Wir schreiben das Jahr 2010. Immer wieder waren „Startup-feindliche“ Gesetzgebungen im Gespräch. Der Aufschrei innerhalb der Gründerszene war zwar groß, außerhalb der Szene jedoch nicht zu hören. Zeit also, sich Gehör zu verschaffen.

Motiviert von der Idee einer unabhängigen Stimme war schnell klar, dass dieses Ziel nicht erreicht werden könnte, würde man sich einfach nur in einen existierenden Verband eingliedern. „Ich wollte verhindern, dass wir den bestehenden Verbänden zu ähnlich werden, denn die waren, zumindest in der Außenwahrnehmung, sehr angestaubt und bürokratisch. Eine Neugründung speziell für Gründer machte viel mehr Sinn“, erinnert sich der damals 24-jährige Bachem zurück.

Vom Meckern zum Machen

„Mein unternehmerisches Selbstbild ist von der Überzeugung geprägt, dass Unternehmer Macher sind und keine Meckerer. Umso erstaunlicher war es, dass man in den Reihen der Startups immer wieder eine Art ‚deutsches Meckern‘ vernehmen konnte. Das musste man irgendwie anpacken und verändern“, erklärt Bachem. Der Zuspruch innerhalb der Szene war groß: „Es gab viele Unterstützer, aber leider wenige, die sich damit aktiv beschäftigen wollten“. Und doch gab es einen engen Zirkel mit Personen wie Verena Delius, Constanze Buchheim, Alexander Koelpin oder Tilo Bonow, die erste Ideen austauschten.

„Mir war jedoch von Anfang an klar, dass wir eine bundesweite Bewegung sein mussten“

„Wir hatten sehr verschiedene Auffassungen darüber, was in der Umsetzung realistisch ist. Unklar war beispielsweise, ob wir bundesweit auftreten könnten oder nur in Berlin? Mir war jedoch von Anfang an klar, dass wir eine bundesweite Bewegung sein mussten“, so der Internet-Unternehmer weiter. Der Schlüsselmoment war, als Florian Nöll, heute Vorsitzender des BVDS, parallel einen Verein für Gründungspolitik aufbauen wollte und per E-Mail zu einem Treffen einlud. Plötzlich wurde das Vorhaben konkret: „Florian ist ein sehr guter Politikkenner und hat den Verband zu dem gemacht, was er ist. Ich hatte in diesem Bereich gar keine Kenntnisse. Andererseits hatte ich ein starkes Netzwerk und hatte mir aufgrund der vielen Gespräche im Vorfeld zugetraut, innerhalb von einem Monat 100 Mitglieder für so einen Verband zu gewinnen.“ Es herrschte Einvernehmen und so konnte die Basis für den Bundesverband nach nur zwei Wochen gelegt werden.

Eine legendäre Gründungsversammlung im Gaffel Haus in Berlin kam zusammen. Rund 20 Personen unterschiedlichster unternehmerischer Herkunft, folgten dem Aufruf – von Jens Best, Tobias Kollmann, Erik Heinelt und David Hanf bis hin zu Mitarbeitern von KPMG, Google und auch einigen Privatpersonen. „Eine ganz skurrile Runde“, erinnert sich Bachem an diesen Moment.

Bis zur eigentlichen Gründung sollten noch zwei Jahre vergehen, in denen die Initiatoren „jede freie Sekunde“ damit verbrachten, ihre Verbandsgründung voranzutreiben. „In dem Verband steckt bestimmt ein Jahr unbezahlte Arbeit von mir.“ Was ihn dazu motiviert hat, dieses Investment zu bringen? Einerseits die Leidenschaft dafür, „die Szene zusammenzubringen, zu netzwerken, Leute kennenzulernen“. Außerdem braucht es natürlich viel Leidenschaft. Denn nur so konnte aus dem anfänglichen „Hobby“ des Unternehmers die bundesweit einflussreichste Startup-Organisationen entstehen.

Zuerst erschienen in Berlin Valley Nr. 26

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[…] gründete Florian Nöll gemeinsam mit 17 weiteren Startup-Unternehmern den BVDS. „Lobbyismus für […]

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[…] 2012 gründete Florian Nöll gemeinsam mit 17 weiteren Startup-Unternehmern den BVDS. „Lobbyismus für Anfänger“ titelte damals das Wall Street Journal. Der BVDS war damals ein Anfänger im besten Sinne: ein Startup. Der gerade veröffentlichte fünfte „Deutsche Startup Monitor“ beschreibt ein Startup als Unternehmen, das mit seiner Technologie oder seinem Geschäftsmodell innovativ ist. Das trifft auch auf den BVDS zu: Die Gründer haben vor fünf Jahren eine Lücke entdeckt und gefüllt. Sie haben ein politisches Sprachrohr für eine wachsende, aber noch wenig organisierte Gründerszene in Deutschland etabliert. […]