Nach einem ersten Testlauf im Spätsommer 2016 baut der Berliner E-Scooter-Verleiher Coup jetzt sein Angebot kräftig aus: Mit dem Start der Saison 2017 kommen mehr Roller und weitere Bezirke hinzu. Ab Mitte April sollen Kunden die bis zu 45 Kilometer pro Stunde schnellen Roller fast im gesamten Bereich innerhalb des S-Bahn-Rings finden. Als Fahrer muss man älter als 21 Jahre und im Besitz eines Führerscheins der Klasse B oder einer internationalen Fahrerlaubnis sein. Coup expandiert und will bis Ende des Jahres auf 80 Mitarbeiter wachsen. Im Gespräch mit Berlin Valley schildert Coup-CEO Mat Schubert, wieso Berlin als Testlabor unverzichtbar ist.

Ihr habt angekündigt, euer Geschäftsgebiet zu erweitern. Wo rollen demnächst eure Elektroscooter?

Mat Schubert: Wir erweitern unser Geschäftsgebiet ab dem 15. April schwerpunktmäßig in Richtung Westen, aber auch Neukölln, Moabit und Teile von Wedding sind darunter. Bei der Auswahl haben wir uns am Feedback der Coup-Kunden orientiert.

In Berlin gibt es schon einige Carsharing-Dienste und mit Emmy auch einen Anbieter für Elektro-Scooter. Ist in Berlin noch Platz für euch?

Mat Schubert: Der E-Scooter-Sharing Markt ist noch sehr jung und es gibt definitiv noch viel Potenzial. Berlin ist weltweit die Carsharing-Hauptstadt Nummer eins. Die Berliner kennen das Modell also schon sehr gut und haben in der Vergangenheit bewiesen, dass es hier einen Markt gibt. E-Scooter-Sharing ermöglicht den Nutzern zudem eine weitere Form der individuellen Mobilität, bei der die Parkplatzsuche nach Beendigung der Fahrt einfach entfällt.

Wie ist euer Start im vergangenen Jahr gelaufen? Kannst du Zahlen nennen? 

Mat Schubert: Zahlen leider nicht, aber ich kann sagen: Wir haben unsere Erwartungen für 2016 übertroffen. Deshalb haben wir uns auch entschieden, Coup in Berlin weiter auszubauen. Die Flotte wird in diesem Jahr um 800 auf 1.000 wachsen. Und damit auch die Verfügbarkeit der E-Scooter für unsere Kunden.

Coup
Mit maximal 45 Kilometer pro Stunde durch die Hauptstadt scooten. (Foto: Coup Mobility GmbH)

Wie seht ihr Apps wie Free2move, die mehrere Mobilitätsanbieter bündeln?

Mat Schubert: Das ist eine tolle Sache! Wir sind selbst seit letztem Jahr mit der iOS-App in der Free2move-App vertreten.

Was antwortet ihr auf die Kritik, dass Mietangebote mit dem ÖPNV konkurrieren und nicht unbedingt als umweltfreundlich gelten?

Mat Schubert: Das haben wir im Bezug auf Coup noch nicht gehört. Letztendlich entscheidet der Kunde, was das beste Transportmittel für seine Bedürfnisse ist. Unterschiedliche Mobilitätsanbieter im urbanen Umfeld haben durchaus ihre Berechtigung, da sie den Großstädtern das Leben einfacher machen. Wir laden zudem unsere Batterien mit Ressourcen-schonendem Ökostrom vom Anbieter Polarstern. E-Scooter-Sharing bietet eine Alternative zum bestehenden Mobilitätsangebot, die Spaß in das manchmal nervenaufreibende Verkehrschaos bringt.

Ihr seid eine hundertprozentige Bosch-Tochter. Wie kam es zu der Ausgründung?

