Was sind eigentlich eure Erfolgsfaktoren? Es gibt ja auch andere Accelerator, die wieder zugemacht haben.

Jörg Rheinboldt: Ich glaube, unser Erfolg beruht auf einer Mischung aus verschiedenen Faktoren. Dabei ist wichtig, dass dir und allen, die damit etwas zu tun haben, immer genau klar ist: Was ist das Hauptziel? Warum mache ich das eigentlich? Und bei uns gab und gibt es neben einigen weiteren Zieldimensionen immer auch ein großes Ziel, nämlich: Wir wollen Geld damit verdienen.

Das ist die Mission?

Jörg Rheinboldt: Ja, das ist relativ simpel. Wir sollten irgendwann mehr Geld rausnehmen können, als wir hier reinstecken. Und dann ist die zweite spannende Frage: In welchem Zeitraum? Wenn er zu kurz ist, kriegst du es nicht hin. Und wenn er zu lang ist, kriegst du es vielleicht auch nicht hin, weil irgendjemandem der Geduldsfaden reißt. Und dann ist die nächste Frage: Wie ist die Balance aus Investment und Return? Wie funktioniert das? Was erwartet man da voneinander? Von unserer Seite haben wir bisher immer gesagt – und das tun wir auch weiter –, dass wir nicht zu viel versprechen wollen. Dafür halten wir das dann aber auch – oder performen vielleicht sogar darüber hinaus.

Und im Hinblick auf die Startups?

Jörg Rheinboldt: Wir fragen uns zum Beispiel immer, was wir als Organisation besser können als die Startups. Wie kann man Startups eigentlich wirklich helfen? Und offensichtlich ist die größte Hilfe, die wir ihnen geben können, Venture Capital aufzunehmen. Und dann haben wir uns gefragt, was einen Investor eigentlich dazu bringt, in eine Firma zu investieren. Das ist jetzt alles keine Raketenwissenschaft. Alles, was wir gemacht haben, ist, darüber einmal richtig nachzudenken. Dabei haben wir festgestellt, dass es Readiness-Dimensionen gibt. Du musst – und das kann ich jetzt sehr romantisch erzählen – einen Traum haben oder eine Vision und daraus Hypothesen bilden können und so weiter, bis du am Ende durch alle Dimensionen zeigen kannst, dass du gut darin bist, einen Traum in Hypothesen und dann in einen Plan umzusetzen und schließlich in Daten oder Ergebnisse. Dann ist das ganz simpel und es ist überhaupt kein Problem, von irgendwem Geld zu bekommen. Denn dann kannst du wahrscheinlich sogar zu einer Bank gehen und dir einen Kredit holen.

Wie genau unterstützt ihr die Startups bei diesem Prozess?

Jörg Rheinboldt: Ein wichtiger Satz, den wir gelernt haben, ist: Wer sind wir, den Startups zu sagen, was sie besser machen sollen? Denn das würde heißen, dass wir es besser können, und dann sollten wir lieber selbst ein Startup gründen. Abstrakt gesehen können wir aber schon ein paar Erfahrungen mitgeben. Nur schreiben wir nicht etwa die Roadmap für sie oder geben vor, was richtig ist, sondern geben ihnen acht verschiedene Templates, die wir gut finden. Oder wir geben ihnen Zugang zu Leuten, die sich richtig gut in solchen Dingen auskennen.

Wie läuft denn der Bewerbungsprozess bei euch?

Startups können sich bei uns bewerben, wie sie wollen, solange sie es über unsere Website tun. Das ist tatsächlich ein sehr unromantisches Formular, bei dem man ein paar Fragen beantworten muss. Plus ein paar Infos, die man dazupackt. Dann schauen wir uns alles an. Immer im Multi-Augen-Prinzip und überlegen, ob wir das Team treffen wollen. Beim Pitch sind wir dann ein Komitee von sechs bis zehn Leuten, wobei uns im Prinzip drei Fragen interessieren. Warum ihr? Warum das? Warum jetzt? Das Ganze basiert auf den bereits erwähnten Investor-Readiness-Dimensionen, die wir entwickelt haben – und natürlich auch selbst anwenden. Wir versuchen herauszufinden, ob dieses Team das richtige ist, um diese Idee zu verwirklichen. Wie vollständig sind die? Was fehlt da noch? Wie einig sind wir uns mit ihnen darüber, was da noch fehlt und wie das ergänzt werden kann? Wie klicken die miteinander? Da stressen wir sie auch manchmal ein bisschen, etwa indem wir immer eine Person mehr pieksen und schauen, wie die anderen damit umgehen. Insgesamt nehmen wir jeden Monat zwischen einer und vier Firmen auf. Also circa vierzig pro Jahr.

Wie hat sich Axel Springer Plug and Play über die Jahre verändert?

Jörg Rheinboldt: Wenn man so möchte, ist unser Fund jetzt aus der Investment-Phase in die Entwicklungsphase übergegangen. Das heißt, mit Axel Springer Plug and Play investieren wir nur noch in die Firmen, an denen wir schon beteiligt sind. Da haben wir aktuell 102. Und mit APX (Axel Springer Porsche GmbH) machen wir alle neuen Investments. Das sind bislang 14. Nach fünf Jahren haben wir mit Axel Springer Plug and Play einfach gemerkt, dass wir sehr gerne in Startups investieren und das auch weiterhin tun wollen. Aber Plug and Play wollte sich auch immer mehr auf Matchmaking zwischen Startups und Corporates konzentrieren und das haben sie ja mit ganz vielen Initiativen in Deutschland und vor allem auch weltweit sehr erfolgreich getan. Angetrieben von diesem neuen Fokus haben wir uns überlegt, die Investitionsseite auf eine andere Ebene zu heben und das, was wir an Investments machen, mit neuen Partnern zu tun. Wir haben dann mit vielen potenziellen Partnern gesprochen und Porsche waren diejenigen, mit denen wir uns am schnellsten einig waren. Das hatte so eine totale Leichtigkeit.

