Auf die Idee für ihr aktuelles Geschäftsmodell ist Maria Driesel zufällig gekommen. „Ich kam mit einem Pathologen ins Gespräch und habe angefangen, richtig nachzubohren, als er mir erzählte, welche Herausforderungen er im Arbeitsalltag hat, für die es aus technologischer Sicht noch keinerlei Lösungsansätze gibt“, erinnert sich die Gründerin.

Höhere Effizienz im medizinischen Pathologielabor

Heute ist sie CEO von Inveox, einem Medizintechnik-Startup aus Garching bei München, das die Probenvorbereitungsprozesse in der Histopathologie mittels eines Automatisierungssystems optimiert. Das sorgt für weniger Fehlerpotenzial bei der Krebsdiagnose und höhere Effizienz im medizinischen Pathologielabor der Zukunft. Medizinisches Fachwissen brachte die 28-Jährige nicht mit, dafür aber Neugier, ein vielseitiges Interesse und den unbeugsamen Willen, dort, wo es wichtig ist, etwas voranzutreiben.

„Das fing schon in der Schulzeit an, egal ob Klassenprojekt oder Schulorchester, ich war involviert und wollte es weiterbringen.“ Wie wichtig diese Eigenschaft für eine Startup-Gründerin ist, erkannte sie damals natürlich noch nicht. Erst im Rahmen ihres Wirtschaftsingenieur-Studiums an der Technischen Universität (TU) München und ihres Stipendiums im Entrepreneurship-Programm „Manage & More“ schärfte sich ihr Blick dafür, eine innovative Idee zu erkennen und „innerhalb von kurzer Zeit durchzuspielen, ob das ein Geschäftsmodell wird“.

„Als Startup-Unternehmer lebt man auch vom gegenseitigen Austausch“

Programme, wie das an der TU integrierte UnternehmerTUM und die Möglichkeit für Auslandssemester waren also ein wichtiger Baustein für Maria, um die Grundlagen zum unternehmerischen Denken zu entwickeln. „Es gibt wirklich ein breites Angebot an Programmen, aber es ist nicht so einfach, das richtige zu finden“, meint Maria.

Ihr wichtigster Tipp an alle, die sich fürs Gründen interessieren, ist deshalb: „Von Beginn an netzwerken, denn auch vom gegenseitigen Austausch lebt man als Startup-Unternehmer.“ Genau so lernte Maria auch ihren Mitgründer, Dominik Sievert, kennen. „Wir hatten zur gleichen Zeit voneinander unabhängig die gleiche Produktidee und haben diese dann gemeinsam weiterentwickelt.“

Was dabei die größten Herausforderungen waren?

„Als Gründer prasseln ja Themen von allen Seiten auf dich ein. Einmal musst du dich um Patentrecht kümmern, dann um Engineering und in den nächsten fünf Minuten geht es darum, wie man einen Flyer am schönsten gestaltet“, erzählt Maria. „Die Fokussierung auf die wichtigsten Themen und sich in alles reinzudenken, das war nicht immer leicht, aber daran wächst man ja dann auch.“

Und dabei waren Maria und Dominik schon beim nächsten wichtigen Thema: dem Aufbau des Teams, womit sich die beiden 2017 intensiv beschäftigt haben. Als Nächstes wird es nun um den Markteintritt und die Skalierung von Inveox gehen. Dazu sind fünf Pilotprojekte geplant, von denen einige bereits laufen.

Unterstützt wurde Inveox dabei auch in der diesjährigen Finanzierungsrunde in Höhe von fünf Millionen Euro von denselben vier Privatinvestoren, die bereits in der Seed-Phase investiert hatten. „Bei der Zusammenarbeit mit den Investoren war es uns wichtig, dass sie uns auch als Mentoren und Ansprechpartner mit ihren Erfahrungen weiterhelfen“, erklärt die junge Gründerin.

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Dieser Artikel erschien zuerst in Berlin Valley Nr. 31