Aus Deutschland haben bisher erst acht Unternehmer den Schritt in das renommierte Blackbox-Programm geschafft. Zuletzt Bernd Korz, CEO von Alugha. Das Mannheimer Unternehmen entwickelt und betreibt eine Plattform, auf der sich Videos in unterschiedlichen Sprachen veröffentlichen lassen. Für Berlin Valley hat Bernd seine Erfahrungen aus dem 19. Programm protokolliert. Hier der zweite Teil seines Erfahrungsberichts (hier geht’s zum ersten Teil):

Die fünf Startup-Säulen

Ehrlich gesagt: Das Programm sah danach aus, als könne man am Donnerstag ein wenig Luft holen. Aber dem war nicht so. Mike Maples, der sich unter anderem als Micro-Investor von Twitter und Uber einen Namen machte, erklärte uns, auf welchen Säulen für ihn der Erfolg eines Startups gründet.

„Die Motivation und der Hintergrund der Gründer sind essenZiell“

Um es vorwegzunehmen: Mich hat diese Stunde in vielen Ansichten bestätigt. Ich handele meist instinktiv – ohne zu wissen, ob die Entscheidung wirklich die richtige ist. Aber wie skaliert man? Sollte man seine Strategie auf massiven Wachstum auslegen? Mike hat mit den fünf Säulen Antworten gegeben.

  1. Die Gründer: Die Motivation und der Hintergrund der Gründer sind essentiell. Nur wenn die stimmen, kann man weiter aufbauen.
  2. Das Produkt: Ein Produkt, das keine Emotion erzeugen kann und keinen Nutzen am Markt hat, wird auch keinen Erfolg haben.
  3. Business Modell: Was immer wir tun: Es geht darum, zu wachsen. Wer wachsen möchte, muss viele Menschen erreichen – und das geht nur mit entsprechendem Marketing. Das geht nicht ohne Geld. Daher ist es wichtig, dass das Business Modell nicht den Fokus verliert.
  4. Die Firma: Es ist unabdingbar, sein Unternehmen richtig aufzubauen. Falsche Mitarbeiter, fehlende Kompetenzen, wenig Perspektiven: Wenn es von innen heraus anfängt zu faulen, wird es kritisch. Und wenn die Motivation verloren geht, wird jedes Produkt spürbar darunter leiden.
  5. Das Geschäftsfeld: Wo siedelt sich mein Startup an? Je nachdem wo das Geschäftsfeld liegt, ist eine ganz unterschiedliche Herangehensweise erforderlich. Ein Beispiel: Gehe ich in den Bereich Social Media muss ich einen erheblichen medialen Aufwand für mein Marketing betreiben, um wahrgenommen zu werden. In Nischen, die durchaus ein Milliardenmarkt sein können, verhält sich das komplett anders.
Foto: Bernd Korz
Foto: Bernd Korz

Grundsätzlich ist Mike absolut davon überzeugt, dass man sich nicht verrennen sollte. Sein Credo: Fang an, finde gezielt Nutzer, wachse organisch und stetig. Wenn die richtigen Nutzer dabei sind, werden sie von selbst anderen davon erzählen und es entsteht eine Eigendynamik. Bei organischem Wachstum ist es besonders von Vorteil, dass man Modifikationen vornehmen kann und direkt sieht, wie sich diese auswirken.

„Trotz aller Arbeit und allen Strebens nach Erfolg sollte die Familie an erster Stelle stehen“

Das Startup steht nicht immer an erster Stelle

Die Essenz aus dem anschließenden Meeting mit Derek Andresen war für mich, dass trotz aller Arbeit und allen Strebens nach Erfolg Familie an erster Stelle stehen sollte. Derek ist der Kopf hinter Startup Grid, einer Community für Entrepreneure. Die Firma hat Shows etabliert, die in über 100 Ländern stattfinden. Die klügsten Köpfe geben dort Einblick in ihre Arbeit.

Derek hat das Unternehmen aufgebaut und will unbedingt die Top-Adresse für Startups, Speaker und Investoren sein – er macht keinen Hehl daraus, dass er und sein Team seine Gegner (im bildlichen Sinne) zerstören wollen. Aber jeden Abend sitzt der vermeintlich so knallharte Geschäftsmann mit seiner Familie beim gemeinsamen Abendessen. Da gibt es keine Calls, keine Meetings. Für mich war das die große Lektion des Tages.

Beim Vortrag von Zach Coelius ging es anschließend darum, seine Chancen zu erkennen und sie zu ergreifen. Wie das funktioniert, hat er auf Basis seiner eigenen Vita veranschaulicht. Die liest sich wie eine Silicon-Valley-Comedy und wäre sicherlich ein Hit auf HBO geworden. Zach hatte eine zur damaligen Zeit verrückte Idee: Besucher einer Webseite wurden so intensiv analysiert wie möglich: Seitenverlauf, Interessen, Sprachen – das volle Programm. Anschließend wurde – wie in einem Auktionshaus – der Werbeplatz live an Interessenten vermittelt und der Höchstbietende konnte sich am Ende dem User präsentieren.

