Geld, Macht, Glück, Liebe, Familie, Zufriedenheit, die Welt verbessern oder das nächste Unicorn aufbauen – das alles kann Teil einer persönlichen Erfolgsdefinition sein. Doch egal, wie Erfolg im Detail definiert wird, zugrunde liegt im Prinzip immer eines: etwas zu schaffen oder zu erreichen, das für einen selbst wirklich wichtig ist.

1) Erfolg durch intrinsische Motivation

Oder, wie Hans Stier, Gründer von Bonaverde, es ausdrückt: „Ohne intrinsische Motivation ist Erfolg unmöglich.“ Eine Erfolgszutat, die er übrigens auch bei seinen Mitarbeitern anwendet. Sein ehemaliger Online-Marketeer Kike Morales etwa konnte einfach keinen Satz ohne Fehler posten. Dennoch sah Hans in dem ehemaligen Abenteurer und Musikproduzenten das Potenzial und Charisma, mit der Marke Bonaverde die Bühne für eine faire und innovative Kaffee-Kultur zu schaffen.

Als Head of Roasting trägt Kike heute maßgeblich zum Erfolg des Unternehmens bei – und macht dabei genau das, was er will. „Mit Geld als Motivationsfaktor wäre das nie möglich gewesen“, meint Hans Stier. Rückhalt finden Genauso wichtig wie die Begeisterung daran, ein gemeinsames Ziel zu verwirklichen, ist jedoch auch der Rückhalt dafür, sein Potenzial entfalten zu dürfen.

Für Kike war dies die Tatsache, dass sein Chef Hans ihm, statt Druck zu machen, Vertrauen schenkte und Weiterbildungen finanzierte. Für Hans selbst war es die Familie, vor allem seine Frau, die ihn dazu ermutigte, nach dem ersten gescheiterten Kaffee-Röst-Vollautomaten namens Toro nicht aufzugeben. Und dann die Kickstarter-Community, die den Toro-Nachfolger Bonaverde mit fünf Millionen US-Dollar finanzierte.

„Ohne intrinsische Motivation ist Erfolg unmöglich“
Hans Stier, CEO Bonaverde

2) Scheitern einplanen

Statistiken zufolge scheitern 90 Prozent aller Startups. Klar, toll ist das nicht. Doch langsam etabliert sich auch in Deutschland eine Kultur, die Scheitern nicht gleich als Gegenteil von Erfolg sieht, sondern als einen wichtigen Bestandteil auf dem Weg dorthin. „Essenziell für Erfolg ist es, ein System zu schaffen, das es uns erlaubt, Risiken einzugehen und das Scheitern mit einplant und uns erlaubt, kreativ und innovativ zu sein“, erklärt Robert Angst, der mit den Berliner Fuck-up-Nights genau daran arbeitet.

Spannend ist, dass auch immer mehr große, (noch) erfolgreiche Unternehmen sich für die Ergebnisse dieser mittlerweile in 37 Ländern aktiven Bewegung interessieren, die Scheitern nicht als Versagen, sondern als Chance zelebriert.

3) Ziele setzen und loslegen

„Jeder Rückschritt kann auch ein Geschenk sein, weil er zum Denken anregt“, sagt Heidi Bauer, Gründerin von Fromcash2car, einem Unternehmen, das Kredite für Gebrauchtwagenkäufe vermittelt. Kritik und Feedback werden als Anregung gesehen und in konkrete Ziele gegossen. „Danach zählt nur eins: einfach loslegen“, sagt Heidi.

4) Über sich hinauswachsen

Wie aber findet man diese Ziele, die für einen persönlich richtig sind? Für Florian Pauthner, CEO von Seven Ventures, manifestiert sich das Gefühl von Erfolg darin, über die eigenen Grenzen hinauszugehen. Das gilt für ihn im Sport ebenso wie im Beruf, wobei auch er nicht nur erfolgreiche Projekte abhaken möchte. Für ihn ist „beruflicher Erfolg sehr eng mit Zufriedenheit und Spaß an der Aufgabe verknüpft, etwas, wofür es sich lohnt, jeden Tag wieder anzutreten. Nur wer an sich und sein Unternehmen glaubt, kann etwas bewegen.“

„Erfolgreich zu sein, ist das Ergebnis eines Weges, dessen Ziel man selbst definiert hat“
Sonja Jost, Gründerin Dexlechem

5) Überzeugt sein vom großen Ganzen

„Erfolg ist, wenn man es schafft, tatsächlich die Dinge und Projekte zu tun, von denen man zu träumen wagt – und die irgendwie auch zu dieser Bewegung beitragen, die versucht, die Ungerechtigkeit, Ungleichheit und Gewalt unserer Realität zu verändern“, erklärt Regisseurin Mariana Oliva, die für die Dokumentation über die letzten beiden Überlebenden des Pipikura-Stammes im brasilianischen Regenwald beim Internationalen Dokumentarfilmfestival in Amsterdam mit dem Menschenrechtspreis ausgezeichnet wurde.

Warum? Weil ihr Film die Geschichte von zwei Menschen erzählt, die trotz aller Tragödien, die sie durchleben mussten, sich selbst treu geblieben sind.

„Nur wer an sich und sein Unternehmen glaubt, kann etwas bewegen“
Florian Pauthner, CEO von Seven Ventures

6) Sich selbst treu bleiben

Sonja Jost, Gründerin von Dexlechem, stand mit ihrem Startup für grüne Chemie mehrmals kurz vor dem Aus. Dennoch entschied sie sich gegen lukrative Angebote wie etwa die Produktion giftiger Pestizide.

Der Weg zum finanziellen Erfolg wurde dadurch zwar schwerer und länger, aber heute hat ihr Unternehmen echten Impact auf die Art und Weise, wie Chemikalien produziert werden, und Sonja ist weiter mit sich selbst „im Reinen, in Balance und dadurch bin ich erfolgreich“. Als allgemein gültiges Erfolgskonzept sieht die Ingenieurin dies jedoch nicht, denn „erfolgreich zu sein, ist das Ergebnis eines Weges, dessen Ziel man selbst definiert hat. Das kann – muss aber leider nicht – positive Gefühle nach sich ziehen.“

Dieser Artikel erschien zuerst in Berlin Valley Nr. 32.

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[…] Erfolg ist Zufriedenheit. Jeder Mensch hat eine andere, ganz eigene Definition davon, was ihn zufrieden macht. Wenn ich das tue, was ich liebe, und Menschen um mich herum habe, die ich wertschätze, dann macht mich das glücklich und zufrieden. Wenn du für deine Sache brennst, dann wirst du so lange Zeit und Energie hinein investieren, bis es dich zufrieden macht. Bis du gute Ergebnisse siehst, bis du davon gut leben kannst. Das ist Erfolg pur. […]

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[…] vielen Menschen ist die Motivation, Erfolg anzustreben, eine ähnliche. In diesem Fall sind die Risiken besonders hoch, ebenso wie die […]