Quo Vadis DailyDeal?

Etwas Merkwürdiges passiert zurzeit in der Berliner Backfabrik. Nicht nur eine Bombendrohung sorgte unlängst für Aufregung. Auch die Ankündigung der beiden DailyDeal (Webseite) Inhaber Fabian und Ferry Heilemann, ihr unter allgemeinem Applaus an Google veräußertes Unternehmen DailyDeal wieder zurückzukaufen, sorgte allerorts für Furore. So etwas gab´s noch nie. Zumindest nicht nach solch kurzer Zeit.

Und kurz darauf dann der nächste Paukenschlag. Knapp zwei Monate nach dem Rückkauf geben die Heilemann-Brüder bekannt, dass sie sich künftig weniger auf die täglichen lokalen Schnäppchen konzentrieren, sondern stattdessen unter dem Namen “Heilemann & Company” als lupenreine E-Business-Agentur durchstarten wollen – mit dem Ziel, ihr gesammeltes E-Commerce-Wissen an lokale Kunden weiterzugeben. Das kann doch nur schief gehen…

Sicher – niemand kennt die genauen Hintergründe. Alles Details zu den Transfers blieben unter Verschluss. Möglicherweise ist es genauso teuer, sich von den Mitarbeitern zu trennen wie sie für einige Monate mit der Möhre E-Business-Agentur bei Laune zu halten.

Der DailyDeal-Hype in Deutschland ist vorbei

Man darf nicht vergessen – der Verkauf von DailyDeal an Google war bereits ein s.g. Firesale. Das Geschäft stand auf schwachen Füßen, dem Unternehmen fehlte die Liquidität zum autonomen Fortführen der Geschäfte. Das DailyDeal Business ist insgesamt schwierig und verschlingt Unsummen an Kapital (insb. durch Aufwendungen in Marketing und Sales) bei stagnierendem Konsumenteninteresse. Amazon hat vor kurzem seine Beteiligung an dem US-DailyDeal-Anbieter Social Living (immerhin die Nummer 2 im US-Markt) abgeschrieben. Einzig Groupon, der Erfinder des Geschäftsmodells, schlägt sich wacker, leidet jedoch nachhaltig unter dem künstlich inszenierten Ausgabepreis der Groupon-Aktien und zahlreichen publizierten Kundenerfahrungen.

Jedoch hat Groupon im Gegensatz zu allen anderen DailyDeal-Unternehmen die meisten sinnvollen Akquisen getätigt und seine Services somit um viele neue Technologien erweitert. Auch hat der Aktienkurs seine Talfahrt beendet und zeigt seit einigen Wochen wieder Richtung Sonne. Dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass es Groupon in Deutschland mindestens genauso schlecht geht wie DailyDeal.

Was uns zurück zu DailyDeal bringt. Die Vision der neuen Agentur fasst Heilemann wie folgt zusammen: “Strategische Beratung, praktische Unterstützung bei der operativen Umsetzung und maßgeschneiderte, praxisbewährte Lösungen für Startups und größere Digital-Unternehmen”. Das Leistungsspektrum soll von Business Intelligence über Kreation und Kundenbindung (CRM) sowie E-Mail-Marketing bis hin zu Services und Payments reichen. Den Fokus will man dabei auf Bestandskunden und große Marken legen. Händler werden zudem mit Markenshops hofiert, die den Multichannel-Vertrieb erschließen bzw. stützen sollen.

Das ist sicher erst mal kein dummer Gedanke. Die beiden Gründer sind smart und dynamisch und haben in den vergangenen Jahren das E-Business rauf und runter gelernt – und der lokale Handel hat immer noch keine seriellen Lösungen gefunden um den Amazons und Zalandos dieser Welt Paroli zu bieten.

DailyDeals Strukturen eventuell zu aufgebläht

Doch man darf nicht vergessen – mit DailyDeal agiert hier keine kleine drahtige 10-Mann-Agentur, die sich pareto-mäßig um ein paar lukrative Kunden kümmern kann. Auf der Payroll von DailyDeal Berlin / “Heilemann & Company”  stehen derzeit beachtliche 160 Mitarbeiter. Alleine die monatlichen Personalkosten dürften sich daher auf mindestens 400.000 Euro belaufen (geht man mal davon aus, dass ca. 25% des Personalstamms Praktikanten sind). Zwar wurde das Außendienstteam mehr als halbiert und im Marketing gespart, aber ob das langt, um eine saubere Neuausrichtung zu erreichen, ist fraglich. Unternehmer, die unter permanentem Kostendruck stehen, treffen bekanntermaßen keine bedachten Entscheidungen. Und weniger Außendienst und Marketing bedeuten im DailyDeal-Segment automatisch geringere Einnahmen.

