„Money makes the world go round“ – und es hält auch Startups am Leben. Wenn das Geld ausgeht, ist Schluss. Wenn das Geld zu knapp ist, wächst das Startup womöglich nicht schnell genug. Wenn aber zu viel Geld da ist, stimmt die Rendite nicht. Es geht also darum, den Finanzbedarf möglichst genau zu ermitteln und auch die richtige Finanzierungsform zu finden. Der Finanzbedarf sollte aus dem Businessplan hervorgehen und hängt natürlich davon ab, in welchem Stadium sich das Startup befindet. Gibt es bereits einen Prototyp vom Produkt oder muss der noch entwickelt werden? Und welche Art von Unternehmen wird gegründet? Je komplexer die Technologie, desto mehr Kapital wird gebraucht. „Zu Beginn geht es darum, den Finanzbedarf bis zur nächsten Entwicklungsstufe zu ermitteln“, erklärt Ingo Potthof, Geschäftsführer von Unternehmertum Venture Capital Partners aus München. Üblicherweise reichen 300.000 bis 500.000 Euro für den Start und einen Zeitraum von zwölf Monaten. Damit kann man schon etwas machen, Entwickler einstellen zum Beispiel, einen Prototyp herstellen, einen Pilotkunden finden …

Am Anfang reicht kleines Geld

Das Ziel sollte nicht sein, so viel Geld wie möglich einzusammeln, warnt Potthof. Es sei denn, das Konzept ist fertig und bewiesen und es geht jetzt vor allem darum, in die breite Vermarktung zu gehen. Aber normalerweise braucht man zu Beginn keine Millionen. Im Gegenteil: „Oft kann man in der ganz frühen Unternehmensphase gar nicht so viel Kapital sinnvoll ausgeben, so dass zu viel Kapital zu einer ineffizienten Mittelverwendung führen und man die notwendige Wertsteigerung nicht erzielen kann.“ Dabei ist nicht nur die richtige Summe entscheidend. „Ganz wichtig ist, dass man auch mit dem Geldgeber zurechtkommt“, sagt Finanzierungsexperte Potthof. „Die Person, von der man Geld nimmt, sollte man sich daher gut aussuchen.“ Wenn Geldgeber unkalkulierbar agieren oder sich dauernd mit den Gründern über den richtigen Weg für das Unternehmen streiten, werden Entscheidungen verzögert und das Startup kommt nicht voran. Institutionelle Investoren wie Venture-Capital-Gesellschaften sind zwar besser kalkulierbar als etwa Business Angels, doch es gibt nicht viele VCs, die bereits in der ganz frühen Phase investieren.

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Lieber weniger, dafür „smart money“

Daher sind die meisten Startups zunächst auf Business Angels angewiesen. „Bei der Auswahl der Business Angels sollten sich die Gründer fragen, wie ihnen der Geldgeber über das Kapital hinaus weiterhelfen kann“, rät Potthof. „Es können in der jeweiligen Unternehmensphase verschiedene Personen sein.“ Wenn ein Geldgeber neben Geld auch gute Ratschläge gibt, spricht man von „smart money“. Anfangs kann das eine Hilfestellung beim Recruiting sein oder auch die Vernetzung mit wichtigen Firmen in der Branche.

