Outbank ist eine der ältesten Multi-Banking-Apps. Gründer Tobias Stöger hatte bereits 2005 eine erste Version für das Nokia 7650 gelauncht – ein Handy, das noch mit einem Joystick navigiert wurde. Seitdem hat sich die Technologie über verschiedene Versionen mit unterschiedlichen Markennamen weiter entwickelt. Heute bietet Outbank eine nativ entwickelte Smartphone-App, in der Nutzer den Überblick über ihre verschiedenen Bankkonten behalten und Banking-Aktionen durchführen können. Sicherheit gewährleistet das Unternehmen, indem alle Daten auf dem Device des Nutzers gespeichert werden. Laufen die Daten über den Server, um verschiedene Geräte zu synchronisieren, sind sie grundsätzlich verschlüsselt und Outbank speichert die Passwörter der Nutzer nicht. Seit April diesen Jahres gibt es noch eine Besonderheit: Mit Anya Schmidt hat Outbank eine von nur acht weiblichen CEOs im deutschen Fintech-Markt.

Anya, du hast Outbank gerade übernommen. Was sind Deine Pläne für das Unternehmen?

Wir haben seit Sommer 2016 ein neues Produkt und konnten mit dem Versionschaos aufräumen, das vorher herrschte. Damit haben wir einen guten Kern. Jetzt geht es mir darum, die Kommunikation nach außen zu verstärken und neue Zielgruppen zu erreichen, um unsere Nutzerbasis zu vergrößern. Wir skalieren jetzt also erstmal.

Wie verdient ihr im Moment Geld?

Wir haben ein Subscription-Model, das – da bin ich offen – eigentlich wenig Sinn macht. Es greift erst, wenn der Nutzer mehr als zehn Konten anbinden will. Und wer hat schon zehn Konten? Wir konzentrieren uns gerade ganz klar darauf, mehr Menschen zu erreichen.

Wie soll das Modell monetarisiert werden?

Wir planen Kooperationen mit verschiedenen Partnern, deren Produkte wir dann vermitteln. Damit verdienen wir über ein Provisionsmodell.

Du bist direkt als CEO neu ins Team gekommen und hast den Platz des Gründers eingenommen. Wie hat das intern funktioniert?

Für einen Gründer ist es schwer, einen Schritt zurückzutreten und anderen Menschen Raum in der eigenen Vision zu geben. Das war aber nötig, um Outbank größer zu machen. Ich war vorher schon als Beraterin an Bord und kam nicht ganz neu dazu. Sonst wäre das sicher schwieriger gewesen. So hat es gut geklappt. Ich habe viel Erfahrung mit Startups dieser Größe und weiß, dass ich das Commitment und die Brainpower des Teams brauche. Deswegen habe ich die Leute eingebunden, damit alle die Vision verstehen und leben. Außerdem habe ich  mich darum gekümmert, saubere Prozesse aufzusetzen, damit wir einer steigenden Kundenzahl gewachsen sind.

Wie hast Du das Team eingebunden?

Ich habe mir bei Veränderungen die Kollegen in eine große Runde geholt, die davon betroffen sind. Da wurde dann erstmal in den Ring geworfen, wer sich das wie vorstellt. Man kann darüber streiten, ob das effizient ist, aber eine Umstrukturierung ist kein Top-Down-Prozess.

Prozesse zu verändern ist immer schwierig. Wie bist Du dabei vorgegangen?

Wir sind noch immer in der Veränderung und bewegen uns Schritt für Schritt. Man muss Geduld mitbringen und darf seine Leute nicht überfordern. So etwas ist immer unbequem. Wenn eine Änderung nicht direkt klappt, klären wir, warum und versuchen es einfach noch einmal. Wir machen täglich Fehler. Wichtig ist zu fragen, woher die Fehler kommen und daraus zu lernen. Ich wusste von Anfang an, dass dieser Prozess auch schmerzhaft wird.

Kommunizierst du deine eigenen Fehler?

Ja, auf jeden Fall. Wenn ich als CEO meinem Team sagen kann, dass ich einen Fehler gemacht habe, stärkt das ihr Vertrauen in mich und ihr eigenes Selbstbewusstsein, Fehler zu kommunizieren.

Du sagtest, dass Du schon viel Erfahrung mit Startups dieser Größe hast. Wo hast du die gesammelt?

Ich war schon in verschiedenen Tech-Unternehmen. Zuletzt als Head of Global Operations bei Lendico, davor als Product Manager EU Marketplace bei Amazon. Den Schritt vom ersten Produkt zur Skalierung habe ich schon oft gemacht.

Warum hast Du Dir Outbank ausgesucht?

Weil ich finde, dass wir ein richtig geiles Produkt haben, das unglaublichen Mehrwert bietet. Und weil ich glaube, dass der Weg für mich eine Herausforderung wird.

Wie ist es für Dich, als eine von wenigen Frauen in der Fintech-Szene zu arbeiten?

Ich fühle mich da sehr wohl. Die Startup-Szene ist ein tolles Umfeld für Frauen, die sich entwickeln wollen. Hier zählt deine Leistung, nicht dein Geschlecht.

Das Gespräch führte Anna-Lena Kümpel

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