Dominik, erzähle mal von IOTA: Was genau macht ihr und welche Probleme löst IOTA?

Dominik Schiener: Das Ziel von IOTA ist die Schaffung einer Machine Economy. Wir haben das Unternehmen im Jahr 2015 entwickelt, weil wir realisiert haben, dass die Blockchain-Technologie mit fundamentalen Problemen wie Minern oder Transaktionskosten kämpft. Dazu wollten wir einen Gegenentwurf auf den Markt bringen. Beim Aufbau des Unternehmens stellten wir fest, dass es im Internet der Dinge eine Lösung braucht, um die Abwicklung von Transaktionen zwischen Maschinen zu ermöglichen.

Also geht euer Anspruch über die Schaffung einer Blockchain hinaus?

Dominik Schiener: Der Unterschied zwischen IOTA und der BlockchainTechnologie ist, dass die Blockchain eine eindimensionale Kette ist – Block after Block after Block, alles von Computern bestätigt. Deren einziges Ziel ist es, Kryptowährungen zu schürfen. Jeder, der hingegen in unserem Netzwerk eine Transaktion ausführt, nimmt am Validierungsprozess teil und bestätigt zwei Transaktionen in der Historie. Die Netzwerkteilnehmer sind so aktiv an der Konsolidierung und der Sicherheit des Systems beteiligt.

Was bedeutet das für den Anwender?

Dominik Schiener: Wir gewährleisten Datenintegrität, ohne dass der Anwen – der Transaktionskosten bezahlt. Das funktioniert, da an unserem System keine Miner beteiligt sind, die entschädigt werden. Durch diesen Verzicht ist IOTA ein gutes Pro – tokoll für Micropayments, das ist ein technologischer Vorteil.

Was ist der Zusammenhang zwischen Micropayments und Transaktionskosten?

Dominik Schiener: Micropayments sind Zahlverfahren geringer Summen, die vor allem beim Kauf von digitalen Gütern wie Datensätzen anfallen. Diese Cent-Beträge sind unrentabel für Unternehmen, weil die Transaktionskosten oft höher sind, als der geforderte Betrag selbst.

Welche Art von Daten macht IOTA handelbar?

Dominik Schiener: Ziel ist es, Daten zu handeln, die Unternehmen oder Konsumenten als wertvoll einschätzen. Das können einerseits Rohdaten sein, die direkt von einem Sensor einer Maschine kommen und noch nicht ausgewertet wurden, andererseits auch ausgewertete Daten oder Informationen. IOTA verfolgt einen agnostischen Ansatz, der Datenintegrität gewährleistet und Micropayments ermöglicht. Die Ausgestaltung des Handels überlassen wir Käufern und Verkäufern.

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Wie sieht der Datenhandel in Zukunft aus?

Dominik Schiener: Erstmals in der Geschichte der Menschheit sind wir in der Lage, ein Micropayment pro Datenpaket zu verlangen. Wir stellen uns vor, dass jede Maschine künftig in der Lage ist, gesammelte Daten an andere Maschinen, Personen oder Institutionen zu verkaufen. Wie das auf einem Datenmarktplatz funktionieren wird, ist geknüpft an die Möglichkeiten, die sich mit der Entwicklung von Machine Learning und künstlicher Intelligenz ergeben. Ihre Algorithmen müssen spezifizieren, welche Datensätze sie kaufen möchten. Diese werden dann auf dem Datenmarktplatz angekauft und aufgearbeitet.

Kannst du ein Beispiel dafür geben?

