Griechenland ist berühmt für seine Geschichte, seine Kultur und seine Traditionen und beliebtes Reiseziel für Touristen. Für seine Technologie und die Fähigkeit, globale Unternehmen in diesem Sektor aufzubauen, war Griechenland bisher eher nicht bekannt. Das Land hat zwar Dutzende Multimillionäre hervorgebracht, doch die meisten davon sind Reeder oder Bauunternehmer. Der IT-Sektor jedoch war bisher nicht wirklich unser Ding. Die griechische Startup-Szene ist mehr oder weniger unbekannt.

In den letzten Jahren aber, als Griechenland durch die Wirtschaftskrise in den Fokus internationaler Medien geriet, erfuhr auch die Tech- und Startup-Szene, die sich vor allem in der Hauptstadt Athen angesiedelt hat, immer mehr Aufmerksamkeit. Die Wurzeln der heutigen Szene liegen in der Community der Open Coffee Meetups. Ihr Durchbruch gelang 2009/2010, als die neugewählte Regierung PASOK unter George Papandreou nicht nur ein schmerzvolles Sanierungsprogramm für die griechische Wirtschaft auf den Weg brachte, sondern auch die öffentliche Diskussion über Unternehmertum und Startups als Zukunftsmodell für Griechenland anregte.

Die griechische Startup-Szene braucht neue Fördermöglichkeiten

Bereits 2009 etablierten sich die ersten Seed- und Venturecapital-Fonds mit Unterstützung der Open Coffee Community, der Piraeus Bank (aktuell Griechenlands größte Bank) und privater Investoren. Ein Schlüsselmoment für die griechische Startup-Szene war 2011 die Gründung von Taxibeat – Athens größter Taxi-App. Es war die Zeit, als die Taxifahrer gegen die Deregulierung des Marktes protestierten. Der Erfolg von Taxibeat inspirierte viele andere Gründer. Als Katalysator für das griechische Startup-Ökosystem diente wiederum der Jeremie-Fund im Jahr 2012. Der Fonds speist sich zu 70 Prozent aus Mitteln der Europäischen Union und zu 30 Prozent von privaten Investoren.

Heute sehen sich innovative Unternehmer in Griechenland mit einer Vielzahl an Problemen konfrontiert: zu wenig Venture Capital, eine überbordende Bürokratie und nur eingeschränkte internationale Erfahrung. Die sich weiter verschärfende Wirtschaftskrise bringt die griechische Startup-Szene an einen Scheideweg, an dem auch ihre Existenz bedroht ist. Die neuesten Kapitalverkehrskontrollen machen es vielen Tech-Unternehmern (vor allem solchen ohne Venture Capital) schwer, Geld zu überweisen oder auch nur für ihre Domain, ihr Hosting oder ihre Suchmaschinenkampagnen zu bezahlen. Dramatisch zuspitzen wird sich die Lage, wenn es Griechenland nicht bald gelingt, einen neuen Jeremie-Fonds aufzulegen, um seine Startups auch in Zukunft zu finanzieren. Über den Netzwerk-Effekt hat der Fonds nicht nur die Entwicklung der direkt geförderten Unternehmen, sondern auch die des Unternehmertums in Athen und Griechenland insgesamt unterstützt. Die Investitionsperiode endet 2015 und noch gibt es keine offizielle Ankündigung für eine Neuauflage.

Ganz sicher werden die besten Startups und Gründer auch in Zukunft einen Weg finden, ihre Finanzierung zu sichern. Aber ohne neue Fördermöglichkeiten könnte es mit der gefeierten #GRstartupscene früher oder später vorbei sein.

Diese sechs Startups sind die Stars der griechischen Startup-Szene

BugSense

2011 von zwei Ingenieuren gegründet, konnte das Startup 110.000 Dollar im Silicon Valley einsammeln. Das Produkt: eine Fehlertracking-Plattform für App-Entwickler. Der Umsatz entwickelte sich so gut, dass damit die Expansion ins Ausland vorangetrieben werden konnte. 2013 wurde BugSense vom an der Nasdaq gelisteten Unternehmen Splunk übernommen. Ziel von Splunk war es, seine mobile Präsenz im Bereich Business Intelligence auf dem amerikanischen Markt nach vorne zu bringen.

AbZorba Games

2011 mit einem Business Angel aus Griechenlands StartTech-Projekt gestartet, holte sich der Anbieter von sozialen Online-Casinospielen 2012 den CEO Andrew Hughes aus Großbritannien an Bord, um die internationale Geschäftsentwicklung voranzutreiben. Die Partnerschaft mit der mobilen Plattform Tango.me und das Überschreiten der Marke von drei Millionen Nutzern waren wesentliche Meilensteine, bevor AbZorba von GreenTube, einer Tochter der österreichischen Glückspielfirma Novomatic, akquiriert wurden.

E-food

2012 von Serienunternehmern und privaten Investoren gegründet, hat sich e-food.gr zum dominierenden lokalen Player im boomenden Markt der Online-Lieferservice-Apps entwickelt. Die Zahl der Bestellungen pro Monat stieg von 20.000 Ende 2012 auf 150.000 Ende 2014. Als Rocket Internets Delivery Hero den türkischen Essens-Lieferdienst Yemeksepeti für 589 Millionen Dollar kaufte, kündigte er auch die Übernahme von E-food.gr an. Heute hat Delivery Hero einen Marktanteil von 50 Prozent in Griechenland.

Workable

Gehandelt als der nächste Multimillionen-Exit der griechischen Startup-Szene, startete Workable 2012 mit Ex-Topmanagern von Upstream. Bis heute hat der Anbieter einer Online-Recruiting-Software sieben Millionen Dollar von griechischen und israelischen Wagniskapitalgebern eingesammelt (letztere waren North83, ehemalige Partner von Greylock, einem der ursprünglichen LinkedIn Investoren). Seit 2014, werden Geschäftsentwicklung und Verkauf von Boston aus geleitet, da die USA der größte Absatzmarkt für das Unternehmen ist.

Resin.io

Mit einer A-Runden-Finanzierung von drei Millionen Dollar durch den Silicon-Valley-Fonds DFJ Venture und private Investoren im April 2015 macht sich das Startup auf, eine Schlüsselrolle im Internet der Dinge zu spielen. Resin.io verbindet eine Vielzahl von Geräten. Entwickler müssen nur ihren Code eingeben und die Plattform erledigt alles andere. Während Management-Teams in Großbritannien und den USA sitzen, arbeitet ein großes Forschungs- und Entwicklerteam weiter von Athen aus.

Pollfish

Das Startup hat ein neues Monetarisierungsmodell für App-Entwickler aufgebaut, das Unternehmen den Zugang zu wertvollen Nutzerinformationen und Kundenmeinungen ermöglicht. Die Nutzer beantworten Umfragen, um Guthabenpunkte zu bekommen oder Preise zu gewinnen. Nach Erstfinanzierungsrunden bei griechischen Wagniskapitalgebern und privaten Investoren, schloss Pollfish zuletzt eine Finanzierungsrunde über 2,5 Millionen Dollar mit griechischen und internationalen Fonds ab.

Dieser Artikel über die griechische Startup-Szene erschien zuerst in Berlin Valley News 10/2015.

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