Nichts bleibt, wie es war. Das gilt in zunehmendem Maße auch für die Energiewirtschaft. Doch wie reagieren die etablierten Provider auf die Herausforderung durch junge Pioniere mit frischen Ideen für die Branche? Auf den ersten Blick scheinen sie verunsichert zu sein und den Ereignissen passiv zuzuschauen. Doch wie geht es weiter? What’s next? Hier eine Bestandsaufnahme – und ein Blick in die Zukunft.

Jetzt kommen die jungen Hungrigen

Innovationen durch Start-ups laufen stets nach einem ähnlichen Schema ab. Gründer erkennen Schwächen im System etablierter Wirtschafsbereiche und Branchen. Diese werden zum Vorteil der Endkunden genutzt – und das Start-up holt sich eine Marge vom großen Kuchen. Es gibt kaum eine Branche, in der Start-ups noch nicht aktiv sind: Ob man über Onlineplattformen quasi in das Restaurant der größten Speisekarte der Welt geht (zum Beispiel Lieferando), in das größte Hotel eincheckt (zum Beispiel Airbnb, (zum Beispiel Movinga, Meinfernbus) – immer sind innovative, zum Teil disruptive Ideen im Spiel. Und in der Energiewirtschaft?

Die grösste Erleuchtung in der Energiewirtschaft seit Edison und Co.

Bei näherer Betrachtung stellt man fest, dass sich die Energiewirtschaft in dem größten Transformationsprozess seit der Elektrifizierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts befindet. Alte Muster zu durchbrechen, ist nicht einfach – es muss eine Idee da sein, die zur Transformation beiträgt, sie beschleunigt. Heute befindet sich die gesamte Energiewirtschaft in der Sinnkrise und sucht nach neuen Wegen. Kunden, Nutzer und Politiker stellen sich die Frage: „Brauchen wir überhaupt noch den klassischen Energieversorger?“ Die Antwort: „Nein, was wir brauchen, ist lediglich der Strom.“ Die lang gewachsene und schon als selbstverständlich betrachtete Hoheit über die Energieproduktion, Energienetze, Energiehandel und Energievertrieb bröckelt – und dies bereits seit Jahren.

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Die Karten werden neu gemischt

In der Energieproduktion gibt es seit Jahren denTrend zu erneuerbaren Energien und dezentralen Produktionsanlagen. Diese Dezentralität nimmt stetig zu. Das Eigentum befindet sich längst nicht mehr im Hoheitsbereich der Energieversorger. Damit nicht genug: Auch der Energievertrieb verändert sich beträchtlich. Galt früher das klassische Stadtwerk als Ansprechpartner Nummer eins beim Strom, so sind es heute Vergleichsplattformen (zum Beispiel Verivox, Check24). Genau an diesen Schnittstellen liegen die Stärken der Start-up-Szene, exakt hier setzten innovative Geschäftsmodelle an. Sie beschleunigen die Dezentralität der Energieerzeugung durch professionelle Plattformlösungen (zum Beispiel Thermondo, Wegatech, Tesla), kreieren neue Schnittstellen für den Kunden und damit echten Mehrwert.

Schneller, einfacher, bequemer

Andere Modelle setzen bei der Beschleunigung der Digitalisierung an. Mit kleinen, smarten Lösungen vereinfachen sie Zählerstanderfassung  (zum Beispiel Pixolus), optimieren die Systemkommunikation zwischen Energieerzeugung, Energienetzen und Energieverbraucher (zum Beispiel Kiwigrid) oder erhöhen den Komfort für den Kunden (zum Beispiel Service Partner One, die planen, auch Energie zu verkaufen). Es gibt sogar schon Lösungen, die einen echten Komfortgewinn bei der Interaktion von Verbrauchern und Versorgern bringen. So hat sich das Start-up Barzahlen.de erfolgreich als Partner im Inkassobereich positionieren können. Aktuell lassen sich daher die Geschäftsmodelle der Start-ups in der Energiewirtschaft in drei Kategorien zusammenfassen:
• Acceleratormodelle für die Dezentralisierung der Energieerzeugung,
• Steigerung der Kommunikationsfähigkeit im sogenannten Supply-&-Demand-Bereich  (Systemkommuniktion),
• Komfortsteigerung für Kunden und Energieversorger

An Grundfesten rütteln

Doch ist dies schon das Ende der Entwicklung? Sicher nicht. Alle oben erwähnten Modelle unterstützen letztendlich noch bestehende Handlungsmuster und Prozesse. Allein die Akteure ändern sich beziehungsweise werden verdrängt oder ersetzt. Der Kunde muss sich immer noch um seinen Stromversorger kümmern und für den Strom bezahlen. Was aber, wenn dies nicht mehr notwendig wird? Hätten Sie nicht auch Lust, einfach ein Smartphone aus dem Laden zu holen und der Strom wäre inklusive? Ganz nach der Devise: „Wir brauchen keinen Strom – nur die Dinge, die wir nutzen!“

Dieser Artikel erschien zuerst in Berlin Valley 04/2016. Hier zum Download

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