Worum geht’s bei Heet.io, und für wen ist es gedacht?

Pavel Romanenko: Heet.io ist eine Seite mit detaillierten Startup-Profilen. Viele junge Unternehmen scheitern, weil sie noch keiner kennt und es zu wenige Informationen über sie gibt. Wir möchten Startups die Möglichkeit geben, sich professionell zu präsentieren, um so ihre Sichtbarkeit zu erhöhen. Sie alle brauchen Mitarbeiter, Kunden und Investoren. Und genau diese drei Gruppen sehen wir als Zielgruppe unserer Seite. Im ersten Schritt möchten wir Startups als attraktive Arbeitgeber präsentieren.

Aber es gibt doch bereits Job-Plattformen.

Pavel Romanenko: Ja und nein. Nehmen wir als Beispiel Berlin. Die Stadt ist voll von jungen Leuten aus der ganzen Welt. Und Startups sind die attraktivsten Arbeitgeber. Sie zu finden, ist aber eher dem Zufall überlassen. Der Eindruck, den Startups auf aktuellen Job-Plattformen hinterlassen, ist meist recht anonym. Deswegen setzen wir unter anderem auf emotionale Berührungspunkte. Hinzu kommt, dass Jobsuchende – speziell die jüngeren – immer mehr nach der Mission ihres möglichen Arbeitgebers fragen. Deshalb wird man nach bestimmten Begriffen suchen können wie Social Startups, Sharing Economy oder Musik. Somit gehen wir deutlich weiter als eine normale Jobseite. Eigentlich eher wie eine Dating-Seite.

Florian Stein: So ermöglichen wir einen leichten Einstieg auch für Personen, denen das Startup-Ökosystem noch fremd ist. Hinzu kommt, dass wir einen starken Fokus auf Datenintelligenz legen. So findet man bei uns jeden Monat nicht nur mehr als 4000 Jobs aus der Startup-Welt, sondern auch News zu vielen Firmen oder die Events, bei denen Mitarbeiter des Startups als Speaker auftreten. Wir nehmen den Nutzern den Recherche-Aufwand ab und helfen ihnen dabei, sich für den richtigen Arbeitgeber zu entscheiden.

„wir Setzen auf emotionale Berührungspunkte. Jobsuchende – speziell die jüngeren – fragen immer mehr nach der Mission ihres möglichen Arbeitgebers“

Wie grenzt Ihr Euch ab von anderen Datenbanken mit Unternehmensprofilen?

Pavel Romanenko: Im Vergleich zu Plattformen wie Linkedin und Xing verläuft die Grenzlinie sehr klar. Wir fokussieren Startups und können viel klarer auf die Bedürfnisse junger Unternehmen eingehen.

Florian Stein: Wenn man sich Angellist oder Crunchbase anschaut, dann stehen dort eher Parameter wie Investitionsrunden oder das Gründungsdatum im Mittelpunkt. Was das Team ausmacht, erfährt man dort allerdings nicht. Die bestehenden Datenbanken sind aus meiner Sicht eher kalte Informationsseiten, die sich an Investoren richten oder eine Benchmarking-Funktion haben. Als Bewerber liefert mir das keine überzeugende Hilfestellung.

Team heet.io: Pavel Romanenko, Johannes Richter und Florian Stein (Foto: Jan Michalko)
Team Heet.io: Pavel Romanenko, Johannes Richter und Florian Stein (Foto: Jan Michalko)

Pavel Romanenko: Man darf nicht vergessen: Startups haben immer auch eine starke emotionale Komponente. Es sind oft faszinierende Unternehmen, die etwas Überdurchschnittliches erreichen wollen. Internationale Top-Startups wie Spotify und Airbnb oder in Deutschland Soundcloud oder Zalando zeigen das. Je besser man das kommunizieren kann, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, gute Leute zu finden, die von dieser Vision angesteckt werden. Hierfür möchten wir die Plattform werden

Also hat Heet.io viele Alleinstellungsmerkmale?

