Judit Klein kennt sich mit verschiedenen Unternehmenskulturen aus: Sie hat sowohl in Corporates als auch in Startups arbeitet, mittlerweile arbeitet sie beim Zollhof – Tech Incubator in Nürnberg. Mit uns spricht sie über die verschiedenen Unternehmenskulturen, ihr Innovationspotenzial und über die Zusammenarbeit von Corporates und Startups.

Judit, lieber Corporate oder Startup?

Judit Klein: Ich persönlich arbeite lieber in kleineren Teams. Aber das ist eine sehr persönliche Entscheidung. Beide haben ihre Vor- und Nachteile. Es kommt wirklich darauf an, was persönlich besser zu einem passt.

Was genau sind die Vor- und Nachteile?

Judit Klein: In Corporates weiß man eher, was man zu erwarten hat. Meistens gibt es eine gute Work-Life-Balance und die Teams sind mit mehr Ressourcen ausgestattet. Auch bei der Durchführung von Projekten sind Corporates meistens sehr viel effizienter, weil die Prozesse etablierter sind. Als Mitarbeiter weiß ich besser, wie ich meine persönliche Karriere weiterentwickeln kann. Im Startup ist das natürlich alles ungewisser. Allerdings ist hier der Einfluss, den man als einzelne Person haben kann, viel größer. Mit flachen Hierarchien und kleinen Teams kann ich die Ergebnisse meiner Arbeit viel mehr beeinflussen. Und meine Arbeit wird sichtbarer.

Inwiefern hängt Innovation von der jeweiligen Unternehmenskultur ab?

Judit Klein: Startups können natürlich schneller reagieren mit einem Problemlösungsansatz und Fokus auf die Kunden. Danke ihrer flexibleren Strukturen sind sie tendenziell besser darin, neue und innovative Businessmodelle auf den Markt zu bringen. In der Ausführung der Businessmodelle sind wiederum größere Unternehmen besser.

Wie gelingt die Zusammenarbeit von Startups und Corporates?

Judit Klein: Es ist generell immer schwierig, diese beiden Welten zu kombinieren. Meiner Einschätzung nach wird es nur funktionieren, wenn die großen Unternehmen ausdrücklich hinter der Kollaboration stehen und klar für sich definieren können, weshalb die Zusammenarbeit  aus strategischer Sicht für sie sinnvoll ist.

Nähern sich Corporates und Startups immer mehr an?

Judit Klein: Viele Unternehmen kopieren gerade diese Startup-Kultur. Die Unternehmen öffnen sich also. Das geschieht aber oftmals nur sehr oberflächlich, wenn zum Beispiel einfach eine Tischtennisplatte aufgestellt wird. Mehr Sinn machen da zum Beispiel Corporate Acceleration-Programme, mit denen die Unternehmen interne Innovationen fördern. Für diesen Prozess ist es aber wichtig, raus aus dem eigenen Unternehmen zu gehen. Wir im Zollhof bekommen viele Anfragen von Unternehmen. Die schicken dann ihre Teams hierher, um gemeinsam Innovationen zu entwickeln. Die Mitarbeiter können so wichtige Erfahrungen sammeln und dann als Intrapreneure in ihre Unternehmen zurückkehren.

Judit Klein 

ist Business Development Manager beim Zollhof – Tech Incubator in Nürnberg. Sie hat in den letzten zehn Jahren bereits mit Gründern und Innovatoren bei Fujitsu, Ericsson und Teva in ganz Europa gearbeitet. Aktuell widmet sie sich ihrem PhD am Entrepreneurship Research Institute der TU München.
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judit klein - „Corporate oder Startup? Eine sehr persönliche Entscheidung“