Tom, wie bist du zum Programmieren gekommen?


Tom Bachem: Ich habe schon als Kind gern am Computer gespielt. Mit zwölf Jahren wollte ich dann sel­ber Sachen programmieren. Ich bin ganz naiv in eine Buchhandlung gegangen und habe mir vom Händler ein Buch empfehlen lassen. Er gab mir einen dicken Schinken über C++­ Programmierung. So hatte ich mir das natür­lich nicht vorgestellt. Ich habe mich aber nicht abschrecken lassen und bin in eine andere Buchhandlung gegangen. Dort habe ich mir dann selbst ein Buch ausgesucht: eines über die Programmiersprache Visual Basic. Das hat für mich besser gepasst.

„Ich habe schon als Kind gern am Computer gespielt“

Was hast du als erstes programmiert?

Tom Bachem: Kleine Spiele und Programme für Windows mit Funktionen, die mir gefehlt haben: einen einfachen Kalender zum Beispiel oder eine Notizfunktion. Heute nennt man so etwas eine App. Später habe ich dann Websites für die Bäckerei oder die Apotheke um die Ecke pro­ grammiert und damit schon als Schüler ganz gutes Geld verdient.

Und hast du Informatik studiert?

Tom Bachem: Nein.

Warum nicht?

Tom Bachem: Mir haben die Inhalte nicht gefallen, die dort angeboten wurden. Es ging immer nur um Algorithmen und Mathematik, alles ganz abstrakt und sehr theoretisch. Das Studium hatte keinen Bezug zur Praxis und ich hatte damals schon knapp sechs Jahre Erfahrung im Programmieren. Außerdem hatte ich dieses abwegige Klischee vor Augen, dass man als Programmierer nur Pizza essend im Keller sitzt und einsam vor sich hin arbeitet. Deshalb habe ich mich letztendlich für ein BWL-­Studium an einer privaten Business School entschieden. Dort war alles viel persönlicher und nicht so anonym wie an einer großen Universität.

Wie bist du auf die Idee gekommen, eine eigene Hochschule zu gründen?

Tom Bachem: Ich habe mich an der Cologne Business School von Beginn an sehr wohlgefühlt und mich gefragt, warum es nicht analog zu den Business Schools für BWL auch Tech Schools für Informatik gibt. Darauf habe ich keine Antwort gefunden. Nach dem Studium habe ich angefangen, Startups zu gründen und stand als Arbeitgeber vor dem Problem, nicht zu wissen, wo ich talentierte Entwickler finden kann. Wenn man einen guten Abschluss in Informatik hat, bedeutet das recht selten, dass man auch eine gute Softwareentwicklerin oder ein guter Softwareentwickler ist. Es ist wichtig zu verstehen, dass wir diese Fähigkeiten in Deutschland wirklich brauchen. Das Thema hat mich einfach nicht mehr losgelassen.

„DAS THEMA HAT MICH EINFACH NICHT MEHR LOSGELASSEN“

Ist eine Hochschulgründung nicht ziemlich kompliziert?


Tom Bachem: Das stimmt. Deshalb habe ich den Gedanken elf Jahre mit mir herumgetragen und hatte selbst einen gehörigen Respekt davor. Aber dann habe ich Manuel Dolderer und Jonathan Rüth getroffen, die bereits konkrete Erfahrung in der Gründung einer Hochschule gesammelt hatten. Jetzt sind wir ein echtes Dream­Team: Ich bin der Unternehmer und Techie, die bei­ den sind die Hochschulspezialisten.

Seit wann arbeitet ihr an der Gründung der CODE?


Tom Bachem: Seit Jahresanfang 2016 arbeiten wir Tag und Nacht daran – an der staatlichen Anerkennung als Hochschule und natürlich an den Inhalten.

Was lernen die Studierenden an der CODE?


