Mit rund 4.500 Besucherinnen gilt die herCareer als Leitmesse zum Thema Frauen und Karriere – wie erklärst du die Erfolgsgeschichte?

Natascha Hoffner: Als ich 2015 mit der Messe gestartet bin war mein Ziel, eine moderne und zeitgemäße Plattform für Frauen zu schaffen. Eine Plattform, die Frauen dort abholt, wo sie beruflich gerade stehen, also beim Jobeinstieg, -aufstieg oder der Gründung eines Unternehmens. Wir wollten uns dabei ganz bewusst von den bestehenden Formaten abheben.

Und das tun wir durch die zahlreichen Möglichkeiten des Erfahrungsaustauschs, dem Lernen von Role Modes und der Vernetzung bis auf Vorstandsebene, und zwar mit Presservertreterinnen, Aufsichtsrätinnen, Unternehmerinnen, Politikerinnen und weiteren Fachexpertinnen. Außerdem haben wir gesagt, die Messe soll entsprechend den Besucherzielen auch passende Angebote anbieten, also neben den attraktiven Arbeitgebern, die sich auch einer Chancengleichheit bis in Top-Management verpflichtet fühlen, auch Weiterbildungsinstitute und vieles mehr.

Ich glaube wir haben mit der Messe einen Nerv der Zeit getroffen. Es ist unser Ziel, die Messe überregional zu platzieren und der jährliche Treffpunkt für Frauen zu sein.

Wie hattest du eigentlich die Idee dazu, 2015 eine Karriere-Messe speziell für Frauen zu organisieren?

Natascha Hoffner: Ich komme aus der Messebranche habe, bevor ich mich mit der messe.rocks GmbH selbstständig gemacht habe, über 15 Jahre Messen organisiert und diese Messen zu Leitmessen ihrer Branche aufgebaut. Darunter auch die Messe Zukunft Personal in Köln.

Als aus meiner Fernbeziehung zunächst das erste Kind kam und dann das zweite Kind folgte und der Weg zurück in Geschäftsführung nicht mehr gegeben war, habe ich mich kurzerhand mit einer Messegesellschaft selbstständig gemacht. Es war wirklich so, dass ich gesagt habe, wir wollen für Frauen etwas im Berufsleben verändern. Innerhalb eines halben Jahres hatten wir die erste herCareer veranstaltet mit 73 Ausstellern & Partnern und knapp 2.000 Besucherinnen.

„Die Karriereplanung beginnt mit der Partnerwahl.“

Kind und Karriere schließen sich nicht aus. Auf der HerCareer werden neue, spannende Vereinbarkeits-Modelle und New Work-Themen diskutiert. Foto: Franz Pfluegl
Kind und Karriere schließen sich nicht aus. Auf der HerCareer werden neue, spannende Vereinbarkeits-Modelle und New Work-Themen diskutiert. Foto: Franz Pfluegl

Du hattest ja davor schon im Messebereich gearbeitet, bist dann Mutter geworden. Das geht ja vielen Frauen so. Welche Herausforderungen haben sich dir beim Schritt zurück ins Berufsleben gestellt?

Natascha Hoffner: Beim ersten Kind war ich zweimal vier Wochen in Elternzeit. Im Grunde war ich nicht wirklich weg und ich hatte mich bewusst dafür entschieden, denn ich war schlicht nicht bereit, das was ich mir bis dahin aufgebaut hatte aufzugeben um meinem Partner nach München zu folgen. Also hat mein Partner den Löwenanteil der Elternzeit übernommen – das war phantastisch. Mein Mann hat die Elternzeit auch voll genossen.

Mit dem zweiten Kind gab es dann für mich keinen Weg zurück in Geschäftsführung, was ich dann als Chance für mich genutzt habe, um mit einer eigenen Messegesellschaft durchzustarten. Dafür fühlte ich mich mehr als gewappnet. Ich habe das „Messe machen“ schließlich von der Pike auf gelernt. Angst hatte ich keine, auch wenn ich ohne Bankenzusage gestartet bin. Die erhoffte Bankenzusage hat sich dann auch noch kurzfristig ergeben.