Pavel Romanenko: In Deutschland existiert derzeit keine Datenbank mit gut gepflegten Startup-Profilen. Crunchbase oder Angelist sind super, bieten aber keine flächendeckenden Informationen über Deutschland. Sucht man zum Beispiel nach Food-Startups in Berlin, erhält man auf Crunchbase keine vollständige Übersicht. Und ohne eine gute Marktübersicht kann auch kein gesundes Ökosystem entstehen.

Florian Stein: Daten sind der Schlüssel. Deshalb aggregieren wir konstant neue Datensätze. Genauso wichtig ist user-generated Content. Unsere Profile werden von den Unternehmen selbst gepflegt.

Heet.io ist schon länger in der Public Beta. Nun folgt der offizielle Launch. Was ist bisher passiert, und was wird sich ändern?

Florian Stein: Die bisherige Seite war eher ein technischer Proof, aber noch sehr unemotional. Wir haben in den letzten Monaten den Umgang mit Daten perfektioniert, konnten unseren Nutzern aber noch nicht das Erlebnis bieten, das wir uns vorgenommen hatten. Umso glücklicher sind wir, dass wir mit Perspective Digital den idealen Partner gefunden haben, der nun ein erstklassiges Design für Heet.io entwickelt hat.

Michael und Marco, Ihr betreibt die Agentur Perspective Digital. Stellt Euch
doch mal vor.

Michael Bogner: Perspective ist mit drei Jahren noch recht jung. Unser Hauptfokus ist Design. Wir sind der Auffassung, dass Design das große Potenzial hat, Dinge zu verändern – unabhängig davon, ob es sich um digitale Produkte oder um reine Marketing- kommunikation handelt. Unser Ansatz ist es, digitale Kampagnen designgetrieben zu entwickeln. Seit Ende 2015 konzentrieren wir uns mehr und mehr auf Performance-Marketing.

Michael Bogner, Gründer von Perspective: „Es geht nicht mehr um die Frage, wer bietet, was man sucht, sondern wer bietet es in der besten Form.“ (Foto: Jan Michalko)
Perspective-Gründer Michael Bogner: „Bauen den ultimativen Lead-Channel“ (Foto: Jan Michalko)

Was für Projekte sind das?

Marco Waldner: Ganz unterschiedlich. Wir unterstützen beispielsweise im Automobil-Bereich Mercedes-Benz bei der Neukundengewinnung. Dabei begleiten wir dann meist das gesamte Projekt von der Konzeption bis zur Umsetzung und der Aussteuerung der Kampagnen.

Michael Bogner: Aus unserer Sicht muss eine Agentur einzigartige Mehrwerte liefern. Nur Leute einzustellen und Kunden zu akquirieren, bedeutet keine Exzellenz. Den Wert einer Agentur steigert man nur, wenn man Strategien und Produkte etabliert. Daher versuchen wir immer mehr, automatisierte Prozesse anzubieten, um die Qualität für unsere Kunden zu steigern. Wir entwickeln beispielsweise produktspezifische Landingpages, die eine bis zu fünffache Conversion-Rate erreichen, denn wir beginnen mit der individuellen Awareness, begleiten diese Kampagnen durch die verschiedenen Stadien und bauen so den ultimativen Lead-Channel.

„Nur Leute einzustellen und Kunden zu akquirieren, bedeutet keine Exzellenz. Den Wert einer Agentur steigert man nur, wenn man Strategien und Produkte etabliert“

Was hat Euch nach Berlin geführt?

Michael Bogner: Wir kommen aus Österreich und arbeiten schon seit Schulzeiten miteinander. Im Jahr 2013 bekamen wir Lust, unser eigenes Startup zu gründen. Wir hatten uns eigentlich für Finnland als Standort entschieden und saßen schon mit gepackten Koffern am Flughafen. Dort haben wir uns kurzerhand umentschieden, stattdessen einen Mietwagen gebucht und sind nach Berlin gefahren. Hier haben wir dann unser erstes Startup – eine Couponing-Idee – gegen die Wand gefahren. Das war bedauerlich, aber auch sehr lehrreich. Dadurch ist der Wunsch entstanden, ein nachhaltiges Geschäft aufzubauen. Und so kam es zur Agenturgründung.