 „Wir geben Zugang zu Leuten, die sich richtig gut mit verschiedenen Dingen auskennen“

Ihr wolltet nur einen Partner haben?

Jörg Rheinboldt: Wir hätten auch mehr genommen, aber schon zwei Corporates als Gesellschafter machen die Sache kompliziert. Mehr machen es nicht einfacher. Und wir hatten ja auch nicht den Wunsch, unendlich viel Geld einzusammeln. Denn dann entsteht das Problem, dass du dieses Geld auch unterbringen musst. Und darauf sollte die Entscheidung nicht basieren, sondern darauf, dass die Finanzierung wirklich eine gute Gelegenheit für ein Investment ist.

In den Räumen von APX gibt es viel Platz für Ideen. Foto: Dominik Tryba
In den Räumen von APX gibt es viel Platz für Ideen. Foto: Dominik Tryba

Was habt ihr denn richtiger gemacht als andere? Oder andersherum: Was habt ihr vielleicht nicht falsch gemacht?

Jörg Rheinboldt: Ich glaube, was immer wichtig ist: Du darfst nicht zu krasse Kosten aufbauen. Du darfst dich nicht zu groß an den Firmen beteiligen, damit sie auf dem Venture-Pfad bleiben können und du sie nicht durch dein Engagement kaputt machst. Dann musst du vernünftige Auswahlkriterien haben, aber auch das Quäntchen Glück, das du brauchst, um die richtigen Teams zu finden. Und dann muss die Zukunft zeigen, ob das wirklich stimmt. Im Moment haben wir das Gefühl: ja. Von den 102 Startups, in die wir mit Axel Springer Plug and Play investiert haben, sind noch 60 aktiv. Statistisch gesehen viel zu viele. In den nächsten fünf Jahren muss sich dann zeigen, was wir da wirklich an Geld verdienen können. Wer kauft uns wann welche Anteile an den Firmen ab? Da sind einige dabei, bei denen wir super zuversichtlich sind. Und auch den einen oder anderen Secondary Deal haben wir bereits gemacht. Somit stehen wir jetzt schon gut da und keiner fragt, wo das ganze Geld ist.

„Bei uns gab es immer ein großes Ziel: Wir wollen Geld damit verdienen“

Woran kann denn so eine Partnerschaft wie die von Porsche und Axel Springer eventuell scheitern? Am Wechsel der Führungsebene?

Jörg Rheinboldt: Ja natürlich, es sind halt immer auch Menschen beteiligt. In beiden Geschäftsmodellen sind wir noch nicht am Ende der Transformation und wissen auch nicht genau, wie wir in den nächsten Jahren weiterhin Geld verdienen und ob das noch vergleichbar ist oder sich radikal ändern wird. Auf der Mikroebene gibt es aber auch Fallstricke, etwa wenn man zu wenig miteinander redet oder zu wenig lernt oder nicht mitkriegt, wenn sich Dinge verändern und man selbst nicht mehr wachsen kann.

Wie viele seid ihr denn jetzt?

Jörg Rheinboldt: Wir sind extrem gut darin, eine kleine Organisation zu sein. Festangestellte sind wir etwa ein Dutzend, plus ein paar Praktikanten, die aber sehr intensiv mitmachen. Wir haben zwei Werkstudenten, duale Studenten aus dem Axel Springer Universum. Im Moment sind wir die beliebteste Ausbildungssituation bei Axel Springer.

Ihr habt also keine Zukunftssorgen?

Jörg Rheinboldt:  Doch, aber das bringt ja nichts. Wir können uns ganz viele Szenarien ausdenken, warum das hier auf jeden Fall nicht funktionieren wird. Darüber haben wir uns schon viel unterhalten und wir haben auch einen Artikel geschrieben „Why we suck“, den wir nicht veröffentlicht haben. Aber wir versuchen hier, extrem zu reflektieren, weil es einfach nicht sein kann, dass wir genau wissen, wie es geht. In ein paar Dimensionen, ja. Da können wir, da kann ich nach 20 Jahren nicht anders, als irgendwelche Muster dahingehend zu sehen, wie man ein erfolgreiches Unternehmen gründet oder was so schiefgehen kann. Aber das heißt nicht, dass ich diese Muster auf alles transferiere, sondern ich biete einfach an, darüber nachzudenken.

Jörg Rheinboldt. Foto  Dominik Tryba - Jörg Rheinboldt: „Warum ihr? Warum das? Warum jetzt?”
Jörg Rheinboldt, Managing Director von APX. Foto: Dominik Tryba

Jörg Rheinboldt

Als Managing Director bei APX Axel Springer Porsche bringt Jörg Rheinboldt Startups auf den Weg zum Erfolg. Er selbst hat bereits mehrere Unternehmen gegründet und ist als Investor und in mehreren Aufsichtsräten aktiv. apx.ac

Dieser Artikel erschien zuerst in der Berlin Valley Nr. 32.

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