Das alles passierte, als mein zweites Kind gerade ein halbes Jahr alt war. Mein Mann hat auch hier den Löwenanteil der Elternzeit übernommen. Ich hatte damals und heute seine volle Unterstützung. Das ist einfach großartig. Ich kann da Sheryl Sandberg nur beipflichten: Die Karriereplanung beginnt mit der Partnerwahl.

Die herCareer holt Frauen dort ab, wo sie gerade stehen

Kannst du das Konzept der Messe genauer erklären?

Natascha Hoffner: Die herCareer haben wir als Veranstaltung konzipiert, die alle Aspekte eines weiblichen beruflichen Werdegangs, einschließlich der familiären Aspekte, berücksichtigt. Die zahlreichen Angebote zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zu Weiterbildungsmöglichkeiten und rund um das Thema Existenzgründung machen die Messe einzigartig. So kommen attraktive Arbeitgeber, die sich ausdrücklich für Chancengleichheit und Frauen im Management engagieren, zu uns.

Da Rekrutierungsprozesse heute stark digitalisiert sind, wollen wir Möglichkeiten eröffnen, direkte Insights aus den Unternehmen zu bekommen. So kann man direkt erfahren, wie die Personalentwicklung im Unternehmen abläuft und wie das Unternehmen Frauen bei der Karriereplanung unterstützen kann. Es werden Job-Sharing-Modelle oder auch Mentorships im Unternehmen vorgestellt. Ein großes Thema ist auch, von Vorbilden (Role Models) zu lernen und in den Austausch mit herausragenden Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zu gehen.

Austausch und Netzwerken in verschiedensten Foren, das bietet die HerCareer. Foto: Franz Pfluegl
Austausch und Netzwerken in verschiedensten Foren, das bietet die HerCareer. Foto: Franz Pfluegl

Die Messe verzeichnet dieses Jahr über 220 Aussteller und Partner, über 300 MeetUps & Talks 60 Vorträge und Panels, und wir erwarten über 5.000 Besucherinnen und Besucher aus dem gesamten Bundesgebiet. Bei der vergangenen Messe konnten wir mit einer unglaublichen Weiterempfehlungsrate von 99 Prozent punkten.

Bist du mit dem Konzept von Anfang an auf offene Ohren gestoßen?

Natascha Hoffner: Das Konzept hat sehr viel Anklang gefunden. Wir hatten bereits vor der Handelsregistereintragung unsere ersten Standflächen verkauft und tolle Partner, Unternehmen wie Referenten, dabei, die von dem Konzept überzeugt waren und es heute noch sind.

Schwieriger war es auf Seiten der Finanzierung. Etwas Eigenkapital und einen Mitgesellschafter hatte ich bereits an Bord, dennoch gab es einen Kapitalbedarf, den ich mit einem Fremdkapitalgeber zu decken versuchte. Zunächst vergebens. Ich hatte überwiegend Gespräche mit Banken. Etliche Absagen später bin ich dann dennoch einfach losgelaufen, wohlwissend, dass mir das Geld ausgehen wird.

Das Loslaufen war wichtig, da wir mit unserem Produkt ein „Verfallsdatum“ hatten – wenn man es so nennen will. Wir hatten ein gesetztes Datum, bis dann musste die Messe stehen. Der Mut hat sich allerdings ausgezahlt, es gab dann doch noch einen Anruf einer Bank aus dem ländlichen Raum, die uns die Finanzierung zugesagt hat.

Heute gibt es wahnsinnig viele Events nur für Frauen: Hype oder Notwendigkeit?

Natascha Hoffner: Ich freue mich über jedes Einzelne! Tatsächlich beobachte ich, dass Frauen sehr wohl die Notwendigkeit des Netzwerkens verstanden haben und sie holen auf. Die Vielfalt der Events schätze ich sehr. Ich bin auch selbst regelmäßig auf Events unterwegs. Der analoge Austausch ersetzt keinesfalls die vielen Möglichkeiten des digitalen Austauschs.