Und wie kam es zur Zusammenarbeit zwischen Perspective und Heet.io?

Florian Stein: Als Full-Stack-Entwickler habe ich immer schon das Problem gesehen, dass wir datenseitig sehr gut aufgestellt sind, aber ein Defizit haben, die Daten für unsere Nutzer zugänglich zu machen. Wir wussten: Für dieses ambitionierte Projekt brauchen wir unbedingt ein cooles Design. Deshalb bin ich über die Zusammenarbeit sehr glücklich.

Pavel Romanenko: Das erste Gespräch mit Perspective hat sofort gezeigt, dass sie verstehen, worum es uns geht. Ich denke, unsere Vision hat sie gereizt. Und uns hat umgekehrt ihre Begeisterungsfähigkeit und ihr professioneller Blick fürs Detail gefallen. Und ihr Designverständnis. Der Austausch war von Anfang an konstruktiv. Ein partnerschaftliches Verhältnis.

Michael Bogner: NKF ist auf uns zugekommen, weil ihnen unsere Arbeit und unser Design gefallen haben. Diese Wertschätzung hat uns gefreut. Wir finden Heet.io großartig, da es an ein Thema anknüpft, mit dem wir uns vor zwei Jahren intensiv auseinandergesetzt hatten. Damals schon hatte uns die fehlende Emotionalität im Recruiting-Markt irritiert.

Was macht gutes Design aus?

Michael Bogner: Design sollte man immer aus Kundensicht betrachten. Der Nutzer wird heutzutage überflutet mit Angeboten und Informationen. Umso wichtiger ist die User Experience. Es geht nicht mehr um die Frage, wer bietet, was man sucht, sondern wer bietet es in der besten Form. Darin liegt der Wert von Design. Aus diesem Grund darf man ein User Interface nie isoliert betrachten, sondern als Kern eines Projekts.

„Es geht nicht mehr um die Frage, wer bietet, was man sucht, sondern wer bietet es in der besten Form. Darin liegt der Wert von Design“

Marco Waldner: Beim Begriff Design hat ja fast jeder ein unterschiedliches Verständnis. Für den einen ist es die Farbgebung, für den anderen ist es vielleicht die Form oder die Schriftart. Wir bei Perspective verstehen Design übergeordnet als Problemlöser. Es geht nicht nur um die Gestaltung, sondern darum, welches Problem gelöst werden soll. Anschließend kann man mit Designs eine Lösung skizzieren. Auf einer UI-Ebene ist es beispielsweise wichtig, das Design soweit wie möglich in den Hintergrund zu rücken, damit die Inhalte leben können. Deshalb ist Design eines der spannendsten Themen der Welt.

Team Perspective Digital: Antonin Nehring, Marco Waldner und Michael Bogner (Foto: Jan Michalko)
Team Perspective Digital: Antonin Nehring, Marco Waldner und Michael Bogner (Foto: Jan Michalko)

Wie waren Eure Erfahrungen der Zusammenarbeit?

Florian Stein: Ganz ehrlich – für mich war das Design immer ein Kampf. Umso positiver war die Überraschung, dass Perspective von Anfang an ins Schwarze getroffen hat sowohl bei der Ästhetik als auch der Formsprache. Das war aus meiner Sicht nicht zu erwarten, denn die Anforderungen an das Design sind immer etwas diffus.

Pavel Romanenko: Es ist wichtig, die Aufgaben vorher konkret zu definieren. Ein detailliertes Briefing mit klaren Erwartungen ist aus meiner Sicht essenziell. Ergänzend haben wir Mock-ups als Diskussionsgrundlage erstellt. Das ist zwar ein höherer Initialaufwand, sorgt aber für eine deutlich schnellere Umsetzung.

Marco Waldner: Ja, vor allem die gute Vorbereitung ist sehr wichtig, denn so ein Projekt kann schnell ausufern oder unüberschaubar werden.

Gab es besondere Herausforderungen?