Tom Bachem: Das war sehr schnell klar: auf keinen Fall nur Softwareentwicklung oder Programmieren. Design und technische Kompetenz hän­gen einfach zusammen. Also werden wir drei Studiengänge anbieten: Software Engineering, Interaction Design und Product Management. Dabei werden die Studierenden viel gemeinsam lernen und zusammen an Projekten arbeiten. So lernt jeder, über die eigene Disziplin hinaus in Teams zu arbeiten und Projekte zu rea­lisieren – genau so wie es später auch im Berufsleben sein wird. Das erste Semester wird als Orientierungssemester für alle drei Studiengänge gleich sein.

„Die Studierenden werden viel gemeinsam lernen und zusammen an Projekten arbeiten. Genau so wie es später auch im Berufsleben sein wird“

Wer sind die Lehrer?

Tom Bachem: Da wir eine staatlich anerkannte Hochschule sein möchten, wird es zwei Arten von Lehrern geben: Professoren und Dozenten. Die Professoren wer­den so etwas wie Coaches sein, also Lernbegleiter und Betreuer, die die Studierenden darin unterstützen, den ei­genen Lernweg zu gehen. Die Professoren zeigen, wo es die Informationen und das Wissen gibt, das die Studierenden brauchen, um ihren persönlichen Zielen näherzukom­ men. Die Dozenten werden direkt aus der Internetwirtschaft oder von Startups kommen und viel Fachwissen und Erfahrung einbrin­gen, auch aus dem Ausland.

Und wer soll bei euch studieren?

Tom Bachem: Eigentlich dachten wir am Anfang, dass wir vor allem junge Menschen ansprechen, die wie ich damals bereits als Jugendliche erste Erfahrungen mit dem Programmieren gesammelt haben und diese bei uns ver­tiefen wollen. Nun möchten wir aber auch ganz bewusst Einsteigerinnen und Einsteiger ansprechen, denn wir sind uns schnell da­ rüber bewusst geworden, dass wir sonst viele tolle Talente ausschließen. Digitale Produktentwicklung ist eines der wichtigsten Zukunftsthemen, das uns alle angeht. Wir wollen alle diejenigen ausbilden, die sich dafür begeistern können – egal ob sie be­reits Erfahrung haben oder nicht. Wir suchen Leute, die wissensdurstig, neugierig und be reit sind, etwas Neues zu schaffen und mit Software die Welt zu verändern.

„Wir wollen alle diejenigen ausbilden, die sich dafür begeistern können – egal ob sie be­reits Erfahrung haben oder nicht“

Wie siehst du die Zukunftschancen der CODE-Absolventen?

Tom Bachem: Unsere Absolventen werden sich aussu­chen können, wo sie arbeiten wollen. Denn die Digitalisierung durchdringt schon heute alle Branchen und Lebensbereiche. Daher suchen nicht nur junge lnternet-Startups, son­dern auch etablierte Unternehmen und große Konzerne händeringend Entwickler und Designer mit digitaler Kompetenz. Immer mehr Menschen beginnen zu verstehen, dass Software zu entwickeln kein Selbstzweck ist, sondern immer mehr Produkte und Dienstleistungen ohne Software gar nicht mehr denkbar sind. Viele unserer Studierenden wer­den sicher auch selbst Unternehmen gründen.

Wie sieht es mit Studiengebühren aus?

Tom Bachem: Wir bieten ein Finanzierungsmodell an, bei dem jeder zunächst kostenfrei studieren kann. Nach dem Eintritt ins Berufsleben zahlen die Absolventen dann über einen Zeitraum von zehn Jahren einen kleinen Anteil ihres tatsächlichen Einkommens an die Hochschule. Das zeigt, dass wir an unsere Studierenden glauben und an den Erfolg, den sie haben werden. Die Kosten sind also letztendlich sehr individuell, wobei das Risiko bei uns liegt. Aber wir wollen die talentiertesten und mo­tiviertesten Studierenden – und nicht die mit den dicksten Geldbeuteln. Bei uns nimmt je­der das eigene Schicksal selbst in die Hand und kann sich dabei auch ein wenig von den eigenen Eltern emanzipieren.

Wird es auch Stipendien geben?

Tom Bachem: Das ist denkbar, und wir sind mit zahlreichen Unternehmen in Gesprächen darüber.

Und wie finanziert sich die Hochschule, bis die ersten Zahlungen eurer Absolventen kommen?

