EyeEm im Überblick

EyeEm ist eines der Berliner Vorzeige-Startups. Es spielt in einer Liga mit Soundcloud und Researchgate. Das Unternehmen wurde Anfang 2011 zu Zeiten des Instagram-Booms gegründet. Gründer sind Gen Sadakane, Ramzi Rizk, Lorenz Aschoff und Florian Meissner. Alle Gründer sind noch im Unternehmen beschäftigt (Stand Juli 2016) und aktiver Teil der Berliner Startup Community. Die Idee zur Foto-Community kam Florian Meissner in New York, als ihm ein Dieb seine Kamera in der New Yorker U-Bahn klaute und der heutige EyeEm Geschäftsführer gezwungen war, mit seinem Smartphone zu fotografieren. „In New York wurde mir klar, welche Qualität Smartphone-Fotos haben“, sagte er gegenüber dem Handelsblatt.

In seiner Anfangsphase hatte EyeEm zunächst noch starke Parallelen zu Instagram. Heute ist EyeEm eine globale Community und ein Marktplatz für Fotografie. Und dennoch konnte die App im Januar 2013 erstmal die die App des damaligen Konkurrenten Instagram in Apples App Store überholen.

Die Idee mit der Community scheint gut zu funktionieren. Die Mitglieder teilen ihr Fotos aus EyeEm, interagieren miteinander und tauschen sich aus. Eine Art Youtube für professionelle Fotos“. Auf der Plattform gibt es inzwischen mehr als 70 Millionen Fotos, die dort teilweise zum Verkauf stehen. Kern des Geschäftsmodells ist es, diese Fotos an Markenartikler zu verkaufen. Somit steht EyeEm wahrscheinlich im direkten Wettbewerb zu professionellen Stock-Fotografie-Anbietern wie Fotolia oder der Bildagentur Getty Images. Mit Getty Images kooperieren die Berliner allerdings seit 2014, denn die Fotos von EyeEm können via Getty Images lizenziert werden.

Auf dem EyeEm Market können Lizenzen von ausgewählten Bildern von Usern erworben werden, sofern diese im Vorfeld zugestimmt haben. Diese Lizenzen nicht allerdings nicht exklusiv. Fotografen können ihre Bilder auch auf anderen Plattformen anbieten und verkaufen. Somit ist auch klar, dass sich das Berliner Startup klar positioniert und im Gegensatz zum Konkurrenten Instagram auf qualitativ hochwertige Momentaufnahmen setzt. Die Themenfelder sind hierbei weniger Selfies oder Bilder von Restaurantbesuchen oder Partys. EyeEm konzentriert sich eher auf Natur, Menschen, Reisen oder Stimmungen. Statt lustiger Fotos von Modebloggern lieber Fotos mit echtem Nachrichtenwert. Die Photo-App hat laut Wikipedia Benutzer in über 130 Ländern und ist in mehr als 20 Sprachen verfügbar.

Der EyeEm Photography Award

Wer sich ein eigenes Bild von der Qualität der Fotos machen möchte, dem sei die Webseite des EyeEm Photography Award ans Herz gelegt. Hier findet man eine Auswahl der 20 Top Fotos in fünf unterschiedlichen Kategorien. Diese Fotos wurden von einer Jury zusammengestellt. In der EyeEm-Jury finden sich u.a. Vertreter von World Press Photo, National Geographic, Magnum Photos und viele andere.

Diese Bilder werden am 27. August im Rahmen des EyeEm Photography Festival in Berlin ausgestellt. Im Rahmen des Photography Festival werden auch die Gewinner des Fotografie Wettbewerbs bekannt gegeben.

Das Geschäftsmodell von EyeEm

Es geht also in Zukunft vor allem darum, ein valides Geschäftsmodell zu entwickeln. Bisher war ein Geschäftsmodell nicht erkennbar. Im Fokus der Aktivitäten stand vor allem der Aufbau der Community. Laut Crunchbase beträgt die weltweite Community nun 17 Millionen aktive Mitglieder. Dank dieser Nutzer verfügt das Foto-Startup über eine Bibliothek von über 50 Millionen Fotos. Diese möchte man nun zu Geld machen und als Fotolizenzen vermarkten.