Foto: Bernd Korz
Foto: Bernd Korz

Von der Spinner-Idee zum Kunden-Liebling

Eine schwachsinnige Idee, in die vermeintlich nur ein Spinner investieren würde. Und so kam es auch, dass Zach kurz vor dem Aus stand. Er wollte seinen Laden nur noch loswerden. Die Mannschaft löste sich nach und nach auf – und einer seiner Mitarbeiter landete bei Facebook im Ads-Bereich. Bei einem Abendessen mit eben diesem früheren Mitarbeiter erfuhr Zach beiläufig, dass die Ads auf Facebook eher schlecht als recht funktionierten. Zach schaltete blitzschnell und fragte ebenso beiläufig: „Hey, warum nehmt ihr nicht einfach unser System? Ich weiß genau, wie ich euch helfen kann.“

Der Mitarbeiter stellte den Kontakt zu Marc Zuckerberg her, der fand die Idee gut und meinte nur: „Ok cool, macht mal.“ Ab dann änderten sich die Dinge: Zuvor wurde Zach bei 50 getätigten Anrufen zwar 20-mal beleidigt, gewann aber nur einen neuen Kunden. Mit Facebook im Rücken kam meist ein: „Haben Sie etwas, dass ich unterzeichnen kann?“ Ohne dass Zack auch nur erklärt hätte, was sein Unternehmen überhaupt genau machte. Klar, dass er auch bei den Investoren plötzlich ungleich bessere Karten hatte.

Passend zu dieser Geschichte habe ich heute einen Spruch gelernt, der so viel über das Valley aussagt: „Wer den Löwen mit Fleisch füttert, hat Glück. Wer es mit Salat versucht, wird selbst zum Fleisch.“

„Seine Idee war nicht so verrückt, wie es ihn die Leute zunächst glauben gemacht hatten“

Das „Fleisch“, das Zach lieferte, reichte Zuckerberg nämlich nicht mehr aus. Und so beschloss er von einem Tag auf den anderen, auf die Dienste von Zachs Startup zu verzichten und die Facebook-Daten in Eigenregie zu vermarkten. Zach blieb mit der Erkenntnis zurück, dass seine Idee nicht so verrückt war, wie es ihn die Leute zunächst glauben gemacht hatten. Er ist kein armer Mann – und nutzt heute sein Wissen, seine Kontakte und sein Geld, um interessante Startups zu unterstützen.

Foto: Bernd Korz
Foto: Bernd Korz

Zum Abschluss hatten wir noch ein Gespräch mit Alex Tauber. Alex hat sein Studium 1997 an der Stanford University im Silicon Valley abgeschlossen und ist seit 2010 Investor in dem von ihm gegründeten „Aeneas Venture Partners“. Sein Hauptaugenmerk liegt darauf, die Startups in Sachen Kultur, Team, und Wachstum zu begleiten.

Alex zeigte uns Wege auf, unser Ziel zu manifestieren, um dann mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen und zu eliminieren. Die große Frage dahinter: Wie klar ist eigentlich unser Plan, der zum Ziel führt? Und wie zeichnen wir ihn auf? Alex verdeutlicht das ganz plastisch mit dem Foto eines Berges, das dessen Gipfel und das Tal zeigt, in dem er sich erhebt. Als Beispiel für einen Mann mit einem klaren Aufstiegsplan nimmt er Tesla-CEO Elon Musk und verdeutlicht, wie zielstrebig der an seinem Ziel arbeitet und wie klar seine Vision von Anfang an war.

Alex nennt den Moment, in dem Musk das Ruder von Tesla übernommen hat „The Beginning“. Musk hatte einen echten Masterplan, der schon 2006 den Gipfel als Ziel hatte. Dafür ging der Mastermind ganz bewusst Kompromisse ein: Zunächst vernachlässigte Tesla beispielsweise die Karosserie der Wagen und feilte stattdessen an Batterietechnik der Massenmarkttauglichkeit der Elektrotechnik. Das Chassis kaufte das Unternehmen erst später von Lotus. Mit jedem weiteren Modell des Autos, das 2009 erstmals den Markt eroberte, folgten neue Entwicklungsschritte in Sachen Technik, Ausstattung und Reichweite.

„Wichtig sind im Vornherein festgelegte Meilensteine“

Obwohl das in der Form natürlich verkürzt dargestellt ist, zeigt es mir doch, wie wichtig im Vornherein festgelegte Meilensteine sind. Ebenso wichtig – und das verdeutlichte Alex einmal mehr – ist allerdings auch die Unternehmenskultur.

So sollte man sich nicht zwangsläufig von einem Mitarbeiter trennen, wenn der zwar Defizite dabei hat, den Anforderungen gerecht zu werden, aber gut in die Struktur des Startups passt. Einschränkung: Er muss sich bemühen, die vorhandenen Defizite abzubauen. Im Gegensatz dazu sollte man sich von einem Mitarbeiter trennen, der trotz vorhandener Qualifikationen menschlich nicht ins Team passt und keine Anstalten macht, sich anzupassen.

Foto: Bernd Korz
Foto: Bernd Korz

Wer an Mitarbeitern festhält, die die Firmenphilosophie untergraben, sendet negative Signale an alle übrigen Angestellten. Das trägt zur Demotivation und zum Infragestellen der Führung bei. Hier gilt es konsequent zu sein. Um dem vorzubeugen sollte man lieber von vornherein ganz klare Regeln festlegen, die wirklich für alle gelten. So sollte allen Mitarbeitern – auch wenn sie individuell ganz unterschiedlich ticken und ihre speziellen Eigenheiten haben – klar sein, was im Rahmen des Unternehmenskodex ist und was dagegen verstößt.

Nicht zuletzt wegen der unglaublichen Vielfalt, die sich innerhalb dieses einen Tages eröffnete, wurde mir einmal mehr klar, an wie vielen unterschiedlichen Schrauben man an einem Startup drehen kann. Ich war beeindruckt davon, wie viele Hinweise die Speaker jedem einzelnen Teilnehmer mit auf den Weg geben konnten. Die Qualität der Vorträge war wirklich außerordentlich und unterstreicht, wie ernst Blackbox dieses Programm ist.

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