„Wir glauben an Innovation und an unternehmerischen Mut. Innovation zu fördern, heißt, dass jeder, der den Mut hat, ein Unternehmen zu gründen, auch dafür belohnt werden muss. Deswegen haben wir beschlossen, dass wir Projekte, wo immer es möglich ist, mit einem Startup realisieren und nicht mit etablierten Unternehmen“, sagt Factory-Gründer Udo Schloemer im Gespräch mit Berlin Valley. Bei der Einrichtung des neuen Campus am Görlitzer Park hat die Factory deshalb den IoT-Experten Sensorberg und den Innenausstatter 99chairs beauftragt.


Sensorberg ermöglicht die Interaktion von Mensch und Raum

In der neuen Factory braucht niemand mehr Sorge zu haben, Schlüssel oder Zugangskarten zu Räumen oder Schließfächern zu verlieren – es gibt gar keine. Die Interaktion mit dem Gebäude findet allein über die Factory-App statt. Mit dieser können Meetingräume nicht nur gebucht, sondern auch aufgeschlossen und persönliche Dinge sicher in den Schließfächern im Flur verwahrt werden.

Die Schließfächer werden mit der Factory-App gesteuert (Bild: Alexander Freundorfer)
Die Schließfächer werden mit der Factory-App gesteuert (Bild: Alexander Freundorfer)

Die Technologie, die dahinter steckt, kommt vom Berliner Startup Sensorberg. 2013 als Beacon-Management-Plattform gestartet, hat sich der Fokus inzwischen geändert. Im März 2017 übernahm Michael von Roeder die Geschäftsführung von Gründer Alexander Oelling. Seitdem versteht sich Sensorberg als IoT-Company mit einem Schwerpunkt auf Responsive Buildings. „Wir glauben, dass IoT in Gebäuden um die Menschen herum gestaltet werden sollte, um ihnen die Interaktion mit dem Raum zu ermöglichen”, erklärt Michael von Roeder.

„Coworkings sind noch nicht so weit digitalisiert, wie es möglich wäre“

Smart Workspaces

Das 27-köpfige Team arbeitet seither an der Digitalisierung des physischen Raums. Besonderes Augenmerk legt Sensorberg dabei auf Smart Workspaces. Für den neuen Sensorberg-CEO war schnell klar: Coworkings sind noch nicht so weit digitalisiert, wie es möglich wäre. Die gerade im Rohbau befindliche Factory war daher ein mehr als passender Kunde. Die größten Herausforderungen bei dem Projekt lagen ähnlich wie bei 99Chairs in den typischen bauseitigen Themen – Staubfreiheit in den Räumen. „Aber wir haben alles partnerschaftlich hingekriegt“, resümiert von Roeder.

Weniger Technik ist manchmal auch mehr: In einigen Räumen der Factory gilt absolutes Handyverbot (Bild: Alexander Freundorfer)
Weniger Technik ist manchmal auch mehr: In einigen Räumen der Factory gilt absolutes Handyverbot (Bild: Alexander Freundorfer)

99Chairs schafft mit Interior Design Raum zum Arbeiten, Vernetzen und Kreativsein

Den Eingang bilden fließende Lamellen aus Holz, von rauen Betonwänden im Innenbereich blicken einem überlebensgroße Tierbilder von Büffel und Pfau entgegen, wie man sie aus der Berliner Street-Art-Szene kennt. Mittendrin flexible Meeting-Boxen, wie kleine Häuser aus Sperrholz. Weitere Highlights: ein Bällebad mit Schwarzlichtinstallation, eingerahmt von einer breiten Wand mit pinkfarbenen, hexagonförmigen Sitzluken, und ein Auditorium, das in Form und Einrichtung an eine Mischung aus Flugzeug und Kinosaal erinnert.

Zentraler Gedanke der Factory sind Begegnungen. Entsprechend haben die Designer Voraussetzungen für gute Gespräche geschaffen (Alexander Freundorfer)
Zentraler Gedanke der Factory sind Begegnungen. Entsprechend haben die Designer Voraussetzungen für gute Gespräche geschaffen (Alexander Freundorfer)

Das ungewöhnliche Interior Design hat die neue Factory Dependance dem Team von 99Chairs zu verdanken. Für das 2014 gegründete Startup, dessen Online-Plattform professionelles, individuelles Innendesign vom Online-Konzept bis zum Möbelkauf anbietet, war die Factory das erste Großprojekt – und zugleich sein Meisterstück. Innovative Bürokonzepte Ursprünglich als reines B2C-Konzept gestartet, wurden sie von ihren Kunden immer öfters gefragt, ob sie nicht auch etwas für deren Büros entwerfen könnten.

„Wie kann man einen Arbeitsplatz gestalten, der produktiver, motivierter und kreativer macht?“

Mit den ersten Projekten für Geschäftskunden entdeckten sie das Potenzial, das im B2B-Bereich steckt. Mittlerweile sind die B2C-Projekte ein Selbstläufer und der Fokus liegt auf innovativen Bürokonzepten für Geschäftskunden und der Frage: Wie kann man einen Arbeitsplatz gestalten, der produktiver, motivierter und kreativer macht? Eine beeindruckende Antwort darauf geben die mehr als 10.000 Quadratmeter der Factory. Projektmanagerin Damla Kilic erarbeitete mit acht Designern – einer davon in Portugal, einer in Italien – innerhalb von weniger als sechs Wochen das komplette Konzept inklusive Kostenkalkulation. Auf diese Schnelligkeit ist nicht nur das Team stolz, auch Factory-Betreiber Udo Schloemer war beeindruckt von dem Tempo und der Hands-on-Mentalität, dem „Wir machen das jetzt!“. Für das Startup selbst sicherlich auch eine glückliche Paarung: Ein Erstkunde aus dem Corporate-Bereich hätte ihnen bei dieser Budgetgröße nicht die Freiheiten gewährt, das ist dem Team bewusst.

Offenheit trifft Rückzugmöglichkeiten (Alexander Freundorfer)

Positive Naivität

„Ich werde mein ganzes Leben sagen: Ich habe 2017 nur für die Factory gearbeitet“, sagt Kilic und lacht. Warum sie sich ein solches Großprojekt mit Millionenbudget überhaupt zugetraut haben? „Unser Vorteil war die positive Naivität, mit der wir im Januar gestartet sind. Hätten wir genau gewusst, was auf uns zukommt – ich weiß nicht, ob wir das Projekt dann angenommen hätten“, gibt die Projektmanagerin zu. Eine Menge gelernt habe sie insbesondere, was die speziellen bauseitigen Themen angeht. „Beim Bau geht alles Hand in Hand“, erklärt Kilic. Die Zusammenarbeit mit verschiedensten Gewerken – Schreiner, Lichtinstallateure, Tape Artists – brachte zudem ganz neue Einblicke in die Händlerkommunikation. „Wir sind als Unternehmen einen großen Schritt in Richtung Erwachsenwerden gegangen“, bestätigt Content-Marketing-Managerin Julia Boos.

Mit den Aufgaben ist 2017 auch das Team von 99Chairs rasant gewachsen: von 21 Mitarbeitern am Jahresanfang auf mittlerweile 55 Mitarbeiter und weitere 40 bis 50 externe Designer in ganz Deutschland. Bisher konzentriert sich der Kundenkreis des Startups auf die DACH-Region, nächstes Jahr sollen ein bis zwei weitere Länder in Europa dazu kommen. Außerdem ist eine Virtual-Reality-App in Entwicklung, mit der man Räume auch virtuell betreten kann.

Zuerst erschienen in Berlin Valley Nr. 26

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