Dominik Schiener: Nehmen wir an, nach einem Unfall möchten die Fahrzeuge in der Umgebung wissen, wo sie langfahren sollen. Diesen Unfall kann man an den Datenmarktplatz an – binden, andere Fahrzeuge bezahlen für diese Information und können die Stelle umfahren. Eines dieser Fahrzeuge möchte nun parken, doch Parkplätze in der Stadt sind rar. Anhand von Sensoren können Fahrzeuge passende Flächen scannen oder beim Verlassen des Parkplatz melden, dass die Fläche frei ist. Diese Daten werden am Marktplatz angeboten. Ein anderes Auto erwirbt sie und kann dort parken. Mit effizientem Datenfluss können wir unsere Umwelt besser gestalten. Derzeit arbeiten wir mit dem International Transportation Innovation Center (ITIC) an einem Projekt zum Test der Anpassung von Fahrzeugen an unbekannte Umgebungen, denn autonome Fahrzeuge sollen überall fahren können. Die Kooperation mit ITIC ermöglicht es, Sensoren in autonomen Fahrzeugen zu installieren, die Daten in Großstädten der ganzen Welt sammeln und an andere autonome Fahrzeuge verkaufen. Das stellt sicher, dass sich die Fahrzeuge an verschiedene Terrains und Umgebungen, egal ob Berlin oder Shanghai, anpassen können.

Also können die Maschinen dann ohne manuellen Eingriff miteinander handeln?

Dominik Schiener: Ziel ist es, Interaktionen zwischen Maschinen zu automatisieren. Doch wir müssen uns auf die Richtigkeit der gehandelten Daten verlassen können. Unser Ansatz verbindet die Automatisierung des Internet der Dinge mit dem „vertrauenslosen Vertrauen” hinter dem Blockchain-Ansatz. Daraus entsteht Machine Independance, von der ganze IT-Environments, Unternehmen oder sogar Städte profitieren können.

Wie können Unternehmen am Datenmarktplatz teilnehmen?

Dominik Schiener: Derzeit gibt es noch kein marktreifes Produkt. Gemeinsam mit 40 Unternehmen, unter anderem aus den Bereichen Mobilität, Energie, Supply Chain und Healthcare, fokussieren uns darauf, den Datenmarktplatz aus Business-Perspektive zu betrachten, um passende Anwendungsfälle zu identifizieren. Technische Probleme sehe ich noch in der Skalierbarkeit des Marktplatzes oder auch in der langfristigen Speicherung von Daten. Andererseits stellt uns auch die europäische Datenschutz-Grundverordnung vor die Frage, wie wir personenbezogene Daten in unserem System verarbeiten können. Eine Marktreife planen wir für den Datenmarktplatz deshalb erst Ende 2018.

Hast du bereits einen Eindruck davon, wer die Käufer auf diesem Marktplatz sind?

Dominik Schiener: Es sind Unternehmen, die Daten kaufen, um eigene Business-Modelle und Applikationen zu verbessern. Meiner Meinung nach wird ein Datenmarktplatz hauptsächlich B2B sein. Data is the new oil, soviel haben die Unternehmen bereits verstanden.

Wird es irgendwann die Möglichkeit für Konsumenten geben, sich am Datenmarktplatz zu beteiligen?

Dominik Schiener: Ja, absolut. Unser Ziel ist es, den Konsumenten zum Prosumenten zu stilisieren. Das bedeutet, dass er neue Geschäftsmodelle aktiv mitgestalten und Geld verdienen kann, indem er die Daten seiner persönlichen Sensoren aus Mobiltelefon, Smartwatch oder eben dem Auto zur Verfügung stellt. Doch wie können wir sicherstellen, dass die Daten, die der Konsument verkauft, auch valide sind? Das Problem der Datenqualität ist groß und kann derzeit nur durch manuelle Kontrollen gelöst werden. Künftig bedarf es aber Machine-Learning-Algorithmen, die konkret schauen, wo Abweichungen von erwarteten Werten bestehen. Wir müssen die Konzepte zunächst entwickeln und herausfinden, wie man sie skalieren kann, damit die Technologie massenkompatibel wird.

Haben wir ein gesundes Verständnis davon, was unsere Daten wert sind?