Tom Bachem: Einen Teil finanziere ich persönlich – unter an­derem aus den Verkäufen der Startups, die ich selbst in der Vergangenheit gegründet habe. Hinter der Hochschule stehen außerdem eine Reihe namhafter lnternetunternehmer aus Deutschland, weil sie an unsere Idee glau­ben. Und natürlich auch, weil sie hoffen, spä­ter unsere Absolventinnen und Absolventen für sich gewinnen zu können.

„VIELE UNSERER STUDIERENDEN WERDEN SICHER AUCH SELBST UNTERNEHMEN GRÜNDEN”

Kannst du ein paar Namen nennen?

Tom Bachem: Rolf Schrömgens, Mitgründer der Reiseplattform Trivago, unterstützt uns zum Beispiel, eben­so wie Frank Thelen, den viele aus der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“ kennen, oder Klaas Kersting, CEO und Gründer des Mobile-Games-Startups Flaregames.

Wie läuft der Bewerbungsprozess?

Tom Bachem: Formale Voraussetzung zum Studium an der CODE ist eine Hochschulzugangsberech­tigung. Zusätzlich werden wir mit jeder Bewerberin, jedem Bewerber ein persönliches Gespräch führen. Wir suchen junge Leute mit gesunder Neugier und echtem Interesse.

Wie viele Studierende nehmt ihr auf?

Tom Bachem: Das Interesse ist sehr groß, deshalb rech­nen wir mit vielen Bewerbungen auf unsere Studienplätze. Aber wir wollen behutsam wach­sen, um eine hohe Studienqualität gewährleis­ten zu können. Im ersten Jahr werden wir circa 50 Studierenden die Möglichkeit bieten kön­nen, in einem unserer drei Studiengänge zu studieren. In den folgenden Jahren soll die Zahl der Studierenden auf 500 bis 1000 ansteigen. Für den Bedarf ist das natürlich viel zu wenig, ober wir geben unser Bestes.

Das Interview führte Corinna Visser.    

b31362f3-e1479764964793-2400x1020Der Beitrag ist zuerst erschienen in der Zeitschrift Code + Design, eine Berufs- und Studienorientierung in Informatik und Design, mit spannenden Inhalten für angehende Programmierer.

Thomas Bachem (Foto: Max Threlfall)

THOMAS BACHEM

Der Softwareentwickler ist seit 2000 als Internet-Unternehmer aktiv und hat seitdem mehrere Unternehmen gegründet und aufgebaut. Digitales Produktdesign und Softwareentwicklung sind die Leidenschaften von Tom, der Gründergeist und Unternehmertum fördern möchte.
Code Logo

CODE

An der CODE University of Applied Sciences wird es drei Studiengänge ge­ben: Software Engineering, lnteraction Design und Product Management. Bis die Hochschule gegründet ist und Bewerbungen möglich sind, könnt ihr auf den Social-Media-Kanälen über die Entwicklungen rund um die CODE auf dem laufenden bleiben. Alle Infos gibt’s auf der Website.

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3 Kommentare auf "Tom Bachem: „Die CODE ist eine Hochschule für die digitalen Pioniere“"

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[…] Thomas Bachem ist Softwareentwickler und Unternehmer. Jetzt gründet er mit CODE eine Hochschule, um junge Leute besser auf die beruflichen Herausforderungen in der digitalisierten Welt vorzubereiten. Wir haben ihn in Berlin getroffen. Der Beitrag Tom Bachem: „Die CODE ist eine Hochschule für die digitalen Pioniere“ erschien zuerst auf BerlinValley. Jetzt lesen […]

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[…] der Ansatz über klassische oder digitale Medien. Zu den Kunden von Hypr gehören unter anderem die Code University, Visual Statements, Sistermag sowie die Innovationsstiftung Nesta. hypr.agency Teilen Twittern […]

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[…] unterschreiben. Aber alle Grundfunktionalitäten waren vorhanden. Drei Tage später gingen dann Tom Bachem und Ibrahim Evsan mit Sevenload.de, quasi aus dem Nichts, online. Später fand ich heraus, dass sie […]

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