Natürlich ist das DailyDeal-Business noch nicht tot. Nur weil Google das Interesse verloren hat und wieder auf rein technische Lösungen setzt, muss man den Geschäftszweig nicht sofort abschreiben. Kosnumenten lieben Schnäppchen. Und immerhin verkaufte DailyDeal im Jahr 2012 insgesamt 1,93 Millionen Gutscheine mit einem Gesamtwert von 125,7 Millionen Euro. Eventuell gelingt vor diesem Hintergrund ein fließender Übergang. „Pivoting“ ist ja ohnehin der Berliner Startup-Begriff des Jahres. Dennoch: Fabian Heilemann sagt selbst “das Hyperwachstum ist vorbei”. Und im Gegensatz zur Daily-Deal-Branche, wo die Heilemann-Brüder einfach ein bestehendes Konzept inkl. aller Prozesse kopieren konnten, fangen sie im Agentur-Business bei null an. Hier fehlt die Erfahrung und die Blaupause. Eine Agentur ist ein Unternehmen, das auf individuelle Kunden reagieren muss und benötigt andere Kompetenzen als ein skalierbares Online-Unternehmen. Andererseits bewegt sich ja auch Project-A teilweise in diese Richtung. Möglicherweise macht dieses Modell Schule.

Doch warum unbedingt ein Leben als Agentur?

Was den externen Beobachter jedoch wundert, warum die beiden Heilemanns den vermeintlich schwierigen Weg wählen. Warum sie versuchen, ihr Baby über die Zeit zu retten und in ein neues Geschäftsfeld zu überführen. Es wäre aufgrund der Reputation, die man sich in den vergangenen Jahren als Gründer aufbauen konnte, sicherlich einfacher, ein weiteres heißes US-Geschäftsmodell zu adaptieren und die nochmal von vorne zu starten. Andererseits erleben die Copycats zurzeit die bittere aber überfällige Erkenntnis, dass das Copy-and-Sell-Back-Prinzip nicht mehr greift. Wimdu und Pinspire sind möglicherweise nur die Vorboten des Endes der Copy-Cats-Kultur.

Heute wurde Cardagramm in der Presse beerdigt und auch der Spotify-Clon Simfy strukturiert um und zieht nach Berlin. Dies mag alles nicht in direktem Kontext stehen, mag jedoch Erklärung liefern, warum die Heilemanns sich aus der Startup-Szene zurückziehen und auf das Thema Agentur setzen. Wir sind gespannt und skeptisch – wünschen aber trotzdem viel Erfolg! Für den Standort Berlin wäre es wünschenswert, wenn die Agentur durchstartet. Die bösen Zungen (in Person eines Mike Butcher) liegen ja ständig auf der Lauer.

Nachtrag vom 26.April 2013

Passend zu dem Thema wurde gestern vom Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) eine Statistik zu den Umsätzen der Digital-Agenturen in Deutschland veröffentlicht. “Die deutschen Full-Service-Internetagenturen erwirtschaften 926,19 Millionen Euro Honorarumsatz im Geschäftsjahr 2012. Allein die größten 50 der insgesamt 218 meldenden Full-Service-Internetagenturen setzen einen Honorarumsatz in Höhe von 642,01 Millionen Euro um. (…) Die Unternehmen der Top 10 im „Internetagentur-Ranking 2013“ setzten alleine einen Honorarumsatz in Höhe von 299,44 Millionen Euro um.”

Nachtrag 2 vom 26.April 2013

Ebenfalls gestern wurde bekannt gegeben, dass Microsoft still und leise sein Projekt Bing Deals eingestellt hat. TechCrunch

DailyDeals Berlin funktioniert weiterhin gut

Ein Blick in die SEO-Auswertungen der DailyDeal Seiten zeigt, dass DailyDeal Berlin scheinbar noch auf hohe Akzeptanz stößt. Natürlich ist Berlin der Heimatmarkt. Hier haben die Heilemann-Brüder ihre Welteroberung begonnen.

DailyDeal Gutscheine

Weiterhin eine sicher Taffic Quelle für den Groupon-Clon. Zahlreiche Seiten bieten Gutscheine für DailyDeal an. Dort findet man zahlreiche Rabatte für DailyDeal an. Hier eine gute Auswahl an DailyDeal Gutscheinen:

Gutscheinpony

Gutscheinherz

Gutscheinsammler

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3 Kommentare auf "Kommentar: DailyDeal – können die Gebrüder Heilemann mehr als nur kopieren?"

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MichaelHensch
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@BerlinValley Heilemann-Brüder ziehen sich nicht von Startups/DailyDeal zurück. “Heilemann & Co” ist erster Schritt zur Diversifizierung.

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