Dominik Schiener: Die kurze Antwort lautet Nein. Die meisten Leute wissen nicht, dass Facebook jedes Jahr ein- bis zweitausend Euro mit den Daten eines Nutzers verdient. Der Gegenwert ist jedoch für die meisten Personen attraktiv. Wie ich bereits sagte, auch in Fahrzeugen oder Smart Homes werden ständig Daten gesammelt. Doch nicht nur Privatpersonen sind davon betroffen, auch Unternehmen verstehen den Wert der Daten noch nicht. Ich bin sicher, dass 99 Prozent der Daten, die wir sammeln könnten, nicht verarbeitet werden. Selbst, wenn sie die eigene Industrie verbessern.

Datenspezialisten sind derzeit noch nicht in jedem Unternehmen vertreten. Wie sollten Unternehmen vorgehen, wenn sie in den Datenmarktplatz einsteigen wollen?

Dominik Schiener: Datenbezogene Tätigkeiten in Unternehmen werden immer wichtiger. Da gilt es, rechtliche und interne Richtlinien und Bestimmungen zu berücksichtigen. Diese Mit – „Herauszufinden, welche Daten man verkaufen will, ist sicherlich Prozent der Arbeit“ arbeiter können im Unternehmen herausfinden, welche Daten gesammelt werden und wie man sie am Datenmarktplatz anbieten kann, denn das Potenzial ist branchenübergreifend immens. Künftig wird es sicherlich Agenturen geben, die sich auf Daten fokussieren und Unternehmen dabei unterstützen, diese aufzubereiten und zu verkaufen. Herauszufinden, welche Daten man verkaufen will, ist sicherlich 80 Prozent der Arbeit. Es muss die Frage nach der Validität der Daten geklärt werden, dazu braucht es Technik und Rechtssicherheit. Erst wenn man aktiv am Datenmarktplatz teilnimmt, müssen auch Marktwerte gefunden werden.

Und wie sollten Unternehmen bei der Preisfindung vorgehen?

Dominik Schiener: Die Suche nach dem richtigen Preis für Daten ist schwierig. Doch der beste Weg ist Trial and Error. Ständig werden Daten gekauft und verkauft, meistens jedoch in größeren Paketen. Durch die Informationen, die man auch von diesem existierenden Markt erhält, kann man Preise für die eigenen Data Sets ableiten.

Warum habt ihr eine Stiftung gegründet und wo steht ihr in eurer Entwicklung?

Dominik Schiener: Im Moment haben wir über 40 Mitarbeiter. Das Ziel ist, bis Ende 2018, mehr als 150 Leute an Bord zu haben. Unsere Stiftung verfügt über 500 Millionen Euro und wir haben viele Anfragen von Unternehmen. Wir möchten bis Ende 2018 eine Organisation mit Offices weltweit aufgebaut haben. Daher hat der Aufbau unserer internen Struktur Priorität. Man kann sagen, wir arbeiten daran, die IOTA-Vision reifen zu lassen, speziell das globale Netzwerk.

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Dominik Schiener

Dominik Schiener ist Co-Founder von IOTA die M2M-Bezahlung für Services mit Micropayments im Internet of Things entwickelt hat.
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IOTA

INFO: IOTA versteht sich als Rückgrat der autonomen Maschinenökonomie. Das Tangle-Ledger ist in der Lage, Transaktionen mit Nullgebühren abzurechnen, damit Geräte Daten auf Abruf handeln können.
GRÜNDER:  David Sønstebø, Sergey Ivancheglo, Dominik Schiener, Dr. Serguei Popov
GRÜNDUNG: 2015
MITARBEITER:: 40
MARKTKAPITALISIERUNG: ca. 6 Milliarden Euro
URL: iota.org

Zuerst erschienen in Berlin Valley 27.

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Daniel

“Unsere Stiftung verfügt über 500 Millionen Euro”

Da fehlt für mich die entscheidende Frage: In IOTA, wenn ja, bei welchem Kursstand kam die Antwort und wie viel % davon bereits in EUR?