Jingqi Jasmine Zhang hat die Auslands-Dependancen mehrerer internationaler Acceleratoren geleitet und sich dabei vor allem auf Investitionen zwischen der EU und China spezialisiert. Außerdem hat sie einige Pitch- und Konferenzformate in Berlin ins Leben gerufen und engagiert sich unter anderem für mehr Frauen in der Startup-Szene. Für LongHash wird sie nun die internationale Spitze der Blockchain-Branche in Berlin zusammenbringen.

Kannst du kurz deinen Karriereweg beschreiben?
Jingqi Jasmine Zhang: 
Ich habe zuerst  Finanzmathematik studiert und später einen Master in Statistik in England gemacht. Gleichzeitig hatte ich durch meine Abschlussarbeit bei der Deutschen Bank in London  die Möglichkeit, mit der quantitativen Research-Abteilung am globalen Derivate-Handelsmarkt zu arbeiten. Später habe ich dann für ein deutschen Beratungsunternehmen gearbeitet, dabei ging es vor allem um Mobility-Projekte, etwa um Carsharing in China für Volkswagen. In Deutschland habe ich dann angefangenen, für mehrere internationale Acceleratoren zu arbeiten. Außerdem berate ich deutsche Unternehmen mit Schwerpunkt auf den asiatischen Markt. Mit Blockchain beschäftige ich mich seit Anfang des Jahres und bin seit Juni nun offiziell CEO des deutschen Büros von LongHash.

Was genau macht LongHash?
Jingqi Jasmine Zhang: 
LongHash ist ein globaler Inkubator, der die Entwicklung und das Verständnis für Blockchain-Technologie beschleunigen soll. Wir bieten maßgeschneiderte Inkubations-Dienstleistungen bis hin zum Börsennotierung. Dabei verfügen wir über eine eigene Daten- und Informationsplattform, auf der wir die wichtigen Trends in der Blockchain-Industrie erläutern. Derzeit haben wir Niederlassungen in Tokio, Singapur, HK, Shanghai und Berlin.

Berlin ist also der erste Standort für LongHash in Europa. Warum ausgerechnet Berlin?
Jingqi Jasmine Zhang: 
Berlin ist eine der relevantesten Innovationsdrehscheiben der Welt und äußerst dynamisch. Jedes Jahr werden mehr und mehr internationale Talente und motivierte Menschen von dieser pulsierende Stadt angezogen. Investitionsumfeld und Infrastrukturen (etwa Co-Arbeitsplätze, Inkubatoren, Beschleuniger etc.) lassen die Startup-Szene florieren – und täglich gibt es zahlreiche kreative Tech-Events.

Im Rahmen des Ada Lovelace 2018 Festival diskutiert Jingqi Jasmine Zhang mit Miriam Neubauer von Catena Capital und Antonia Bogo von SAP „How the blockchain can change the world“. Foto: privat
Im Rahmen des Ada Lovelace 2018 Festival diskutiert Jingqi Jasmine Zhang mit Miriam Neubauer von Catena Capital und Antonia Bogo von SAP „How the blockchain can change the world“. Foto: privat

Was fasziniert dich am Thema Blockchain?
Jingqi Jasmine Zhang: 
Ich bin Ende 2017 auf die ersten Blockchain-Treffen gegangen und war erstaunt über den Enthusiasmus. Dann habe ich angefangen, mich näher damit zu beschäftigen und heraus gefunden, wieviele Anwendungsgebiete es für die Blockchain gibt und wie bestehende Probleme damit gelöst werden können. Gleichzeitig faszinierte mich, wie viele Millionen hier innerhalb von Minuten eingesammelt werden, während auf der anderen Seite in den vergangenen Jahren natürlich auch eine Menge Hacks, Betrügereien und Angriffe für Furore sorgten. Ich fand das insgesamt einfach abenteuerlich und sehr spannend.

Welche Zukunft prognostizierst du als Analystin und Datenexpertin der Blockchain-Technologie?
Jingqi Jasmine Zhang: 
2017 haben wir ein explosionsartiges Wachstum des ICO-Marktes beobachtet, gefolgt von einem sehr verhaltenen Markt im Jahr 2018. Seit Februar 2018 ist die Anzahl der ICOs rückläufig. Auch wegen der hacks und Betrügereien neigen viele Anleger dazu, an der zugrunde liegenden Technologie zu zweifeln. Andererseits sehen wir aber zahlreiche vielversprechende Projekte, die sich mit grundlegenden Fragen der Skalierbarkeit, des Datenschutzes und der Interoperabilität befassen. Viele davon sollen im zweiten Quartal 2019 Q2 veröffentlicht werden. Ich, und auch wir bei LongHash stehen der Blockchain-Industrie grundsätzlich optimistisch gegenüber,  da eine ausgereifte Infrastruktur die Massenakzeptanz fördert und das nächste Jahr sicherlich sehr spannend sein wird.

