Laut dem Start-up-Barometer von EY bleibt Berlin weiterhin Deutschlands Startup-Hauptstadt. Die hiesigen Startups vereinten im ersten Halbjahr ein Investitionsvolumen von knapp 1,5 Milliarden Euro, umgerechnet 68 Prozent des gesamten Investitionsvolumens in Deutschland. Insgesamt lag die Zahl der Transaktionen in Berlin mit 116 fast auf dem Niveau des Vorjahres (117). Ausschlaggebend für den starken Anstieg im Vergleich zum Vorjahr waren vor allem zwei Mega-Deals: Mitte Mai hatte Delivery Hero vom südafrikanischen Investor Naspers 387 Millionen Euro erhalten, kurz darauf verkündete Auto1 eine 360 Millionen Euro starke Finanzspritze von verschiedenen Investoren.

Investitionsboom: Das Deal-Volumen ist im ersten Halbjahr 2017 sprunghaft gestiegen. (Bild: EY)
Investitionsboom: Das Deal-Volumen ist im ersten Halbjahr 2017 sprunghaft gestiegen. (Bild: EY)

Bayern lag mit 44 Transaktionen im Wert von 15 Millionen Euro auf dem zweiten Platz, Hamburg belegte mit 181 Millionen Euro bei 22 Runden den dritten Platz. „Die Ökosysteme für Startups haben sich fast überall in Deutschland weiterentwickelt“, beobachtet Peter Lennartz, Partner bei EY. „Berlin konnte seinen Vorsprung im ersten Halbjahr zwar ausbauen – aber auch die Standorte Bayern, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und zunehmend auch Hessen arbeiten mit Erfolg an ihrer Sichtbarkeit und ihrem Profil.“

Berlin liegt bei der Zahl der Deals weiterhin deutlich vor Bayern. Hamburg konnte jedoch NRW überholen (Bild: EY)
Berlin liegt bei der Zahl der Deals weiterhin deutlich vor Bayern. Hamburg konnte jedoch NRW überholen. (Bild: EY)

Gute Nachrichten für die Startup-Szene

„Die deutsche Startup-Szene hat sich im ersten Halbjahr wieder sehr lebhaft entwickelt“, sagt Lennartz. „Zum einen gab es endlich wieder Mega-Deals, die im Vorjahr völlig gefehlt hatten: Immerhin drei Finanzierungsrunden über mehr als 100 Millionen Euro und im Gesamtvolumen von 857 Millionen Euro wurden gezählt. Zum anderen ist aber auch die Finanzierung in der Breite besser geworden, sodass immer mehr deutsche Startups frisches Kapital erhalten: Die Zahl der Wachstumsunternehmen, die eine Finanzierungsrunde abschließen konnten, stieg von 241 auf 260.“

„Die Ökosysteme für Startups haben sich fast überall in Deutschland weiterentwickelt“

Lennartz weiter: „Das starke erste Halbjahr zeigt, dass Investoren an die Skalierbarkeit und Wachstumschancen deutscher Startups glauben und die Szene weiter voranbringen. Das betrifft sowohl ausländische als auch inländische Venture-Capital-Gesellschaften und ebenso die landeseigenen Fördergesellschaften, die einen wichtigen Beitrag leisten. Zum Positivtrend dürfte auch die gute Entwicklung an den Börsen beitragen, die für Investoren einen erfolgreichen Exit per Börsengang wieder wahrscheinlicher macht.“ Zusätzlichen Rückenwind könnte im zweiten Halbjahr der Börsengang von Delivery Hero im Juni bringen, der mit einem Emissionsvolumen von 996 Millionen Euro der größte IPO in diesem Jahr in Deutschland war.

Neben den eindrucksvollen Mega-Deals, die in den vergangenen Monaten getätigt wurden, wertet Lennartz auch die hohe Zahl kleiner Deals als positives Zeichen: „Es gab im ersten Halbjahr 138 Finanzierungsrunden zwischen ein und fünf Millionen Euro – damit stehen die Chancen gut, dass es auch in Zukunft eine größere Zahl von Jungunternehmen gibt, die das Potenzial haben, sich zu großen und erfolgreichen Mittelständlern oder gar zu sogenannten Einhörnern zu entwickeln, von denen es in Deutschland bislang nur wenige gibt.“

Bessere Rahmenbedingungen

Trotz der insgesamt guten Entwicklung sieht Lennartz bei den Rahmenbedingungen weiter Nachholbedarf: „Die geringen Möglichkeiten der steuerlichen Verrechnung von Verlusten aus fehlgeschlagenen Investitionen sind ein Nachteil des Startup-Standorts Deutschland im Wettbewerb mit anderen Regionen. Hinzu kommen die nach wie vor hohen bürokratischen Hürden und hohe Gründungskosten, die Deutschland im internationalen Vergleich wenig attraktiv machen.“

„Hohe bürokratische Hürden und hohe Gründungskosten sind ein Nachteil des Startup-Standorts Deutschland“

E-Commerce und Fintechs sind beliebt, Energie verliert

Das meiste Geld floss im ersten Halbjahr 2017 in E-Commerce-Unternehmen. Insgesamt kamen die Startups aus diesem Bereich auf 939 Millionen Euro – nach 144 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Auch Fintechs liegen in der Gunst der Investoren vorn. Die Anzahl der Transaktionen stieg von 25 auf 33, der Wert von 230 auf 332 Millionen Euro. Für Startups aus der Energie-Branche waren die vergangenen Monate hingegen weniger erfreulich: Zwar gab es mit sieben Finanzierungsrunden einen Deal mehr als im Vorjahr – das Investitionsvolumen hat sich allerdings von 61 auf 31 Millionen Euro fast halbiert.

E-Commerce-Startups erhielten nicht nur das meiste Investitionskapital, sondern realisierten auch die meisten Finanzierungsrunden. (Bild: EY)
E-Commerce-Startups erhielten nicht nur das meiste Investitionskapital, sondern realisierten auch die meisten Finanzierungsrunden. (Bild: EY)

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop: „Günstiges Klima“

„Berlin ist die Startup-Hauptstadt. Das aktuelle Startup-Barometer bestätigt das eindrucksvoll.“, sagt Wirtschaftssenatorin Ramona Pop. In Berlin habe sich ein Klima entwickelt, das Innovationen und die Entwicklung neuer Geschäftsideen begünstigt. Damit das so bleibt, will der Senat die Rahmenbedingungen für Startups weiter verbessern. „Auf dem Flughafengelände in Tegel werden wir zusätzlichen Raum für Ansiedlungen und Unternehmensgründungen schaffen. Berlin braucht diesen Platz, um die Wirtschaftsentwicklung zu verstetigen, und nicht durch Flächenknappheit abzuwürgen“, sagt Pop.

Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Bündnis 90/Die Grünen) will noch in diesem Jahr einen Fintech-Hub eröffnen. (Bild: Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus von Berlin)
Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Bündnis 90/Die Grünen) will noch in diesem Jahr einen Fintech-Hub eröffnen. (Bild: Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus von Berlin)

Link zur Studie: „Start-up-Barometer Deutschland – Juli 2017“

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