5. Unterschätzter IT-Aufwand

Immer wieder ist Contorion zu optimistisch an die IT-Schätzungen von Projekten herangegangen. Das hat unweigerlich zu Frustrationen bei den Stakeholdern und der IT geführt. „Das hängt von Persönlichkeiten ab, ist aber auch ein allgemeines Phänomen in der IT. Tickets werden oft sehr optimistisch geschätzt“, meint Richard. Ungeplantes und dann explodierende Storys sind häufig nicht vorherzusehen.

4. Halbherzige Einführung von Scrum

Am Anfang nutzte Contorion Kanban. Es erwies sich als ideale Lösung zu Beginn und ermöglichte einen schnellen Austausch zwischen Gründern und Produktteams. In den vergangenen zwölf bis 18 Monaten hat Contorion dann mit der Einführung von Scrum begonnen – zunächst jedoch sehr halbherzig. Es wurden nur Teile eingeführt und viele Altlasten kamen weiterhin aus Kanban. Man habe zwar zunächst versucht, weiter nur mit Tickets zu arbeiten, stellte dann aber fest, dass eine strategische Projektzielausrichtung die bessere Wahl ist. Die Projektteams wurden dann mit klarem Fokus gebildet und haben sich an inhaltlichen Zielen orientiert.

3. Zu langer Brandname

Contorion ist ein Markenname mit vier Silben. Er überzeugte damals das Team in Verbindung mit dem Logo zu 100 Prozent. Auch heute ist man mit dem Fantasienamen glücklich, selbst wenn es hin und wieder zu lustigen Wortneuschöpfungen oder Verwechslungen mit Lieferanten und Kunden kommt. „Ein Name wie dieser muss schon ein paar Mal gehört werden, um sich einzuprägen“, sagt Richard. Trotzdem glaubt er nicht, dass der Name zum Beispiel einer Expansion ins Ausland im Wege steht, dafür habe der Markenname einen zu geringen Anteil am Erfolg. Dennoch würde er anderen empfehlen, weniger Silben und bekannte Wörter zu nutzen.

2. Zu starke Ausrichtung Richtung Online-Channels versus Offline

Als Pure-Online-E-Commerce-Startup hat man sich zunächst auf Online-Kanäle konzentriert. Später wurde jedoch realisiert, dass man sich alle Kanäle anschauen und diese testen muss, um sich dann auszurichten. Online wird als Kanal immer teurer. Daher investiert Contorion nun in Offline-, beispielsweise einen Katalog für Maler, Trockenbauer und Fliesenleger, und testet parallel weitere Offline-Kanäle.

1. Fehlender Fokus bei Zielgruppe und Angebot

Dieser Fehler hängt mit Fehler zwei zusammen. Am Anfang wollte sich Contorion breit aufstellen, um möglichst viele Produkte für eine breite Zielgruppe anbieten zu können. Es kristallisierte sich heraus, dass dies kein sinnvoller USP für die Anfangszeit eines Startups ist. Findet die Zielgruppe nicht das richtige Produkt, ist auch das Feedback unweigerlich kein gutes. Besser ist ein spezifisches Minimum Viable Product für eine klar definierte Zielgruppe, um daraus konstruktives Feedback zu erhalten. Eindeutige Mehrwerte von Anfang an sind elementar wichtig.

Contorion Logo (Bild: Contorion)

CONTORION

Branche: Handwerks- und Industriebedarf
Beschreibung: Contorion ist ein digitaler Fachhändler für den professionellen Handwerks- und Industriebedarf und bietet Betrieben Werkzeug in höchster Qualität zu fairen Preisen und mit optimalem Service an.
Team: Frederick Roehder (MD) Richard Schwenke (MD) Tobias Tschötsch (MD)
Gründungsjahr: 2014
Mitarbeiter: 150
URL: contorion.de
RIchard Schwenke (Bild: Contorion)

RICHARD SCHWENKE

Richard Schwenke hat Contorion 2014 zusammen mit Frederick Roehder und Tobias Tschötsch gegründet. Als Geschäftsführer verantwortet er den Einkauf, Category Management, IT und Business Intelligent. Vor Contorion war der promovierte Volkswirt unter anderem als Berater bei McKinsey tätig.

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