Mat Schubert: Mit dem neuen Service wollen wir aktiv den Individualverkehr in Städten ändern. Das war für unseren Investor die Motivation, ein neues Produkt unter einer eigenen Marke für Endkunden-Mobilitätsdienste zu schaffen. Coup ist ein Lifestyle-Produkt, das sich direkt an Enkunden richtet. Im übertragenen Sinne landet Bosch mit dem Einstieg ins Endkundengeschäft einen „Coup“. Bosch ist an dem nachhaltigen Auf- und Ausbau des E-Scooter-Sharings interessiert.

Coup
Immer aufgeladen: „Unsere Kunden müssen sich also um nichts kümmern.“ (Foto: Coup Mobility GmbH)

Seid ihr offen für weitere weitere Investoren?

Mat Schubert: Zum jetzigen Zeitpunkt möchten wir zunächst unseren Service in Berlin skalieren. Wir haben mit Bosch einen soliden Investor – derzeit ist kein externer Investor geplant.

Plant ihr noch weitere Geschäftsmodelle, beispielsweise Minutenpakete oder Flatrates?

Mat Schubert: Fürs Erste bleiben wir bei unserem aktuellen Modell: Drei Euro die ersten 30 Minuten und danach ein Euro pro Minute. Zwischen 7 und 19 Uhr erhalten unsere Kunden für 20 Euro eine Tagesflatrate, zwischen 19 und 7 Uhr liegt die Nachtpauschale bei zehn Euro. Wir sind aber immer offen, unseren Service zu verbessern und freuen uns über das Feedback unserer Kunden.

Die Kunden anderer Mobilitätsanbieter bekommen einen Bonus fürs Tanken, bei euch gibt’s das nicht. Wie managed ihr das Aufladen der Akkus?

Mat Schubert: Das ist ganz einfach – wir laden die Batterien auf und bringen die vollen Batterien dann gezielt zu den E-Scootern mit einem niedrigen Ladestand. Unsere Kunden müssen sich also um nichts kümmern. Wir achten darauf, dass unsere E-Scooter an besonders frequentierten Stellen der Stadt bereitstehen. Damit sorgen wir für eine hohe Verfügbarkeit dort, wo die Fahrzeuge gebraucht werden.

Hersteller der Elektroroller ist das taiwanesische Unternehmen Gogoro. Wenn ich selbst einen Gogoro-Roller haben möchte: An wen muss ich mich in Deutschland wenden?

Mat Schubert: Gogoro E-Scooter kann man zur Zeit noch nicht in Deutschland kaufen.

„Der Fokus liegt derzeit klar auf der technischen Skalierung. Und dann müssen wir mal sehen, wo wir unseren nächsten Coup landen“

Bisher seid ihr nur in Berlin. Welche Städte stehen als nächstes an?

Mat Schubert: Wir wählen unsere Schritte mit Bedacht. Im ersten Schritt haben wir in diesem Jahr die E-Scooter-Flotte in Berlin vergrößert. Der Fokus liegt derzeit klar auf der technischen Skalierung. Und dann müssen wir mal sehen, wo wir unseren nächsten Coup landen.

Was sind euer Ziel für dieses Jahr?

Mat Schubert: Vor allem viele zufriedene Coup-Kunden.

Das Interview führte Justus Zenker.

Coup CEO Mat Schubert (Bild: Coup Mobility)

MAT SCHUBERT

ist seit 2016 CEO und Gründer von Coup Mobility sowie Head of BBM Mobility Services bei der Robert Bosch GmbH. Schubert ist verantwortlich für die Entwicklung neuer Mobilitätsangebote auf Geschäftsebene sowie für die Bosch-Tochter Coup Mobility GmbH in Berlin.

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[…] Der E-Scooter-Anbieter Coup ist auf Expansionskurs. Im Interview schildert CEO Mat Schubert, wieso Berlin als Testlabor unverzichtbar ist Der Beitrag Coup-CEO Mat Schubert: „Berlin ist die Carsharing-Hauptstadt Nummer eins“ erschien zuerst auf BerlinValley. Jetzt lesen […]

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[…] kurze Strecken im Stadtverkehr und die Parkplatzsuche sind sie optimal. Bei Anbietern wie Emmy und Coup kann man die Roller leihen, das Berliner Startup Unu verkauft sie auch an […]

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