Der App Anbieter erhält von diesen Transaktionen eine Provision. Das Geschäftsmodell ist clever: An den Umsätzen, die man mit dem Verkauf der Nutzerbilder erzielt, sind die jeweiligen Fotografen immer zu 50 % beteiligt. Das ist nicht viel. Andererseits geht es oft um Bilder, die Nutzer ansonsten gar nicht lizenzieren könnten. Das macht also für alle Beteiligten hochgradig Sinn. EyeEm App Co-Founder Gen Sadakane postet beispielsweise fleissig jeden Verkauf seiner eigenen Bilder auf Facebook. Der EyeEm-Bildermarktplatz ist offiziell im März 2015 in USA, Großbritannien und Irland. gestartet. Seit Juli 2016 ist dieser Service auch in Deutschland, Holland und der Schweiz verfügbar. Siehe auch Eyeem Jobs.

EyeEM Lizenzkosten

Die Bilder, die man käuflich erwerben kann, sind künftig mit einem kleinen Einkaufswagen-Symbol gekennzeichnet. EyeEm bietet zwei unterschiedliche Lizenzmodelle an. Für 20 US-Dollar kann man die s.g. Standardlizenz erwerben. Diese Lizenz beinhaltet die weltweite digitale Nutzung des Bildes. Je nach Anforderungen können die Lizenzpreise allerdings auf bis zu 250 US-Dollar pro Bild steigen. Zielgruppe sind Fernsehsender, Produkthersteller und Verlagshäuser.

Zu den Referenzkunden gehören beispielsweise „Der Spiegel“, die Lufthansa, AirBnB, Spotify und die „Huffington Post“. Das Geschäftsmodell von EyeEm klingt also nach einer echten Lizenz zum Gelddrucken.

Das Handelsblatt bezeichnetet die Berliner unlängst als ein Instagram für Profis und berichtete ausführlich über die Ambitionen der Gründer.

Die Funktionen von EyeEm

Natürlich ist die EyeEm App primär eine Photo Sharing App. EyeEm ist kostenlos für iOS und Android erhältlich. Die Bilddatenbank lässt sich auch im Browser abrufen. Nach wie vor gibt es viele Parallelen mit Instagram (das ja inzwischen zum Facebook Konzern gehört).

Die EyeEm-Nutzer können Fotos  machen und bearbeiten. Der Vergleich zwischen Instagram ist aber nur auf den ersten Blick richtig: Ähnlich wie bei Instagram können EyeEm-Nutzer Fotos mit dem Smartphone machen und auf die Plattform hochladen. Die Nutzerfotos können anschließend mit (sehr professionell anmutenden) Filtern bearbeitet werden. Es wäre daher nicht verkehrt, EyeEm als Bildbearbeitungs-App zu bezeichnen. Insgesamt stellt die Foto-App seinen Nutzern 24 Filter und zwölf Rahmen zur Verfügung.

Ein wichtiges Feature zum späteren Wiederfinden von Fotos ist die richtige Verschlagwortung der hochgeladenen Fotos. Diese aufwändige Arbeit nimmt EyeEm dem Nutzer ab und automatisiert sie komfortabel. Dazu nutzt die Eyeem App das GPS, die Uhrzeit und andere Daten, die das Smartphone von sich aus erfasst. Unabhängig dessen kann man den Fotos eigene Überschriften geben und diese Fotos zu mehreren Alben hinzufügen und Freunde und Personen markieren. Hinterher können Fotos mit der EyeEm-Community oder auf anderen sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Tumblr geteilt werden. Neben dem Automatisierten Keywording und Tagging bietet die Foto-App auch eine Import-Funktion von den gängigen Cloudservices wie Flickr, Dropbox, Google. Viele Nutzer sehen eine Konkurrenz a la Eyeem vs. Instagram

EyeEm Investoren und Finanzierung

Das Unternehmen hat insgesamt 24 Millionen US$ an Risikokapital aufgenommen. Über die Seed-Investoren ist nicht viel bekannt. Die Series A Runde hat EyeEm im Juli 2013 mit dem Berliner Investor Earlybird „gedreht“. Das Series A Investment belief sich auf 6 Millionen US$. Verwortlicher Partner bei Earlybird ist Jason Whitmire (der Anfang 2016 gemeinsam mit Ciaran O´Leary Earlybird verlassen hat und den VC Blueyard Capital gegründet hat. Ein Interview mit Earlybird mit den Hintergründen zum Abgang der beiden findet man hier). Ziemlich genau zwei Jahre später, im April 2015, konnte EyeEm die Star-Investoren Andrew McCormack, James Fitzgerald und Peter Thiel mit deren Investment-Vehikel Valar Ventures von sich überzeugen. Der US-Investor Valar Ventures hat insgesamt 18 Millionen US$ in die Berliner Foto-Community investiert.

