Indien ist bereits einer der weltweit heißesten E-Commerce-Märkte und wird in den kommenden Jahren zu den Top drei der Welt zählen. Die Vorstellung, mehrere hundert Millionen Inder in naher Zukunft online erreichen zu können, macht Indien zu einem äußerst attraktiven Standort für die weltweit größten Venture Fonds (von Sequoia über Tiger bis Softbank).

Kulturell ist Indien ganz anders als Deutschland: In der geschäftlichen Welt sind Kontakte und persönliche Beziehungen, die Vertrauen und Sicherheit schaffen sollen, überaus wichtig. Was in Deutschland womöglich als ungenau wahrgenommen wird, ist in Indien der Standard. Erfolgreiche Inder nehmen daher immer einen großen Puffer, wenn sie mit ihren Kollegen arbeiten. Verhandlungen in Indien kann man mit einem Spiel vergleichen: Das Ziel dieses Spiels ist es, das absolute Maximum aus jeder Verhandlung herauszuholen. Wenn beispielsweise der Preis in der ersten Offerte weit von dem Erwartungskorridor abweicht, dann muss man einfach weiterspielen, bis der Erwartungskorridor erreicht ist.

Digitale Revolution erreicht Indien

Die digitale Revolution hat massive Auswirkungen auf die indische Gesellschaft, insbesondere auf die jüngeren Inder, von denen es mehr als 700 Millionen gibt. In den urbanen Gegenden Indiens gibt es bereits viele Smartphone-Nutzer und die Anzahl der User wächst weiterhin rasant. Soziale Medien, online verfügbare Inhalte und der Online-Handel werden fast ausschließlich auf dem Smartphone konsumiert und betrieben. Das mobile Netz eröffnet den jungen Indern eine ganz neue Welt: Eine junge Studentin von der Modeschule Nift in Neu Delhi kann nun über Instagram und Snapchat direkt Updates von westlichen Stars bekommen – auf diese Weise entwickeln sich natürlich auch immer mehr neue, am Westen orientierte Kundenbedürfnisse.

Ich bin Kind einer indischen Unternehmerfamilie und in Düsseldorf aufgewachsen. Nach meinem Studium bin ich 2011 über Rocket Internet gestolpert. Binnen weniger Wochen war ich in Neu Delhi und habe am Westwing-Ableger für Indien gearbeitet. Zwei Jahre später habe ich dann zusammen mit meiner Geschäftspartnerin das Rocket-Netzwerk verlassen, um den Online-Modeshop Stalkbuylove.com aufzubauen. Ich lege jedem Unternehmer ans Herz, mit Partnern zusammenzuarbeiten, die starke Indien-Erfahrung mitbringen. Viele der Early-Stage-Investoren in meinem Unternehmen arbeiten zwischen Indien und Deutschland und sind ohne Zweifel eine gute erste Anlaufstelle.

Zuerst erschienen in Berlin Valley 10–11/2016

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2 Kommentare auf "Internationalisierung: In Indien muss man spielerisch verhandeln"

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[…] Das mobile Netz öffnet jungen Indern neue Möglichkeiten, sagt Tushar Ahluwalia. Der Gründer erzählt, worauf Startups auf ihrem Weg nach Indien achten müssen Der Beitrag Internationalisierung: In Indien muss man spielerisch verhandeln erschien zuerst auf BerlinValley. Jetzt lesen […]

Sascha Thattil
Gast
Erst mal: Sehr guter Beitrag. “Kulturell ist Indien ganz anders als Deutschland: In der geschäftlichen Welt sind Kontakte und persönliche Beziehungen, die Vertrauen und Sicherheit schaffen sollen, überaus wichtig. Was in Deutschland womöglich als ungenau wahrgenommen wird, ist in Indien der Standard. Erfolgreiche Inder nehmen daher immer einen großen Puffer, wenn sie mit ihren Kollegen arbeiten.” Es stimmt zwar das es die Tendenz zum “grossen Puffer” gibt. Die Realität sieht jedoch so aus, dass man Erfolg nur basierend auf einer guten bis sehr guten Dienstleistung zu einem passenden Preis haben kann und das auch noch innerhalb einer akzeptablen Zeit. Amazon.com… Read more »
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