Alle sind sich einig, dass die neuen Gründergenerationen aus der Hochschule vor allem durch Kontakte und viel Erfahrungswissen unter anderen von erfahrenen Gründerinnen und Gründern profitieren. Die passenden Mentoren und Kontakte zu finden, ist jedoch nicht immer einfach, zumal diese Personen häufig noch Verantwortung tragen und zeitlich stark eingebunden sind. Auf der anderen Seite geben die erfolgreichen Gründer gern ihren Erfahrungsschatz weiter und suchen nach Möglichkeiten, Kontakte zur nächsten Generation von Gründern zu knüpfen, um innovative Ideen zu fördern oder Geld zu investieren.

An vielen Hochschulen gibt es deshalb Netzwerke von Ehemaligen, den sogenannten Alumni, die oftmals noch eng mit der Hochschule verbunden sind. Dabei sind Unternehmen mit größeren personellen Ressourcen (mehr als fünf Mitarbeitern) eher bereit und in der Lage, Unterstützung zu leisten als kleine Firmen, wie die TU-Gründungsbefragung von 2012 belegt.

Die TU Berlin bringt Alumni und Gründer zusammen

Das Centre for Entrepreneurship (CfE) der TU Berlin kann auf eine Vielzahl von Ausgründungen verweisen. Weit mehr als 800 Unternehmen sind dem Alumniprogramm der TU Berlin bekannt, und es werden täglich mehr. Aus diesem Fundus schöpft der Startup Incubator ein unermessliches Potenzial an Gründergeist und Gründungsförderung. Unterstützer sind dabei zum einem bekannte und etablierte Unternehmen wie Teles oder Ableton, deren Gründungsgeschichte schon ein paar Jahrzehnte zurückliegt, und zum anderen die jungen Gründerinnen und Gründer aus den Reihen der TU Berlin, die den Startup Incubator am CfE durchlebt haben.

Die besondere Verbundenheit der ehemaligen Gründerinnen und Gründer einer Hochschule zeigt sich durch die Bereitschaft, als Mentor oder Berater mit wertvollem Wissen und Erfahrungsschatz zur Seite zu stehen, mit diesen zu kooperieren oder diese sogar finanziell zu unterstützen. Das CfE hat unterschiedliche Formate entwickelt, um ein Matching zwischen Alumni und Startups zu beflügeln. Ob der Funke überspringt, entscheidet letztendlich über eine mögliche Zusammenarbeit. In einer Wanderausstellung mit dazugehörigem Katalog porträtieren wir erfolgreiche Gründer der TU Berlin.

Einen besonders engagierten Alumni möchte ich gerne vorstellen: Jan Bohl. Der ehemalige TU-Student ist seit Juni 2000 Vorstand, COO und CFO der Ableton AG. Die Software Ableton Live sowie das HardwareInstrument Push des Berliner Unternehmens werden im elektronischen Musikbereich für Liveauftritte sowie zum Produzieren von Musik verwendet. Inzwischen gehört Ableton weltweit zu den Marktführern in diesem Segment. An der TU Berlin erwarb Jan Bohl ein betriebswirtschaftliches Doppeldiplom, das zusammen mit der ESCP Europe in Paris vergeben wird. Anschließend war er vier Jahre als Unternehmensberater angestellt. Kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase ging er zu Ableton. Zu diesem Zeitpunkt existierte das Startup ein halbes Jahr. Bohl reizte die einzigartige Kombination aus Musikindustrie und innovativer Technologie. Nach wie vor schätzt er das Arbeiten in der kreativen Umgebung: Fast zwei Drittel seiner Kollegen, gerade im Kunden-Support, legen abends als DJs in Clubs auf. Bohl bringt die kaufmännischen Kompetenzen in das Team ein und sieht in der Teamstruktur von Ableton auch das Erfolgsgeheimnis. Das Team ist es auch, worauf Bohl heute als Business Angel achtet: Er investiert in Menschen, nicht in Ideen. Seit 2006 engagiert er sich für junge Gründungen und hat dabei auch die Ausgründungen aus der TU Berlin im Blick. So fiel ihm auf der Netzwerkveranstaltung Alumni Angel Abend 2010 das TU-Startup Newsletter2go auf. Ziel des Alumni Angel Abend ist es, den Austausch zwischen Startups, Business Angels, Alumni und etablierten Unternehmen zu fördern. Im Fall von Newsletter2go und Jan Bohl hat das wunderbar geklappt: Er investierte in das TU-Team.

Dieser Artikel erschien zuerst in Berlin Valley News 12/2015.

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