An der Main Street in Cambridge auf dem Campus des Massachusetts Institute of Technology (MIT) residiert das LabCentral. Es ist ein neuer, riesiger Coworking Space für Biotech-Firmen auf einer Fläche, die mehr als dreimal so groß ist wie das Berliner Olympiastadion. Geschäftsführer ist der Deutsche Johannes Frühauf, den ich während einer einwöchigen DAAD-Reise zu Alumni der TU Berlin an der Ostküste kennenlernte.

Das LabCentral bietet unterschiedlich nutzbare Flächen für Biotech-Startups. Von einem Laborarbeitsplatz im Shared Space ab 3720 Dollar monatlich bis hin zu privaten Laborräumen für bis zu acht Personen für circa 15.000 Dollar im Monat gibt es alles, was ein Biotech-Gründer zum Loslegen benötigt: einen voreingerichteten Laborplatz mit großzügiger Grundausstattung wie Zentrifugen, Abzügen, Gefrierschränken und Aufbewahrungssystemen für Zellkulturen.

Insbesondere auf Vernetzung und Austausch wird Wert gelegt. So findet sich im Herzen des Labs eine große Küche, in der es Snacks, Obst und Kaffee kostenfrei gibt. Als wir zur Mittagszeit vorbeikamen, richtete der Pharmaziehersteller Johnson & Johnson ein freies Mittagessen aus, um die Gründer zu vernetzten. Überhaupt hat die Industrie ihre Arme weit in das LabCentral gesteckt.

Mietfrei mit der Goldcard

Alle großen Firmen sind als Sponsoren zu finden, die größten Sponsoren dürfen ein Office im LabCentral betreiben und sind somit immer mit Ansprechpersonen präsent. Ebenso verhält es sich mit Beratern, zum Beispiel Anwaltskanzleien. Diese können nur Services anbieten, wenn sie auch als Sponsor mitmachen, sonst ist ihnen das Kennenlernen der Startups im Hause verwehrt. Eine schöne Idee des Sponsorings ist die sogenannte Goldcard. Damit können Sponsoren ein Unternehmen des LabCentral auswählen und zwölf Monate die Mietkosten übernehmen. Dafür besteht eine besondere Bindung zum Startup. Diese Idee finde ich für die Berliner Gründerszene sehr attraktiv: als Kooperationsmöglichkeit für Industrie mit Hochschulinkubatoren.

Das Interesse am LabCentral ist groß. Die Räume sind fast voll und der Geschäftsführer Frühauf denkt schon über eine Erweiterung nach. Cambridge mit den Universitäten Harvard und MIT in Laufnähe bietet die besten Voraussetzungen, innovative Biotech-Gründungen hervorzubringen. Fast auf dem Campus haben Biotech-Firmen wie Novartis große Forschungszentren. Dies scheint ein idealer Nährboden zu sein.

Ist Berlin schon so weit? Das CoLaborator von Bayer geht in dieselbe Richtung. Auch an der TU Berlin in Kooperation mit UniCat planen wir einen Coworking Space für Startups aus der Chemie. Das Potenzial dafür ist durch das breite Spektrum der Berliner Universitäten in den Bereichen Chemie-, Life-Sciences- und Nanotechnologie auf jeden Fall vorhanden.

Dieser Artikel erschien zuerst in Berlin Valley News 05/2015.

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