Etwa 2,5 Millionen kleine und mittlere Unternehmen gibt es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland. Wer sie in die digitale Welt bringen will, fängt am besten bei der Kasse an. Inzwischen gibt es eine fast unüberschaubare Anzahl von Anbietern – von den Herstellern aus der alten Welt mit ihren komplexen Systemen, die eigentlich für die großen Ketten entwickelt wurden, über unzählige kleine Anbieter reiner Kassensoftware bis hin zu den Startups, die iPad-basierte Systeme anbieten. Keiner hat den Markt bisher geknackt.

Jeder muss sich ganz normalen Alltagsproblemen stellen: „Das geht schon damit los, eine Kasse zu haben, also Geld einzunehmen und Cash zu managen. Was mache ich mit Trinkgeld? Was mache ich mit Kreditkartenabrechnungen und der Servicegebühr?“, sagt Marco Boerries, der mit Enfore eine ganze Suite für kleinere und mittlere Unternehmen entwickelt.

Mit Enfore werben auch andere Anbieter um kleine Unternehmer, die sich eigentlich lieber um ihr Geschäft, als um ihre Technik kümmern wollen. Wir stellen mit Inventorum, Locafox und Oderbird drei bereits verbreitete Systeme vor:

Wie der Name andeutet, ging es Christoph Brem anfangs eigentlich darum, eine Warenbestandsverwaltung für Einzelhändler zu bauen. Daraus ist jedoch eine umfangreichere Plattform entstanden, eine Art digitales Cockpit für den Einzelhändler auf dem iPad. Die Lösung umfasst ein Kassensystem, Warenwirtschaft, Onlineshop, Ebay-Anbindung, vorbereitende Buchhaltung und Kundenverwaltung. Das Team in Berlin ist inzwischen auf 45 Leute angewachsen. Kunden sind inhabergeführte Modegeschäfte, Zoohandlungen, Einrichtungs- und Dekoläden, Friseure, Vaporizer- und auch Pop-up-Stores. „Nach unseren Schätzungen schlummern in 465.000 Geschäften ungefähr 600 Millionen Produkte. Das ist viermal so viel wie auf Amazon.de. Nur keiner weiß, wo die Produkte sind, zu welchem Preis und ob die Produkte verfügbar sind – genau hier setzen wir mit unserer Lösung an”, sagt Christoph Brem. Neben dem iPad bietet Inventorum weitere Hardware – Scanner, Kassenschublade, Bon-Drucker – als Reseller an. 1300 Kunden hat Inventorum bereits in der DACH-Region.

INVENTORUM

GRÜNDER: Christoph Brem und Michael Brehm
GRÜNDUNG: 2013
URL: inventorum.com

Locafox ist nicht nur Kassensystem, sondern auch Marktplatz. (Foto: Locafox)
Locafox ist nicht nur Kassensystem, sondern auch Marktplatz. (Foto: Locafox)

Ursprünglich startete Locafox als Online-Marktpkatz für den stationären Handel. Inzwischen hat das Startup seine Angebotspalette ausgebaut und entwickelt Services und Tools, mit denen es lokale Einzelhändler dabei unterstützt, in der digitalen Welt wettbewerbsfähig zu bleiben. „Wir möchten mit Locafox die Vielfalt in unseren Innenstädten bewahren und den Händlern dabei helfen, ihr Stationärgeschäft erfolgreich mit dem Internet zu verbinden, um so wieder vermehrt Online-Kunden in den Laden zu holen“, sagt CEO Josef Seilern. Nutzer des Marktplatzes können Produkte in Geschäften in ihrer Nähe kaufen und sich die Ware am selben Tag liefern lassen. Das Tablet-Kassensystem Locafox POS basiert auf Android. Es ist Kasse, Warenwirtschaft, elektronisches Kassenbuch und E-Commerce-Lösung in einem und bietet eine Anbindung an den Marktplatz. Mehr als 50 Mitarbeiter aus 18 verschiedenen Nationen arbeiten in Berlin-Kreuzberg sowie in der Außenstelle in Kapstadt (Südafrika) für Locafox, das unter anderem von HV Holtzbrinck Ventures und der Deutschen Druck- und Verlagsgesellschaft finanziert ist.

LOCAFOX

GRÜNDER: Karl Josef Seilern, Fabian Friede, Lukas Zels, Michael Wendt und Rob Morgan
GRÜNDUNG: 2013
URL: locafox.de

Orderbird: Das iPad-Kassensystem im Frankfurter Bar-Restaurant Jesse James (Foto: Orderbird)
Orderbird: Das iPad-Kassensystem im Frankfurter Bar-Restaurant Jesse James (Foto: Orderbird)

Orderbird hat sein Kassensystem auf iOS-Basis als Software-as-a-Service speziell für die Gastronomie entwickelt. Ziel der Gründer war es, eine Kassenlösung anzubieten, die für Restaurants, Cafés, Bars, Clubs, Eisdielen und Biergärten erschwinglich und intuitiv ist und sich den Bedürfnissen der modernen Gastronomie anpasst. Inzwischen beschäftigt das Startup mehr als 140 Mitarbeiter am Standort Berlin. Das Unternehmen gewinnt nach eigenen Angaben mehr als 300 Neukunden pro Monat und verfügt mittlerweile über einen Kundenstamm von mehr als 7500 Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in Großbritannien und Irland. Seit 2016 ist Orderbird auch in Frankreich aktiv, 2017 soll Spanien dazukommen. Im vergangenen Jahr schloss Orderbird eine Series-C-Finanzierungsrunde über 20 Millionen Euro ab. Zu den Investoren gehören Digital+ Partners, die Metro Group und der Payment-Dienstleister Concardis. Mit den strategischen Partnern und dem frischen Kapital will das Startup die Produktentwicklung und seine Expansion in den europäischen Markt weiter vorantreiben.

ORDERBIRD

GRÜNDER: Bastian Schmidtke, Jakob Schreyer, Artur Hasselbach und Patrick Brienen
GRÜNDUNG: 2011
URL: orderbird.com

Zuerst erschienen in Berlin Valley Nr. 22

Alle Ausgaben zum kostenlosen Download.

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2 Kommentare auf "So macht man Kasse: Inventorum, Locafox und Orderbird im Schnellcheck"

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[…] besuchte Hersteller und Messen, um das umweltfreundliche Sortiment zusammenzustellen. Das Kassensystem fand sie im […]

Alexandra Schott
Gast

Toller Beitrag und super Vergleich der einzelnen Kassensysteme!
Es gibt unzählige Registrierkassen-Anbieter, da verliert man heutzutage sehr leicht den Überblick. Euer Schnellcheck hat es auf den Punkt gebracht. LG Alexandra

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