Ideal ist es, wenn sich der Business Angel in der entsprechenden Industrie auskennt und dazu Kenntnisse hat, die im Startup bisher fehlen. „Es ist nicht zu unterschätzen, wenn man von einem erfahrenen Unternehmer hilfreiche Tipps bekommt“, sagt Potthof. Wie überall im Leben geht es auch beim Start eines Unternehmens darum, mit begrenzten Mitteln richtig zu haushalten und sie für die richtigen Dinge auszugeben. „Natürlich ist es für Gründer wichtig, kostenbewusst zu sein. Allerdings gibt es auch Gründer, die sich allzu schwer tun, Geld auszugeben“, berichtet Potthof. Dann besteht die Gefahr, Entwicklungs- oder Wachstumsziele nicht zu erreichen. Für Mitarbeiter, Hardware und Material muss immer genug Geld da sein. Darum ist es wichtig, einen detaillierten Plan für die ersten zwölf bis 18 Monate zu machen, diesen konsequent abzuarbeiten, regelmäßig zu überprüfen und anzupassen. „Das Geld sollte nicht zu knapp bemessen sein, damit sich nicht alles verzögert“, rät der Finanzierungsexperte. „Man braucht immer ein paar Monate Puffer. Wenn also der errechnete Finanzbedarf bei 300.000 Euro liegt, dann besser 500.000 Euro einsammeln.“ Zudem muss man bedenken, dass es drei bis sechs Monate dauert, um eine Finanzierungsrunde abzuschließen. 

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Viele greifen auf Ersparnisse zurück

Welches die beste Finanzierungsform ist, lässt sich nicht generell sagen, das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Außerdem hat jede Form ihre Vor- und Nachteile. Eines können sich Startups in der Regel jedoch sparen: den Weg zur Bank. Denn Bankkredite kommen wegen der fehlenden Sicherheiten ganz am Anfang nur für die wenigsten Startups in Betracht. Der Deutsche Startup Monitor 2017 zeigt, dass die meisten Gründer (rund 80 Prozent) bei der Finanzierung auf eigene Ersparnisse zurückgreifen. Der Vorteil ist: Man kann sie einsetzen, wie man will, und muss sich nichts vorschreiben lassen.

Wenn jemand viele Ersparnisse hat, reicht es womöglich für die ersten Monate, um ein Konzept und vielleicht sogar das Produkt zu entwickeln und ein Team aufzubauen. Doch auch Gründer, die privat viel eigenes Geld haben, sollten das Unternehmen nicht ganz allein finanzieren. „Es ist gut, ein Korrektiv von außen zu haben, denn die meisten Startups sind in jeder Phase auf Rat angewiesen“, sagt Potthoff. „Außerdem werden diejenigen, die zu lange mit Eigenmitteln gearbeitet haben, bei späteren Finanzierungsrunden nicht belohnt.“ Heißt: Wenn jemand zum Beispiel 100.000 Euro in das eigene Unternehmen gesteckt hat, kann er nicht sicher davon ausgehen, dass dies bei einer späteren Bewertung des Startups honoriert wird. Andererseits ist es ein positives Signal für die Investoren, wenn ein Gründer auch eigene Mittel ins Risiko stellt.

Finanzierungsform: Fördermittel für Fleißige

Vor allem bei technologieorientierten Startups machen Fördermittel Sinn. Gutes Beispiel für Gründer, die aus der Wissenschaft kommen und schon an der Universität angefangen haben, an ihrer Unternehmung zu arbeiten, ist das Exist-Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums. Grundsätzlich ist die Beantragung von Fördermitteln jedoch aufwendig und kostet viel Zeit. Im Vergleich dazu sind die Mittel, die bereitgestellt werden, meist nicht sehr hoch. Darum sollten Gründer prüfen, ob sich der Aufwand für die zu erwartende Summe wirklich lohnt.

Familie und Freunde gehören ebenfalls zu den häufigsten Finanzierungsquellen für junge Gründer. Der Vorteil ist, dass sich diese Gruppe meist schnell entscheidet. Professionelle Investoren wie VCs haben dagegen Prozesse, die in der Regel länger dauern. Allerdings sollte sich jeder Gründer gut überlegen, die engsten Bekannten anzuzapfen, denn wenn das Geld verloren geht, kann das die privaten Beziehungen belasten. Ein VC kann besser mit einem Verlust umgehen als zum Beispiel der Nachbar.

