Digitalisierung der Lehre – Chancen und Herausforderungen

Wie sieht das Lernen und Arbeiten an Hochschulen in Zukunft aus? Heute schon lernen Schüler und Studierende über Onlineangebote, die kostenlos zur Verfügung stehen wie Lernvideos bei Youtube oder über kostenpflichtige Angebote wie zum Beispiel Sprachlernprogramme oder Mathematiklernkurse. In Zukunft werden sogenannte MOOCs (Massive Open Online Courses) die Vermittlung von Grundlagenwissen an Hochschulen übernehmen. So lassen sich Lehrbuchinhalte vermitteln, die unabhängig an jedem Ort gelernt werden können. Zudem können Onlinekurse der besten Professoren weltweit in die eigenen Kurse eingebunden werden. In den USA zum Beispiel am MIT werden viele Grundlagenvorlesungen schon als MOOCs angeboten. An der Universität selbst werden der so erlernte Stoff und die Hausaufgaben dann in Präsenzseminaren diskutiert und das Wissen angewendet. Die Universität wird noch mehr zum Diskussionsfeld und zum Ort, an dem Inhalte konkret angewendet und weiterentwickelt werden, wo Thesen aus verschiedenen Richtung betrachtet und eine lebendige Diskussion entstehen kann. Auch für die Professorinnen und Professoren ist dies ein großer Gewinn. Denn die Grundlagenvorlesung muss nun nur einmal für eine Aufnahme gehalten werden.

MOOCs und die StApps an der TU Berlin

Ein Beispiel für die Digitalisierung der Lehre an der TU Berlin ist das MOOC-Projekt von Rüdiger Zarnekow aus dem Fachgebiet Informations- und Kommunikationsmanagement. Der Professor stellt seine Vorlesung „Einführung in die Wirtschaftsinformatik“ als Onlinekurs für die Studierenden bereit. Dieser transportiert das Basiswissen. In der eigentlichen Vorlesung – die dann de facto keine Vorlesung mehr ist, sondern vielmehr eine Diskussionsplattform – plant der Professor, den Austausch mit seinen 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmern interaktiv zu gestalten: Via Smartphone kann über zu diskutierende Themengebiete abgestimmt werden. Oder er stellt eine Aufgabe mit drei möglichen Antworten zur Debatte und sieht an den Lösungsvorschlägen, wie der durchschnittliche Kenntnisstand des Plenums ist – und das alles in Echtzeit. Die Lehre wird somit gleichzeitig flexibler und spannender für beide Seiten. Im zweiten Schritt plant Zarnekow, seinen Onlinekurs als MOOC öffentlich zugänglich zu machen. Sein Tipp an alle Professorinnen und Professoren, die einen MOOC planen: Es lohnt sich die technische Zusammenarbeit mit einem Profi. Inhaltlich sollte man auf Basiswissen setzen, sodass der MOOC nicht ständig aktualisiert werden muss.

Ein weiteres Beispiel ist die App StApps. Diese wurde durch das Projekt Innocampus an der TU Berlin entwickelt. Über diese App kann man zum Beispiel seinen Kalender auf dem digitalen Endgerät mit den Kalendersystemen der TU synchronisieren. So stehen dann – wie von Zauberhand – die Räume und Termine der Vorlesungen neben dem Zahnarzttermin im privaten Handy-Kalender. Diverse Erweiterungen hat das Team bereits getestet, wie die Einbindung der BVG oder auch aktuelle Informationen über Staus. Die App ist kostenfrei und wird ab dem kommenden Wintersemester in der Betaversion den ersten TU-Fachgebieten zur Verfügung gestellt. Die App ist so konzipiert, dass sie auch von weiteren Hochschulen genutzt werden kann. So startet im Januar 2016 der erste Testlauf an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

Das alles sind erste Schritte in die richtige Richtung. Tatsächlich liegen die deutschen Hochschulen noch hinter den US-Universitäten zurück. So gibt es heute auch schon Lösungen, die es unter anderem ermöglichen, Prüfungen online abzunehmen. Die wahren Herausforderungen für die Universitäten werden daher insbesondere die Administration und die rechtliche Lage in Deutschland sein sowie die individuelle Entscheidung jeder Hochschule, hier mitspielen zu wollen.

Dieser Artikel erschien zuerst in Berlin Valley News 10/2015.

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