Marco Waldner: Wichtig aus unserer Sicht war, dass Projekt ‚Mobile First‘ zu denken und zu gestalten. Das birgt ein paar Herausforderungen, beispielsweise die Screen-Aufteilung, die Anzahl an Funktionen und die Leichtigkeit der Gestaltung. Außerdem ist die Seite modulbasiert aufgebaut, wodurch der Nutzer viel Freiraum bekommt, sich sein Profil zusammenstellen.

Michael Bogner: Wir präsentieren viele Zusatzinhalte wie News, Events, Teammitglieder und so weiter. Und trotzdem sollen der einfache Zugang und der schnelle Überblick gewährleistet sein. Man will nicht von Informationen erschlagen werden und den Unternehmensfotos und Teamfotos Platz zur Wirkung lassen. Das ist sehr gut gelungen, das Ganze ist ein richtig tolles Erlebnis für jeden, der die Seite benutzt.

Woher kommen Eure Daten, und mit wie vielen Profilen startet Ihr?

Florian Stein: Wir durchforsten seit anderthalb Jahren systematisch Jobplattformen, um Startups zu identifizieren. Zu diesen Startups haben wir Basis-Profile erstellt und sie anschließend mit Events und News angereichert. All diese Daten werden semantisch erfasst, automatisch vertaggt und kategorisiert.

Pavel Romanenko: Zum Start präsentieren wir ungefähr 5000 Profile deutscher Startups, die aus aggregierten Daten bestehen. Im zweiten Schritt laden wir die Unternehmen ein, ihre Profile zu ergänzen. Zeitgleich haben wir zigtausende Profile europäischer Startups erstellt, die wir im zweiten Schritt bearbeiten werden.

Was ist Euer Geschäftsmodell und was kostet das Profil für die Startups?

Pavel Romanenko: Unser Verlag NKF Media sieht sich als Förderer der Startups und baut aufstrebenden Unternehmen eine Bühne – sowohl mit unseren Magazinen Berlin Valley und the Hundert, genau wie mit unserem Newsletter Venture Daily oder der Konferenzreihe NKF Summit. Unsere Projekte sind für Startups in der Regel kostenlos – so auch Heet.io. Es gibt auch ein optionales Premiumprofil mit ein paar Extra-Features. Dafür fallen Kosten an, die aber überschaubar sind. Sogar das posten von einer bestimmten Anzahl an Job-Angeboten ist bei uns kostenlos.

„Für Unternehmen wie Daimler, Ströer, BMW oder die Telekom werden wir dank unserer Insights ein wichtiger Ansprechpartner“

Wie verdient Ihr Geld?

Florian Stein: Es gibt unglaublich viele Unternehmen und Institutionen, die junge innovative Startups kennenlernen wollen. Für Corporates sind Tech-Startups inzwischen eine Art ausgelagerte R&D-Abteilung. Unternehmen wie Daimler oder Ströer investieren quasi im Monatstakt in Startups. BMW oder die Telekom betreiben eigene Investmentfonds. Für solche Unternehmen werden wir dank unserer Insights ein wichtiger Ansprechpartner. Noch bedeutender wird das Thema Geschäftsanbahnung. Jeder spricht von Digitalisierung – und Startups entwickeln sehr spannende Services, die Corporates oder Mittelständler unbedingt kennen sollten. Hier setzen wir an und wollen eine Art Navigator werden.

Pavel Romanenko: Außerdem dient die Plattform unserer Redaktion als Recherchetool, und wir stellen die Daten auch anderen Redaktionen gern zur Verfügung – ein weiterer Mehrwert für die Startups auf unserer Plattform.

Wo seht Ihr Euch in einem Jahr?

Florian Stein: Wir hoffen, dass die Plattform eine komplette Übersicht der deutschen Startup-Szene präsentiert. Zeitgleich wollen wir Anlaufpunkt für Jobsuchende werden, die gerne in Startups arbeiten möchten, sowie für Unternehmen, die sich über die deutsche Startup-Landschaft informieren wollen. Wir haben die Plattform von Anfang international geplant, fokussieren uns aber zunächst auf Deutschland.

Das Gespräch führte Jan Thomas.

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