Auch wenn den Frauennetzwerken oft nachgesagt wird, dass sie an der Realität vorbei arbeiten – weil sie Männer nicht gezielt einbinden – wissen Frauen sehr wohl, dass sie in der Wirtschaft, Wissenschaft und Politik neben Männern bestehen müssen. Es hilft dann ungemein, sein eigenes Netzwerk zu aktivieren, wenn man es braucht auch.

Ich finde es ehrlich gesagt komisch, dass wir über die Notwendigkeit von Frauen-Netzwerken diskutieren, ohne dabei die bisherigen Männer-Netzwerke, und es gibt noch immer Clubs bei denen weibliche Mitglieder nicht erwünscht sind, nicht in Frage stellen.

Mitgründerin gesucht: Männer nutzen die HerCareer um qualifizierte Frauen für ihr Führungsteam zu gewinnen. Foto: Franz Pfluegl
Mitgründerin gesucht: Männer nutzen die HerCareer um qualifizierte Frauen für ihr Führungsteam zu gewinnen. Foto: Franz Pfluegl

Was muss deiner Meinung nach passieren, damit mehr Frauen ihr eigenes Unternehmen gründen?

Natascha Hoffner: Grundsätzlich nehme ich war, dass sehr viele Frauen eine Gründung ernsthaft in Erwägung ziehen, Ideen entwickeln, dann aber oftmals nicht weiterwissen. Vor allem auch, weil ihnen Netzwerke fehlen. Es gibt drei Ansätze, die wir bei der herCareer nutzen um Frauen ins „Doing“ zu bekommen.

Wir zeigen ihnen nicht nur Role Models, sondern bringen sie auch in den Erfahrungs-Austausch – und zwar auf Augenhöhe in MeetUps und Talks sowie Lab-Formaten. Das sind keine klassischen Vorträge, sondern konkrete Erfahrungen, Wissen und Lernkurven der Speaker, die sie in Kleinstgruppen mit den Teilnehmerinnen teilen. Rückfragen können direkt gestellt werden, und werden auch unmittelbar beantwortet.

Darüber hinaus erschließen sie Netzwerke zu Top-Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sowie zu zahlreichen Vertreterinnen der Medien.

Zusätzlich geht die herCareer noch einen Schritt weiter. Wir wollen mehr als Mut machen, wir wollen Hilfestellung bieten und zudem nach draußen tragen, dass die Referenten und Referentinnen auch über die Messe hinaus als Sparringspartner und Mentoren fungieren. 

Außerdem wollen wir mit der herCareer verschiedene Wege und Möglichkeiten in die Gründung aufzeigen. Es muss nicht immer das Patent sein, es kann ein Lizenzsystem, ein Franchisemodell oder eben auch der Zusammenschluss mit einem bereits bestehenden Gründer-Team sein.

Männliche Gründerteams und männliche Gründer können nun bereits im zweiten Jahr in Folge auf der herCareer um eine Mitgründerin oder eine Besetzung auf C-Level pitchen. Wir glauben an diverse Teams und wollen dafür gerne eine Plattform bieten.

„Jüngere Generation wollen nicht mehr das klassische Rollenmodel wählen.“

Was sind die Vor- und was die Nachteile von reinen Frauennetzwerken?

Natascha Hoffner: Welche Berechtigung gibt es, dass es noch immer reine Männernetzwerke gibt? Warum sollten sich Frauen für Frauennetzwerke rechtfertigen müssen, während die rein männlich geprägten Netzwerke nicht in Frage gestellt werden?

Sind auf der herCareer eigentlich auch Männer willkommen?

Natascha Hoffner: Selbstverständlich. Wir adressieren expliziert auch Männer, die sich einer Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Pflege und Beruf sowie einer Gleichstellung der Geschlechter verpflichtet fühlen. Darüber hinaus können Frauen genauso von Männern im Erfahrungsaustausch lernen. Es sind also auch bewusst Männer in das Programm eingebunden. Und darüber hinaus fällt uns immer mehr auf, dass insbesondere die jüngere Generation nicht mehr das klassische Rollenmodel wählen wollen, daher stellen wir vermehrt fest, dass junge Männer die Messe ebenfalls für sich nutzen.

Mehr Frauen, mehr Erfolg
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