Glaubt man all den Zukunftsvisionen zum Drohnenmarkt, wird bald vieles um uns herumschwirren: Drohnen mit eiligen Medikamenten, jene zur Inspektion von S-Bahn-Brücken, Polizei-Drohnen zur Überwachung krimineller Schwerpunkte und natürlich tausende Lieferdrohnen mit Paketen von Amazon. Wir als B10 schauen uns seit anderthalb Jahren verschiedene Drohnen-Startups an, mit einer Präferenz auf Software-Lösungen. Bisher konnte uns keines überzeugen, doch wir haben drei Bereiche identifiziert, in denen Drohnen spannend werden.

Entertainment: Spielzeug für Große

Vergangenes Jahr habe ich mich selbst mit einer DJI Mavic Pro beschenkt und erkunde damit meine Umgebung. Das Geschäft mit dieser Art von Drohnen ist aber kein Business, das für Venture Capital interessant ist. Das Disruptionspotenzial ist im Hardware-Markt nicht groß genug. Die Entwicklungen in der Drohnen-Hardware sind aber eher Evolution als Revolution. Natürlich geht es immer noch besser, schneller und sicherer, aber weitere relevante Player neben den bereits etablierten Herstellern wird es außerhalb der Nischen nicht geben. Ich glaube an Drohnen im B2C-Bereich und als Entertainment. Ich sehe aber kein B2B-Business, das Potenzial zur Skalierung hat.

Vermessung und Überwachung

Die Vermessung von Gebäuden, das Inspizieren von Sturmschäden oder die Überwachung von Plätzen – das alles sind spannende Bereiche, die erst in Zukunft erschlossen werden. Doch stellt sich immer die Frage: Brauche ich dazu wirklich Drohnen? Was ist mit Satelliten? Schaut euch mal Planet oder ICEYE beziehungsweise Axelspace an. Diese werden immer günstiger und immer besser. Drohnen müssen von Menschen gesteuert werden. Es dauert, die Fläche abzufliegen und sie sind fehleranfällig. Also auch kein Mega-Markt, der „disrupted“ werden kann. Die Drohnen sollten nicht das Business sein, sondern Mittel zum Zweck, um Business realisieren zu können. Dann wird das Startup auch für VCs interessant.

„Das Disruptionspotenzial ist im Hardware-Markt nicht groß genug“

Lieferungen

Kommt in fünf Jahren wirklich die Pizza per autonomer Drohnen-Lieferung? Oder ist das ein Zukunftsszenario, wie wir sie durch unsere Eltern aus den 50er und 60er Jahren kennen, als von fliegenden Autos gesprochen wurde? Auch wenn viele gerade diesen Bereich erforschen, ist es wenig realistisch, dass schon bald tausende Drohnen die Logistik der letzten Meile bewältigen. Andere Technologien werden das wohl das effizienter lösen. Sicher wird es Dinge, wie die oft zitierte Medikamentenlieferung in nur schwer zugänglichen Bereichen einer Alm oder in wenig zivilisierten Gebieten Afrikas geben. Hier befinden wir uns in einer Nische, die eher keinen Venture-Capital-Business-Case darstellt.

Kein B2B-Markt in Sicht

Bisher sehe ich keinen Bereich, in dem Drohnen einen nennenswerten Impact liefern und damit ein Game-Changer oder Category-Killer sein könnten. Die durch Drohnen gelösten Probleme sind keine Top-Priority-Probleme potenzieller B2B-Kunden. Startups im Drohnen-Business sollten sich entweder auf Hardware im Infrastrukturbereich oder auf Software für das Management von Drohnen beziehungsweise Software für das Management des gesamten Prozesses fokussieren. Es muss, wie immer, ein richtiges Problem gelöst werden. Glaube ich an die Technologie: Ja. Glaube ich dass damit neue Ideen und Services möglich werden: Ja. Sehe ich einen B2C-Massenmarkt: Ja, vielleicht ähnlich wie Selfie Sticks oder Gopros. Sehe ich einen skalierbaren B2B-Markt? – Nein, bisher nicht. Es kommt was auf uns zu. Ich bin gespannt.

Zuerst erschienen in Berlin Valley Nr. 26

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