Ben, Du hast zwei Unternehmen, richtig?

Ben Lerer: Ja, mein Medienunternehmen Thrillist und Jackthreads, ein Einzelhandelsunternehmen, das wir vor einem Jahr ausgegründet haben. Ich bin Vorstandsvorsitzender und kann auf meine Erfahrung und Kenntnisse als Investor zurückgreifen. Ich sehe das ganz im Mindset von Lerer Hippeau Ventures: als eine aktive Investition. Meine Rolle ist dabei die eines detail-orientierten Investors statt eines Unternehmers.

Wo stehst Du mit Thrillist?

Ben Lerer: Seit einigen Monaten beschreibe ich Thrillist als „Über-Nacht-Erfolg nach zehn Jahren“. Es braucht viel Zeit, eine Medienmarke aufzubauen. Da die Welt durch soziale Netze kleiner geworden ist, geht es zwar schneller als noch vor 30 oder 50 Jahren, aber es gibt heute auch mehr Lärm, mehr Ablenkung und Konkurrenz. In den achtziger Jahren war das Kabelfernsehen die neue Technologie. Sie hat das Benutzerverhalten verändert, und aus den Kabelsendern mit den besten Inhalten sind die größten Medienunternehmen entstanden. Inzwischen stehen wir auf der Kante: Kabelbündel werden dünner. Werbeunternehmen erkennen, dass die digitale Generation woanders ist. Mobilgeräte und Breitband sind die große Medien-Disruption. Heute gehören die Kanäle Unternehmen wie Google, Facebook, Snap oder Messenger-Diensten. Das Fernsehen verschwindet zwar nicht, aber es ist daneben ein ganz neues Ökosystem entstanden. Die etablierten Medienunternehmen realisieren den Wert digitaler Technologien – bei den Print-Medien ist das bereits passiert. Axel Springers Übernahme von Business Insider ist ein gutes Beispiel. Das wird es im Bereich Fernsehen auch bald geben.

Was tut Thrillist?

Ben Lerer: Wir arbeiten seit zehn Jahren an einer Infrastruktur zur Generierung von Inhalten und Markenwerten – in einer Welt, in der Werbung Opt-in ist, da du als Verbraucher keine Werbung sehen musst. Die Marken müssen herausfinden, wie sie Mehrwert für dich schaffen können. Wir sind führend darin, Marken Strategien zu geben, mit denen sie aus Anzeigensicht relevante Inhalte für das Publikum schaffen. Wir erreichen nicht alle, aber viele, und mit unserer Infrastruktur können wir noch größer werden. Das ist aufregend. Das bedeutet aber nicht, dass es leicht ist oder dass die Konkurrenz schläft. Beim Aufbau eines Unternehmens, das bei der Content-Verbreitung nicht zu stark von Drittanbieter-Plattformen abhängig sein soll, gibt es mehr Fragen als Antworten. Ich mache mir keine Illusionen, aber letztlich ist jedes Geschäft hart. Im Moment gibt es großartige Möglichkeiten. Wir haben bei null angefangen, hart gearbeitet und ein Unternehmen geschaffen, das Größe hat, Gewinn abwirft, wächst und den Großteil meiner Zeit und Aufmerksamkeit wert ist.

„Die Erfolgreichen verweigern sich der verrückten, digitalen Welt nicht, sie gehen darin auf“

Die Wachstumskurve steigt also.

Ben Lerer: Nach zehn Jahren wächst das Unternehmen mit hundert Prozent. Rückblickend ist es immer einfacher, auf Wachstum zurückzuschauen und zu sagen „Wir haben uns verdoppelt, das schaffen wir noch mal!“ Viel harte Arbeit und große Entscheidungen haben dazu geführt und auch im nächsten Jahr müssen wir genauso hart arbeiten und Glück haben, damit wir auf der Überholspur bleiben.

Verändern sich die Plattformen, auf denen ihr arbeitet?

Ben Lerer: Die führenden digitalen Marken fühlen sich wohl in einer Welt, in der sich die tektonischen Platten unter ihren Füßen ständig bewegen, und in einer Zeit, in der etwas heute in und morgen schon wieder out ist, in der Facebook und Google einen riesigen Einfluss haben und Entscheidungen treffen, die sich unfair anfühlen. Diese Unternehmen schaffen es, flexibel zu sein. Auf diese Weise setzen sie sich von den traditionellen Spielern ab. Die Erfolgreichen verweigern sich der verrückten, digitalen Welt nicht, sie gehen darin auf.

Ein Unternehmen wie Nowthis sagt sinngemäß: Homepage war gestern. Sie wollen das Publikum in ihren sozialen Feeds erreichen. Was ist in der Medienbranche das Geschäftsmodell der Zukunft?

Ben Lerer: Es gibt verschiedene Geschäftsmodelle. Nowthis schafft sich selbst einen Ort. Die Philosophie ist: Sei dort, wo deine Kunden sind, und dort, wo deine Kunden dich haben wollen. Ich glaube, dass Plattformen wie Snap, Facebook oder Youtube Publishern in Zukunft noch mehr bieten. Nowthis wird eine Marke aufbauen und eine Marke bringt die Möglichkeit zur Lizensierung. Vice hat das vorgemacht. Die Hälfte der Einnahmen macht Vice mit Lizensierung. Andere Möglichkeiten sind Events, Content-Commerce oder bezahlter Premium-Inhalt. Wenn du eine Marke, eine Stimme, ein riesiges Publikum hast, ist das ziemlich viel wert.

Hast Du für die Zukunft auch ein Lead-Generierungs-Business im Sinn? 

Ben Lerer: Gawker, Buzzfeed, Business Insider und Fox reden alle über Lead Gen oder Affiliate. Es mag ein Geschäft sein, aber es liegt nicht in unserem Fokus.

Ist Foursquare ein Geschäft, das Dich interessiert?

Ben Lerer: Foursquare ist immer weniger ein Endkunden-Produkt. Foursquare ist vor allem ein Datenunternehmen. Mit ausreichend App-Installationen, die im Hintergrund Traffic messen, sehe ich es als ein Werkzeug, über das sich Daten an Hedgefonds oder Marken verkaufen lassen, die Rückschlüsse auf Einzelhandel-Trends ziehen wollen. Ich sehe Foursquare weniger als ein Endkunden-Unternehmen. Sie haben eine gute App gebaut, die mir auch sagen kann, was das beste Gericht in einem Restaurant ist. Aber ich glaube, ihr Geschäftsmodell sind Daten.

Das Gespräch führte Jan Thomas.

Ben Lerer

BEN LERER

Ben Lerer ist Managing Partner bei Lerer Hippeau Ventures und Mitgründer der Thrillist Media Group. Er gewann den Award „Entrepreneur of the Year“ von EY und ist einer der Forbes „Most Powerful CEOs under 40“.

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