Jan, was zeichnet die Hamburger Start-up-Szene aus?

Jan Brorhilker: Sie ist klein, aber fein. Wir haben in Hamburg ein ausgesuchtes und überschaubares Cluster, wobei die Gaming-, Fintech- und Social-­­Media-Start-ups klar den Ton angeben. Goodgame und Bigpoint waren die ersten Senkrechtstarter auf dem Spielemarkt, Kreditech hat den Finanzmarkt aufgemischt und Facelift und vor allem Xing sind die Aushängeschilder der Social-Media-Szene. Xing ist mittlerweile mehr als eine Milliarde Euro an der Börse wert! Darüber hinaus sitzen Facebook und Google hier in Hamburg. Das hat eine starke Signalwirkung.

Wie sieht denn die Finanzstruktur für Start-ups in Hamburg aus?

Jan Brorhilker: Hamburg ist eine reiche Stadt. Allerdings sind die Kapitalgeber eher zurückhaltend, was an der Hamburger Mentalität liegen mag. Wenn ein Start-up jedoch einen starken Businessplan hat, mit dem es einen Investor überzeugt, kann es durchstarten – wie die Internet-Apotheke Docmorris beispielsweise, die vom Hamburger Investor Neuhaus Partners finanziert wurde. Charakteristisch ist auch, dass die meisten Gründer in Hamburg bereits einige Jahre Berufserfahrung haben und sich nach dem Kick-off erst einmal selbst finanzieren.

Welche Vorteile bietet Hamburg?

Jan Brorhilker: Das sind ganz klar die überschaubare Szene und die kurzen Wege. Jeder kennt jeden. Wer seine Peers treffen will, muss nicht auf ein Event gehen, sondern kann direkt vorbeischauen. Die Stadt bietet großartige Working Spaces, wo Gründer ihre Ideen diskutieren und wichtige Kontakte knüpfen können. Das Betahaus im Schanzenviertel ist das älteste und bekannteste. Dann gibt es beispielsweise das Mindspace in der City oder das Beehive am Dammtor, das an einen Bienenkorb erinnert. Die ersten Mieter des Beehive waren übrigens Dailydress mit ihrer digitalen Kleiderschrank-­App.

Seit wann ist EY in der Start-up-Szene zu Hause?

Jan Brorhilker: Seit etwa sechs Jahren. Der Startschuss fiel übrigens nicht in Hamburg, sondern in Berlin auf einer Party. Dort habe ich am Kühlschrank Fabian Heilemann, den Gründer des Spar-Portals Dailydeal, kennengelernt. Wir waren uns sofort sympathisch, weil wir die einzigen waren, die ein ordentliches Hemd anhatten. Fabian hat damals an Google verkauft und damit war unsere Start-up-Initiative geboren. Ich kann mit Stolz sagen, dass wir uns seitdem großartig entwickelt haben!

Was macht ihr für die Start-ups?

Jan Brorhilker: Wir bieten alle Prüfungs- und Beratungsleistungen an, die ein Start-up von der Gründung bis zum Börsengang und danach braucht. Das zeichnet uns aus. Dabei betreuen wir Start-ups, die aus unserer Sicht echtes Wachstumspotenzial haben und unsere Mandanten werden können, zu stark reduzierten Preisen. Momentan arbeiten wir an kompletten und besonders attraktiven Beratungspaketen.

Welchen Tipp gibst du einem Start-up, das sich für Hamburg entscheidet?

Jan Brorhilker: Es sollte einen fundierten Businessplan haben. Hamburg ist keine Spielwiese für verrückte Ideen! Wenn das Start-up eine technische Innovation entwickelt hat und sie marktreif machen will, ist es in Hamburg bestens aufgehoben. Es hat die Nähe zu Medienunternehmen, zu starken Fonds – und zu uns!

Zuerst erschienen in Berlin Valley Spezial: Startup-Szene Hamburg

 

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Jan Brorhilker

JAN BRORHILKER

Jan Brorhilker ist Partner bei EY in Hamburg. Der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater leitet die Start-up-Initiative von EY in der Stadt an der Elbe und kennt sich exzellent in der Szene aus. Besonders stolz ist er darauf, dass er das Start-up Facelift von Beginn an betreut und dessen Verkauf an Dumont Ventures begleitet hat.

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