Berlin ist mit Abstand das führende Ökosystem in der deutschen Startup-Landschaft. Daher erscheint es nur logisch, dass immer mehr etablierte Unternehmen ihre Labs in Berlin eröffnen. Doch führt diese Strategie auch zum Erfolg? Welche Alternativmodelle bieten sich an? Diese Fragen wurden im Rahmen des NKF Summits am 7. Dezember 2016 zum Thema Zusammenarbeit von Corporates und Startups erörtert.

Der Investor Alexander Piutti leitete die Paneldiskussion „Andocken an die Berliner Startup-Szene“ und eröffnete das Gespräch mit einer simpel erscheinenden, aber komplexen Fragestellung: Wie helft ihr Corporates aber auch Startups zu verstehen, warum Berlin cool ist?”

„Berlin stellt ein tolles Startup-Ökosytem dar“

„Wir haben eine einfache Vision“, sagt Udo Schloemer, CEO der Factory Berlin: 2011 haben wir festgestellt, dass junge Leute, junge Talents die Welt verändern wollen. Und 2013, dass Firmen Digitalisierung verstehen wollen. Bringt man diese beiden Punkte zusammen, versteht man unsere Vision: Wir wollten eine Campus, eine Plattform bauen, wo wir genau diese beiden Entwicklungen zusammenbringen können, wo wir Begegnungen kreieren können. Und dann haben wir diesen Campus einfach gebaut.” Eine weitere Erkenntnis: „Je mehr digital stattfindet, umso höher ist der Wunsch sich analog auszutauschen. Das haben wir erkannt und das war der Grundgedanke der Factory“, sagt Schloemer. Mittlerweile gibt es rund 500 Veranstaltungen im Jahr, auf denen sich nicht nur Startups vorstellen, sondern auch Corporates auf den Zahn fühlen lassen. „Die kommen zu uns, stellen ihre Modelle und Strategien und Produkte vor und möchten von Startups in Frage gestellt, kritisiert werden. Und Berlin hat ja den Vorteil, dass junge Talents nach Berlin wollen.“

Christian Tegge, COO von Cube, erinnert an die Vorteile der Hauptstadt im Vergleich zu anderen Metropolen: „Berlin stellt ein tolles Startup-Ökosytem dar. Der Fokus liegt hier auf B2C, aber daneben auch B2B – das ist eine Besonderheit. Wir greifen auf dieses Ökosystem zu, indem wir Corporates mitnehmen und ihnen eine kuratierte Auswahl an Startups zeigen. Eine Art moderiertes Matching.“ Cube versteht sich als globales Innovations-Ökosystem mit Sitz in Berlin und Touchpoints in der ganzen Welt und möchte ein Leuchtturm für die Industrie 4.0 sein.

„Deutsche Vorsicht“ etwas reduzieren

Aber kann man Corporates konkret zu einem der Modelle raten? „Eher nicht“, sagt Peter Lennartz, Head Startup Initiative Berlin und GSA bei EY. Wichtig sei vor allem, dass man sich die Notwendigkeit aber bewusst mache. „Es gibt eigentlich für jedes Unternehmen, egal ob Corporate oder Mittelständler Themenfeldern, in denen Digitalisierung relevant ist oder relevant sein muss. Das gilt für jeden, einfach für jeden. Viele davon haben keine Ahnung, was überhaupt möglich ist. Da muss man einen mental shift unternehmen.” Lennartz nimmt EY aus dieser Verantwortung nicht aus: „Unser globaler CEO sagte vor kurzem zu uns: Wir sind in fünf Jahren nicht mehr da. Er meinte dies als Appell: Wir müssen uns verändern. Radikal, weil es uns ansonsten in fünf Jahren nicht mehr gibt.“ Deshalb habe das Unternehem EY Innovations gegründet, erklärt Lennartz. „Auch für uns gilt, dass wir uns intern durch Startups total verändern müssen.

Piutti gibt zu bedenken, dass der Wille zur Veränderung doch auch oft eine Persönlichkeitsfrage sei, vor allem des Vorstandsvorsitzenden. Dem stimmt Schloemer zu: „Wir haben einen radikalen Ansatz: Wir glauben nicht an Transformation, wenn der CEO nicht die Bereitschaft besitzt, sich komplett in Frage zu stellen. Das ist bei uns Voraussetzung.” Vor diesem Schritt sollte keiner Angst haben. „Ich würde mir wünschen, dass Mittelständler nach Berlin kommen, neugierig sind und erforschen, dass die typische ,Deutsche Vorsicht‘ etwas reduziert wird. Dass man einfach probiert und testet und mit Startups in Verbindung kommt“, sagt Lennartz.

NKF Summit LogoWie etablierte Unternehmen mit Startups zusammenarbeiten – das war das Thema des ersten NKF Summits am 7. Dezember 2016 in Berlin. NKF Media ist der Verlag, der die Startup-Magazine Berlin Valley und the Hundert publiziert. Insgesamt mehr als 200 Vertreter von Startups, Mittelstand und Konzernen kamen auf dem NKF Summit zusammen, um über herausragende Beispiele zu diskutieren, wie die Zusammenarbeit von Corporates und Startups gelingen und wie man Innovationen vorantreiben kann.

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