Business Angels sind beliebt

Als Geldgeber eher geeignet, weil professioneller und erfahrener, sind Business Angels als besondere Form von „Friends and Family“. „Es gibt mittlerweile in Deutschland eine vernünftig entwickelte Business-Angel-Szene“, sagt Potthof. In der Regel sind es Unternehmer, Manager, aber vor allem auch ehemalige Gründer. „Wir sehen das als VC gern, wenn bereits ganz früh erfahrene Business Angels bei einem Startup involviert waren.“

Wer auf externe Kapitalgeber verzichten will, kann sein Startup auch aus dem operativen Cashflow finanzieren. Der Vorteil ist, dass die Innenfinanzierung in der Regel keine zusätzlichen Kosten verursacht und unbürokratisch ist. Voraussetzung ist allerdings ein ertragstarkes Geschäft, das ausreichend finanzielle Mittel erwirtschaftet. Daher kommt es nicht für allzu viele Startups infrage.

Der Nachteil ist, dass die Innenfinanzierung nur sehr begrenzt steuerbar ist. Hinzukommt, dass die finanzielle Unabhängigkeit auch sehr schnell wieder verloren gehen kann – wenn plötzlich zahlende Kunden das Sagen haben. „Startups sollten sich nicht zu früh von einem Pilotkunden abhängig machen“, rät Potthof. „Dann wird das Produkt oft zu sehr nach dessen Wünschen entwickelt und womöglich am Markt vorbei.“ Gleiches gilt auch für strategische Investoren, die nicht zu früh an Bord geholt werden sollten, um sich alle Optionen offenzuhalten.

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Starthelfer wollen auch profitieren

Inzwischen gibt es viele Inkubatoren und Acceleratoren, die Startups in verschiedenen Stadien ihrer Entwicklung unterstützen. Darunter gebe es bessere und schlechtere, meint Potthof und empfiehlt daher, sich die Programme genau anzusehen und ihren Mehrwert – wie etwa ein starkes Netzwerk, intensives Mentoring oder Kontakt zu anderen Startups – vorher abzuschätzen.

Wichtig ist vor allem: Müssen die Gründer für das Programm Anteile abgeben oder nicht? „In der ganz frühen Phase sollte man es sich gut überlegen, für einen vergleichsweise geringen Betrag bereits Anteile abzugeben“, sagt Potthof. Über die traditionellen Finanzierungswege hinaus gibt es immer mehr Möglichkeiten, sich auf verschiedenen Plattformen Kapital über die Crowd zu beschaffen.

Dabei ist es wichtig zu unterscheiden, ob nur ein Produkt vorfinanziert werden soll oder ob Beteiligungen am Unternehmen abgegeben werden. Die erste Variante sei okay, sagt Potthof. Viele Investoren schätzen sie sogar, weil es ein erster Test ist, ob es zahlungsbereite Kunden für das Produkt gibt. Kritisch sehen Investoren jedoch die zweite Variante, wenn Anteile an eine Vielzahl von Investoren abgegeben werden. „Danach wird es sehr schwer, VC-Finanzierungen zu bekommen“, meint Potthof.

Wer neue Wege geht, wählt ein ICO

Eine neue Form der Crowdfinanzierung ist das Initial Coin Offering, kurz ICO. Diese Finanzierungsform bietet sich für Firmen an, deren Geschäftsmodell auf Kryptowährungen basiert. In einem ICO wird ein Teil der neu emittierten Kryptowährung an Anleger verkauft. Im Gegensatz zu einem Börsengang, der in einem späteren Stadium relevant wird, werden dabei Projekte finanziert, die erst im Anschluss daran realisiert werden können.

Fazit: Für Gründer gilt es, einen genauen Finanzplan aufzustellen und dabei den Bedarf mit den verschiedenen Finanzierungsformen zu decken. Dabei müssen nicht nur die Vor- und Nachteile der einzelnen Formen ins Kalkül genommen werden, erklärt Potthof. „Wichtig ist es immer mitzuplanen, wie viele Anteile die Gründer in jedem Stadium halten, damit für große Runden später noch genügend vorhanden sind und die Gründer dann angemessen vom Erfolg des Startups profitieren.“