Nun ist die digitale Transformation tatsächlich in Deutschland angekommen. Erklärte die Bundeskanzlerin noch vor zwei Jahren das Internet zum Neuland, konnte man sich vor Kurzem auf dem „Netzpolitischen Abend“ des Bundesverbands Digitale Wirtschaft im Berliner Soho House bei den Ausführungen von Bundesminister Peter Altmaier verwundert die Augen reiben: „Die erste Halbzeit der Digitalisierung haben wir verspielt und müssen aufpassen, nicht die zweite Halbzeit zu verlieren.“ Getrieben von dieser Erkenntnis startet auch die deutsche Industrie zwar spät, aber hoffentlich nicht zu spät den Wettlauf mit den hauptsächlich US-amerikanischen und chinesischen Wettbewerbern.

Doch es reicht nicht mehr, immer ein kleines bisschen innovativer und qualitativer als die Konkurrenz auf dem Weltmarkt zu sein, um dauerhaft die Nase vorn zu haben. Die finanzstarken Digitalkonzerne aus dem Valley geben sich längst nicht mehr damit zufrieden, die Werbeindustrie und den Handel umzukrempeln. So entwickeln Google und Apple die Software, die das künftige Herzstück der Mobilitätskonzepte sein wird und bedrohen damit bedrohen sogar die deutsche Automobilindustrie – eines der Aushängeschilder unserer Wirtschaft. Denn wer ist eigentlich Zulieferer und wer Hersteller, wenn für die Kaufentscheidung nicht mehr Karosserie und Motor maßgeblich sind, sondern das automobile Betriebssystem den Unterschied macht?

Vor der gleichen Herausforderung stehen ganz akut auch die Kommunikations-, Logistik- und Finanzindustrie, um nur einige Industriesegmente zu nennen. Falls die Digitalisierung in Europa scheitern sollte, prognostizieren Studien einen Rückgang der industriellen Basis um zehn Prozent.

Digitale Dienstleister als Hebel für die Transformation?

Die gegebenen Strukturen der deutschen Industrie sowie ihr Personal sind gegenwärtig nicht in der Lage, mit branchenfremden Digitalunternehmen in puncto Geschwindigkeit und Innovationskraft mitzuhalten. Diese Kompetenzen organisch in den kommenden Jahren aufzubauen, ist notwendig, kann aber nicht schnell genug vollzogen werden. Daher müssen vor allem externe Dienstleister den digitalen Wandel in den nächsten Jahren vorantreiben. Neben Management- und IT-Beratungen sind auch Digitalagenturen besonders gefordert. Diese unterstützen Kunden mit ihrem speziellen Verständnis der Nutzerbedürfnisse und kreieren nutzerfreundliche digitale Services. Aufgrund ihrer digitalen DNA und Methodenkompetenz ähneln sie kulturell und bezogen auf die Innovationsgeschwindigkeit den digitalen Herausforderern sehr. Das macht Digitalagenturen zu einem wichtigen Partner im Transformationsprozess.

Ist in Deutschland ein Problem erst einmal erkannt, analysiert und diskutiert worden – und zugegeben: das kann dauern –, sind wir in der Exekution der Lösung sehr konsequent und nachhaltig. Wenn am Standort Deutschland die Kompetenzen der Auftraggeber und das Know-how der Dienstleister und Startups gebündelt werden, können wir das Spiel in der zweiten Halbzeit noch drehen und tatsächlich als Gewinner aus der Digitalisierung hervorgehen.

Dieser Artikel erschien zuerst in Berlin Valley News 08/2015.

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