdrescher bewahrt werden.

Fast keine Interaktion mehr

Nun macht eine Drohne das alles nicht ganz allein. Da liegt der Hase im Pfeffer. Obwohl der Automatisierungsgrad inzwischen ein hohes Niveau erreicht hat, scheuen sich viele, diese Technologie zu adaptieren. Das liegt weniger am Fluggerät selbst, sondern an den starken Einschränkungen seitens des Gesetzgebers und daran, was nach dem Flug mit den Daten gemacht werden muss. Aus zehn Gigabyte Fotos von einer Brücke muss erst eine Aussage herausgearbeitet werden. Auch da kommt uns die Technologie stark entgegen: Asset-Management-Softwarelösungen gibt es, und die ersten Deep-Learning-Algorithmen, getrimmt darauf, Daten nach Mustern wie Rissen oder Korrosion zu durchsuchen, sind bereits verfügbar. Kurzum: Durch die Automatisierung wird der Weg vom Problem zum Report immer besser komplettiert. Die ohnehin immensen Einsparungen der Datengenerierung werden dadurch noch größer.

Jetzt müssen die Daten automatisiert von der Drohne in den Rechner kommen. Das kann auf zwei Wegen passieren: entweder durch den Upload in eine Cloud, wobei die Bandbreite einen erheblichen Engpass darstellt, oder über sogenanntes On-board-Processing. In diesem Fall fliegt der Computer gleich mit. Da die heutigen Drohnen eher klein sind und die Flugzeit von der Menge der mitgenommenen Batterien bestimmt wird, bleiben meist keine Nutzlastkapazitäten für Computer übrig.

Aufregende Zeiten

Der Drohnenmarkt als Schmelztiegel der Technologien bringt in unglaublicher Geschwindigkeit neue Lösungen hervor. Diese Entwicklung wird durch strategische Partnerschaften von Hardware, Software, Service und R&D-Firmen noch weiter beschleunigt. Kunden wollen eine End-to-end-Lösung, die sich am besten noch mühelos in den Firmen-Workflow integrieren lässt. Intel hat das erkannt und baut sich ein eigenes Drohnen-Ökosystem auf. Von Hardware über Flugplanung, Datenanalyse, Schnittstellen bis hin zum Asset- und Datenmanagement zählt bereits alles zum Portfolio. Die fliegende One-fits-all-Drohne hat sich zu einem industrie- und anwendungsspezifischem Gerät entwickelt und ist in der Lage, präzise Daten zu sammeln oder eben auch Pakete auszuliefern.

„Mikrowellen- und Laser-Sensorik werden in naher Zukunft Lücken schließen und damit der Branche weiteren Aufwind geben“

Warum das so schwierig ist, liegt hauptsächlich an drei Dingen: 1. Die Gesetzgebung erlaubt keine Flüge außerhalb der Sichtweite und schon gar nicht über besiedeltem Gebiet. 2. Datenschutz und Akzeptanz der Bevölkerung müssen gesichert sein. Das ist vor allem in Mitteleuropa ein Thema. In Afrika, wo Drohnenlieferungen täglich stattfinden und der erste Drohnen-Flughafen in Ruanda gebaut wird, stellen Drohnen einen Lebensretter dar. Das lässt Akzeptanzfragen gar nicht aufkommen. 3. Die Technik, die zwar schon viel kann, muss bei Lieferungen bis zur Haustür mit vielen Problemen umgehen – und das autonom. Neben dem Paket muss erforderliche Sensorik mitgenommen werden, um bei der Landung vor Ort Bäumen, Laternen, Wind und anderen Fallen ausweichen zu können. Mikrowellen- und Laser-Sensorik werden in naher Zukunft auch diese Lücken schließen und damit der Branche weiteren Aufwind geben.

Es sind wirklich aufregende Zeiten und der Einsatz von Drohnen wird sehr viel Gutes tun auf der Welt. Was es jetzt noch braucht sind Pioniere, die diese Technologie adaptieren und das volle Potenzial nutzen, welches Drohnen bieten.

Drone Industry Insights Logo (Bild: Drone Industry Insights)

DRONE INDUSTRY INSIGHTS

Branche: Marktforschung & Consulting.
Über: ÜberDrone Industry Insights befasst sich seit 2014 mit dem Drohnenmarkt, fertigt für ihre internationalen Kunden Marktstudien an, berät bei Investitionen, Geschäftsentwicklung und Prozessintegration.
Gründer: Kay Wackwitz, Hendrik Bödecker
Gründungsjahr: 2014
Mitarbeiter: 10
URL: droneii.com

Aufmacherbild: „Drones“ (CC BY-NC-ND 2.0) von Ars Electronica

Zuerst erschienen in Berlin Valley Nr. 26

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