Bei Valar Ventures ist EyeEm in guter Gesellschaft: Der Venture Fund hat u.a. Unternehmen wie Xero, TransferWise, Breather, Even, Lystable, Granify, Homie, TradeIt, Vend, Descomplica, Oppa, Dinda und das Berliner Fintech Startup Number26 im Portfolio. Laut Crunchbase befinden sich insgesamt 24 Unternehmen im Portfolio von Valar. Neben den genannten Investoren gehören auch die Bestandsinvestoren Atlantic Labs, Open Ocean, Passion Capital und Wellington Partners zu den Investoren. Beraten bei den Verhandlungen und der Dokumentation der Finanzierungsrunde der B-Runde wurde das Unternehmen dabei von Lacore.

EyeEm the Roll – die intelligente Foto-Galerie mit Objekterkennung

Es dürfte inzwischen klar sein, dass die Kompetenz vor allem im Bereich der Fotografie liegt. In diesem Kontext hat das Unternehmen begonnen, eine eigene Bildverwaltung zu entwickeln, die man unter dem coolen Namen „the Roll“ im Mai 2016 vorgestellt hat. Download the Roll: hier.

Bei The Roll geht es nicht nur um Photo Sharing. Die App soll helfen, Bilder auf dem Smartphone aufzuräumen. Jeder Smartphone Nutzer dürfte das Problem kennen: In vielen Galerien herrscht Chaos. The Roll sortiert diese Fotos automatisch nach Themen und Relevanz und funktioniert dabei ähnlich wie Facebook Moments. Die kostenlose App beinhaltet eine intelligente Galerie, die Nutzer-Fotos auf dem Smartphone automatisch nach Themen taggt und nach Relevanz anordnet.

Das Ziel von the Roll ist es, dass der User einen besseren Überblick bei seinen eigenen Bildern erhalten soll. Smartphone Nutzer sollen schneller das Foto finden, das sie suchen. Die besten und relevantesten Fotos werden dabei in der Foto-App immer oben angezeigt. Smartphone-Nutzer kennen das Problem. Und so möchte EyeEm eines der Probleme lösen, mit denen Apple seit Jahren kämpft: Die Camera-Roll Apple versucht zwar, Fotos nach Datum und Geolocation zu gruppieren. Leider vergeblich. Bei der heutigen Bilderflut stößt iOS-Camera-Roll naturgemäß an seine Grenzen.

The Roll setzt deshalb auf künstliche Intelligenz, um eure Fotos zu analysieren, sie zu taggen, zu gruppieren und ihre Qualität zu bewerten. Das Ziel: Ihr sollt schneller das Foto finden, das ihr sucht. Das wird erreicht, indem die App ähnliche Fotos gruppiert und euch jeweils nur das dem Algorithmus nach beste Bild sowie die Anzahl ähnlicher Fotos anzeigt. In der Detail-Ansicht bekommt ihr dann die Qualität als Score, automatisch vergebene Keywords und Informationen zu Verschlusszeit, Blende und ISO angezeigt. Aber Vorsicht: Man muss geduldig sein. In einem Feldtest hat das iPhone 6 ca. 90 Minuten für rund 4.000 Bilder benötigt. Mit the Roll macht das Unternehmen wieder Boden gut im Kampf Eyeem vs. Instagram.

EyeEm the Roll – der Algorithmus

Neben der Organisation, Nutzerfreundlichkeit und Bewertung von Fotos geht es EyeEm natürlich auch darum, das kommerzielle Potential der Nutzer-Fotos zu erkennen. Mit Hilfe dieser Bewertung können die Nutzer von the Roll dann direkt sehen, ob sich das jeweilige Bild gut an Agenturen und Marken verkaufen lässt. Dieses Zugriff auf die Smartphone-Bilder der Nutzer durch die Service-Hintertür ist ein cleverer Schachzug.

Technisch sorgt dafür der sogenannte Aesthetic Score, mit denen The Roll alle Fotos bewertet. „Den Algorithmus, der hinter der Technologie steht, muss man sich vorstellen wir ein kleines Kind, das ein Fotografie-Studium durchläuft, von morgens bis abends neue Eindrücke einsammelt und konstant dazulernt“, erklärt Florian Meissner, Mitgründer und CEO, im Gespräch mit dem Startup-Mag Gründerszene. Am ehesten vergleichen lässt sich die Idee von EyeEm the Roll wahrscheinlich mit Facebook Moments. Gründerzeit zeigt sich euphorisch und resümiert: “The Roll sollte auf keinem iPhone von Fotoenthusiasten fehlen”.

