Herr Frischholz, was können die Großen von den Kleinen lernen – die Corporates von den Startups?

Vor allem drei Dinge: Erstens: Freies und unvoreingenommenes  Denken und das Erkennen von bestehenden Problemen. Zweitens: Agiles, dynamischeres und einfacheres Arbeiten. Und drittens: Customer Centricity, also der unbedingte Fokus auf den Kunden und seine Anforderungen.

Wieso haben die Corporates das immer noch nicht verstanden?

Das hat natürlich etwas mit der Größe zu tun und dem höheren Abstimmungsbedarf bei Corporates. Umgekehrt können Startups natürlich auch viel von etablierten Unternehmen lernen. Dadurch gibt es auch ganz viele Kollaborationsthemen: Wenn Tech-Firmen größer werden, wird zum Beispiel HR immer relevanter oder auch das Thema Internationalisierung.

Welche Rolle spielt da die HypoVereinsbank?

Wir sind ein Brückenbauer. Wir veranstalten Plattformevents, branchenorientiert oder sektorenfokussiert. So können wir etablierten Unternehmen mit Startups zusammenbringen. Und wir finanzieren Digitalisierungslösungen für Mittelständler. Sie wissen genau, dass Digitalisierung wichtig ist. Aber anders als die Großunternehmen wissen sie oft noch nicht genau, wie sie das Thema angehen sollen. Dafür haben wir speziell geschulte Mitarbeiter, die sich mit dem Thema auskennen. Unser Team kennt die neuesten Technologien und die Digitalisierungstrends in den unterschiedlichen Branchen. Dieses Know-How stellen wir unseren Kunden zur Verfügung.

Ist die Bankfinanzierung auch für Startups interessant?

Unter unseren Kunden sind auch viele Tech-Firmen, die meistens gerade die Serie- A Finanzierung erfolgreich abgeschlossen haben. Für sie ist die Bankfinanzierung eine Alternative zur weiteren Investorenrunde.

Haben Sie ein konkretes Beispiel, welche Digitalisierungslösungen ihre Kunden umsetzen wollen?

Einem unserer Klienten aus dem B2C-Dienstleistungsbereich ging es um neue Schnittstellen zu seinen Kunden, sei es mobil, über Desktop oder Customer Interface. Ein anderes Beispiel ist die Umstellung auf ein vollautomatisches, digitales Logistikzentrum.

Wie gelingt denn der Weg zur Digitalisierung Ihrer Erfahrung nach?

Es gibt nicht den einen idealen Weg. Es sind eher viele Gehversuche. Man muss sich zuallererst klar machen, wie die eigene Digitalisierungsstrategie aussehen soll. Dabei ist auch Verzicht wichtig. Man sollte sich genau überlegen: Was mache ich und was mache ich nicht. Häufig führt es nicht zum Erfolg, das Kerngeschäft beizubehalten und parallel drei, vier digitale Sachen zu starten. Man muss sich eher überlegen, wie man es schafft, das Digitale ins Kerngeschäft zu integrieren.

Wie glauben Sie, wird sich die Beziehungen zwischen Corporates und Startups weiterentwickeln?

Wir sehen im Moment mehr Joint Venture Capital. Ein Trend ist sicherlich, dass Corporates immer mehr zu Investoren der Startups werden.

Jörg Frischholz

ist Leiter des Firmenkundengeschäft der HypoVereinsbank in der Region Ost. Gemeinsam mit seinem Team steht er dem Mittelstand für alle unternehmerischen Kernherausforderungen als Partner zur Seite, insbesondere auch beim Thema Digitale Transformation.

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