„Rocket Internet: Ist das Samwer-Modell am Ende?“, „Rocket Internet – Die glücklose Startup-Schmiede“ oder „Rocket Internet macht noch mehr Verlust“ – ein Blick in die großen Tageszeitungen lässt vermuten, dass das Konzept von Rocket Internet nicht aufzugehen scheint. Punkten möchte das Unternehmen vor allem durch das Wissen, wie man Internet-Startups schnell skaliert.

Der akademische Gründungsservice der Humboldt-Universität Berlin setzt andere Prioritäten. Schon seit 2005 betreut die Humboldt-Innovation GmbH, eine hundertprozentige Tochterfirma der HU, Startups, die sich aus der Universität gegründet haben. Anders als bei Rocket geht es beim akademischen Gründungsservice nicht darum, bereits funktionierende Geschäftsmodelle zu kopieren und international zu etablieren. Viele Startups entstehen aus der Forschung und haben vor allem ein Ziel: nachhaltige Geschäftsmodelle zu entwickeln. Ein Charakteristikum, das auch Investoren in hohem Maße schätzen. „Was den Mehrwert des akademischen Gründungsservices für Investoren ausmacht, ist die gesellschaftliche Verantwortung und die hohe Innovationsbereitschaft. Daraus ergibt sich ein großes Potenzial an technologieorientierten und wissensbasierten Gründungen mit einer hohen Marktrelevanz“, sagt HU-Gründercoach Thomas Wagner.

Die HU ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region Berlin Brandenburg: Allein seit 2005 sind aus den Gründungen mehr als 650 Arbeitsplätze entstanden

Fehlerhafte Planung, schlechte Businesspläne oder kein Kapital sind die Hauptgründe, warum viele der jährlich über 40.000 Berliner Neugründungen im Sande verlaufen. Das gilt nicht für die betreuten Teams des HU-Gründungsservices. Erst wenige Wochen zuvor gewann das HU-Startup Greenadapt mit seinem Projekt „Riskant“ den BPW Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg. Und dass sich der Ansatz der akademischen Gründungsförderung bewährt, zeigen auch Geschäftsmodelle wie die ursprünglich aus der HU ausgegründeten Startups Moviepilot und Babbel, die mittlerweile ihr 10-Jähriges Bestehen feiern. Dr. Ingmar Schmidt, Geschäftsführender Direktor des Servicezentrum Forschung an der Humboldt-Universität zu Berlin ergänzt: „Was die HU sicherlich auch als Universität im Gründungsbereich auszeichnet ist, dass sie durch die Breite der Forschung nicht nur viele Potenziale für Ausgründungen bietet, sondern auch Forscher befähigt, Unternehmertum und Wissenschaft zu verbinden.“

Gründerservice
In den Gründerhäusern können Startups Büros oder Seminarräume mieten. Außerdem finden hier Weiterbildungsangebote und Netzwerk-Events statt. (Bild: Helen Nicolai)

Gründungsservice vs. Rocket: Kopf oder Zahl?

Die HU ist damit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region Berlin Brandenburg: Allein seit 2005 sind aus den Gründungen mehr als 650 Arbeitsplätze entstanden. Zudem hat das britische Investmentunternehmen Balderton Capital in der Studie „European Talent Landscape 2016“ herausgefunden, dass die HU in Deutschland die meisten Mitarbeiter in Startup-Unternehmen der Technologiebranche ausbildet. Wissenschaftliches Know-how scheint daher viel mehr zu sein als ein Wegbereiter für Gründer. Es schafft vor allem die Voraussetzungen, langfristige Lösungen für gesellschaftliche Bedürfnisse zu entwickeln. Das Spektrum an Startups reicht von Fashion-Tech-Startup Poqit, über Clean-Tech-Startups wie Riskant bis hin zu Startups im Bildungsbereich wie Sofatutor oder im Nachhaltigkeitsbereich Enviropep.

Während es bei Rocket Internet vor allem heißt: Das Startup denkt, der Profit lenkt, heißt es beim akademischen Gründungsservice vor allem: Das Startup denkt, die Wissenschaft lenkt. Erfolgreiche Gründungen sind somit nicht nur Botschafter der HU, sondern besonders wertvoll ist auch das Wissen, das am Ende zugunsten neuer Startups zurückfließt. Ein Kreislauf, von dem alle Seiten profitieren.

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1 Kommentar auf "Was den Gründungsservice der HU von Rocket Internet unterscheidet"

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[…] Herrchens Platz, wenn der mal wieder ohne sie in Meetings ist. Auch bei den anderen Startups im Gründerhaus schaut sie gern […]

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