Neben deiner Position bei LongHash, setzt du dich als Geschäftsführerin für SheLovesTech Europa auch für mehr Frauen in der Startup-Szene ein. Beeinflussen sich die beiden Formate gegenseitig?
Jingqi Jasmine Zhang: 
Natürlich! Beide Initiativen fördern das Unternehmertum. SheLovesTech hat das Ziel, vor allem Unternehmerinnen und auch Technologien zu stärken, die sich positiv auf Frauen auswirken. LongHash mächte das nächste Unicorn im Bereich Blockchain ausbrüten. Durch meine Arbeit mit SheLovesTech habe ich erkannt, wie viele Schwierigkeiten es noch für Frauen in der Tech- und Startup-Szene gibt. Und ich möchte persönlich so viele Frauen wie möglich möglich unterstützen können: Gleichzeitig freut es mich sehr, zu sehen, dass in den letzten zwei Jahren auch immer mehr Frauen im Bereich Blockchain aktiv sind. Und hier können sie auch bei LongHash Unterstützung finden.Andersherum können natürlich auch Projekte, die nicht zu LongHash passen, bei SheLovesTech Unterstützung auf globaler Ebene erhalten. Wir haben SheLovesTech 2017 mit acht Pitch-Events in sieben Ländern gestartet. 2018 waren wir bereits in 12 Ländern (Kanada, China, Frankreich, Deutschland, Indonesien, Israel, Kenia, Pakstan, den Philippinen, Singapore, Südafrika und den VAE) aktiv und haben 16 Pitch-Events veranstaltet.

Jingqi Jasmine Zhang moderiert bei SheLovesTech. Foto: privat
Jingqi Jasmine Zhang moderiert bei SheLovesTech. Foto: privat

Wie wird sich China in Zukunft auf Europa und insbesondere auf Deutschland auswirken?
Jingqi Jasmine Zhang: 
Vor allem mit Blick auf die Startup-Szene hat sich bereits einiges gewandelt. Die Frage, warum man sich den chinesischen Markt ansehen sollte, gibt es eigentlich nicht mehr. Stattdessen wollen die Unternehmer von mir wissen, wie sie den chinesischen Markt für sich erschließen können. Ich finde, das ist ein sehr positiver Wandel, denn ich glaube, dass  das chinesische Engagement in Europa oder insbesondere in Deutschland durchaus beide Seiten nutzen kann. Chinesische Direktinvestitionen zeichnen sich durch ihre Größe und geopolitischen Auswirkungen aus. Nehmen wir die Investition von Tecent holdings Ltd. zusammen mit der Allianz X, im Jahr 2018 in Höhe von 160 Millionen US-Dollar im Rahmen der Serie C-Runde von N26: Die Unterstützung durch den Technologieriesen Tecent wird N26 mit Sicherheit den Zugang zu großen Märkten wie China erleichtern; und Tecent wird von seinen strategischen Aktivitäten in Übersee profitieren. Ein anderes Beispiel ist die Investition der Midea Group in Kuka.

Woran sind chinesische Investoren besonders interessiert?
Jingqi Jasmine Zhang: 
Große staatliche chinesische Unternehmen neigen dazu, Unternehmen zu erwerben, die über komplementäre Branchenstrukturen verfügen, und ihnen so das Potenzial eröffnen, auf die Technologien zuzugreifen und gleichzeitig ihre globale Präsenz auszubauen. Europäische Partner sind führend in der industriellen Fertigungstechnologie. Daher sind die Bereiche Automobil, Transport und Maschinenbau ein starker Fokus, etwa hat der chinesische Automobilhersteller Geely Anfang 2018 9,69 Prozent der Anteile an Daimler erworben. Spannend ist, dass zwischen China und Deutschland auch immer mehr gemeinsame Projekte im Bereich von Forschung- und Entwicklung ins Leben gerufen werden.

LongHash Hackathon am 27./28. Oktober
Der zweitägiger Blockchain-Hackathon ist offen für Profis, wie auch für alle, die mehr über die Blockchain-Technologie lernen möchten. Neben Workshops und Vorträgen verschiedener asiatischer Player wie Cybex, EveriToken, eNotes und WooKong und Vorträge sowie Top-Cryptofunds wie Fenbushi Capital und Lakeside VC, werden neue Blockchain-Prototypen entwickelt. Dazu sollen 100 der besten Blockchain-Profis und Entwickler aus der ganzen Welt eingeladen werden. Ziel ist es gemeinsam zu lernen, zu wachsen und natürlich auch Spaß zu haben. Hier findet ihr mehr Infos zum LongHash Crypto Festival Berlin, sowie zum Hackathon und zur Germany Launch Party.