Das Branchenmagazin t3n mutmaßt sogar, dass the Roll der ganz große Wurf sein könnte (siehe hier). Tolle Bewertungen bzw. Fazits also für the Roll. Weitere Informationen zu EyeEm the Roll bei Deutsche Startups (siehe hier).

Wissenswertes über EyeEm

Das sympathische Team hat außerdem einen eigenen Hack Day ins Leben gerufen, den s.g. Photohackday. Dieser Photo Hack Day ist ein 24-Stunden Coding Marathon, der sich an Entwickler, Designer und Visual Artist richtet. Diese arbeiten einen Tag gemeinsam mit dem Ziel, einen Rapid Prototype rund um neue Photo Applications zu entwickeln. Der Photo Hack Day bietet laut EyeEm ein Umfeld von „lightning fast internet, great food and tons of coffee“. Zudem gibt es eine Jury und viele Preise.

Das Nachrichten-Magazin Der Spiegel betreibt auf seiner Jugendseite Bento eine eigene EyeEm Seite.

Ferner erkennt man leicht, dass das Unternehmen der Kontakt zu seiner Community sehr wichtig ist. Dies wird auch deutlich an den Masterclasses, die das Berliner Startup mit herausragenden Fotografen wie Boris Eldagsen veranstaltet. Diese Veranstaltungen tragen kreative Namen wie  “Hijacking Reality”. Im Rahmen dieser Masterclasses lernen Teilnehmer, wie man mit der Foto-App die bestmöglichen Fotos produziert, beispielsweise auf Events. Dazu hat Community Manager Severin Matusek neulich erklärt, dass Events für das Unternehmen extrem wichtig seien. Denn Events „transferieren die Inhalte – also Fotografie und die Menschen dahinter – von der digitalen in die analoge Welt und machen sie unmittelbar erlebbar und emotional wahrnehmbar.“ Auch hier bemerkt man die direkte Konkurrenz Eyeem vs. Instagram.

Weitere Artikel zur Foto-Sharing-App gibt´s hier.

Masterclasses und Spaßprogramm

Neben Masterclasses gibt es auch ein Festival in New York und Ausstellungen, die in Galerien und Festivals auf der ganzen Welt gezeigt werden.

Ansonsten sei noch der EyeEm Blog empfohlen. Hier zeigen die Foto-Experten zahlreiche Stimmungsbilder, Markttrends in der Fotobranche, Best Practices und stellen ihre Foto-Community vor. Auch hier geht es also um Lernen und Austausch. Zum Beispiel, wie man mit Fotografie Geld verdienen kann.

Eine besondere Ehre wurde der Foto-App auf der Apple-Entwicklerkonferenz WWDC 2016 zu teil. Insgesamt fünf Startups aus Deutschland und Österreich waren Teil der Apple-Entwicklerkonferenz WWDC 2016. Natürlich war die Freude im Team groß, als EyeEm auf der Bühne vorgestellt wurde. Der Grund: Die neue App ist künftig eng mit Siri verknüpft. Neben EyeEm waren auch Onefootball, Runtastic, Number26 und Wooga Teil der Apple Keynote.

Bürobesuch bei EyeEm

Deutsche Startups hat die Foto Community besucht und zeigt die Office Bilder. Wer sich anschauen möchte, wie das Team arbeitet, kann das imEyeEm Bürorundgang sehen. Diesen findet man hier.

Sicher ist es für viele Nutzer auch spannend, die Jobs bei Eyeem zu sehen. Diese findet man u.a. bei Startup Jobs Europe. Hier werden nahezu alle Eyeem Jobs aufgelistet.

EyeEm Kurzprofil

Das Berliner Startup EyeEm (EyeEm Mobile GmbH) entwickelt und vertreibt Apps im Bereich der digitalen Fotografie und elektronischen Bildbearbeitung. EyeEm unterstützt seine globale Photographen Community bei der Vermarktung und Distribution ihrer Fotos. Die Mission ist es, neue Foto-Talente zu entdecken und zu fördern. Zudem ist der Marktplatz der nach eigenen Angaben größte seiner Art um authentische, Royalty-Free Bilder zu lizenzieren.

Angestellte: 51 – 100 or a new generation of photographers.

Schlagworte: Fotografie, Machine Learning, Photo Sharing, Visuelle Suche, Bilderkennung

Gegründet am 1. Februar 2011

Kontakt: hello@eyeem.com

 

Website

EyeEm ist vergleichbar mit flickr, Instagram, Facebook Moments

EyeEm auf iTunes

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