Was, wenn es eine Währung gäbe, die Nachhaltigkeit belohnt? Diese Frage stellten sich einige Mitglieder des niederländischen Zukunfts-Netzwerks Next Nature vor rund zehn Jahren – und fingen an, ein Konzept für eine nachhaltige Währung zu erarbeiten.

Drei Jahre später wurde ein erstes Konzept vorgestellt, 2015 ein erster Award ausgeschrieben. Jetzt ist es endlich so weit: Die auf Ethereum basierte Plattform soll noch im zweiten Quartal dieses Jahres gelauncht werden. „Wenn man einmal genau nachdenkt, macht unser Wirtschaftssystem hinsichtlich Nachhaltigkeit überhaupt keinen Sinn“, erklärt Mitgründer Lewis Just, der heute das Next-Nature-Projekt Eco Coin leitet. „Wenn du einen Baum fällst und das Holz verkaufst, verdienst du Geld. Wenn du aber einen Baum pflanzt und damit einen nachhaltigen Wert kreierst, erhältst du nichts.“

Erste Pilotprojekte für Eco Coin

Die Eco Coin soll das ändern, indem nachhaltiges Verhalten mit der grünen Kryptowährung belohnt wird. Ziel ist es, zu dem gegen die Umwelt ausgerichteten Wertesystem des Kapitalismus eine Alternative zu bieten. „Es ist teurer, nachhaltig und umweltbewusst zu leben“, sagt Lewis Just. „Das macht doch überhaupt keinen Sinn.“

Auf dem Mobiltelefon lassen sich die Eco Coins einfach verwalten - und in Incentives für VEPs (very ecological Person) einlösen. Foto: Eco Coin
Auf dem Mobiltelefon lassen sich die Eco Coins einfach verwalten - und in Incentives für VEPs (very ecological Person) einlösen. Foto: Eco Coin

Mit der Eco Coin werden deshalb ausschließlich Handlungen, darunter auch Kaufentscheidungen, belohnt, die positive Auswirkungen auf die Umwelt haben. Das heißt, es wird attraktiver, sich auch mal gegen die aus kapitalistischer Sicht gesehene ungünstigere Variante zu entscheiden. Und tatsächlich hat Eco Coin im kleinen Rahmen bereits bewiesen, dass das Konzept aufgeht.

Bei ersten Pilotprojekten auf Events und Festivals konnten sich Interessierte per App für die Eco Coin registrieren. Wer seine Pfandflaschen zurückbrachte, sich für das vegane Essensangebot entschied, zu einem grünen Stromanbieter wechselte oder an einem der Workshops zum Thema Nachhaltigkeit teilnahm, bekam Eco Coins gutgeschrieben. Diese konnten dann gleich vor Ort eingelöst werden, auf Festivals gerne mal gegen Bier – oder auch gegen Zugang zu speziell eingerichteten VEP-Bereichen für very ecological – also besonders umweltbewusste – Personen.

„Wir leben in einem kapitalistischen System, also müssen wir damit arbeiten“

Das Konzept funktioniert an sich in allen geschlossenen Systemen. Firmen könnten so ihre Mitarbeiter zu ökologischem Verhalten motivieren, Händler ihre Kunden zu nachhaltigeren Kaufentscheidungen. Aber auch an Universitäten, in Ressorts, Hotels und natürlich auch auf Online-Plattformen könnte Eco Coin für mehr Umweltbewusstsein sorgen.

„Wir leben in einem kapitalistischen System, also müssen wir damit arbeiten“, erklärt Lewis Just. Mit booking.com gab es 2018 bereits ein erstes Pilotprojekt im Rahmen des alljährlichen internen Unternehmens-Events. Dabei verdienten die anwesenden 8.000 Mitarbeiter gemeinsam 100.000 Eco Coins.

Festivals sind das ideale Testgebiet für Eco Coin. Bei den Besuchern kommt die Währung für Umwelt und Nachhaltigkeit bestens an. Foto: Eco Coin
Festivals sind das ideale Testgebiet für Eco Coin. Bei den Besuchern kommt die Währung für Umwelt und Nachhaltigkeit bestens an. Foto: Eco Coin

Kooperation mit großen Unternehmen

In diesem Jahr ist eine Kooperation mit Laurèl geplant. Zum Start unternehmensintern, später sollen auch Kunden über Eco Coins dazu motiviert werden, sich für nachhaltigere Produkte zu entscheiden, etwa in Form von Preisnachlässen. Zusätzlich spricht das Eco-Coin-Team noch mit zahlreichen anderen Firmen. „Die Nachfrage ist groß“, berichtet Lewis Just. Die Möglichkeiten scheinbar unbegrenzt.

Gleichzeitig hat jede Eco Coin, wie auch jeder Baum, einen bestimmten Lebenszyklus. Das heißt, dass die Eco Coins langsam an Wert verlieren, wenn sie zu lange in einem Wallet gehalten und nicht in Umlauf gebracht werden. Damit wollen die Organisatoren dem kapitalistischen Prinzip entgegenwirken, „reicher zu werden, je reicher man ist“.

Beliebte Währung: Festivalgäste melden sich für die App von Eco Coin an. Foto: Eco Coin
Beliebte Währung: Festivalgäste melden sich für die App von Eco Coin an. Foto: Eco Coin

Eco Coin wird von Bäumen gedeckt

Momentan wird eine auf Ethereum basierte Plattform entwickelt, die im Herbst gelauncht werden soll. Die Beta-Testphase beginnt bereits im zweiten Quartal 2019. Die Idee ist, nachhaltiges Verhalten über die Blockchain zu verifizieren. Dazu könnte die App mit Sensoren verknüpft werden, die etwa am Fortbewegungstempo des Nutzers erkennen, dass dieser mit dem Rad statt mit dem Auto fährt – und entsprechend Eco Coins ausschütten.

„Es ist teurer, nachhaltig und umweltbewusst zu leben“

Alternativ könnten zum Beispiel auch Manager von Community-Gärten Pflanzaktionen per Foto verifizieren. Clue ist, dass die Eco Coin mit Bäumen gedeckt sind, wobei von rund drei Billionen existierenden Bäumen ausgegangen wird.

„Natürlich ist das nur eine Richtzahl. Wir ordnen nicht jeder Coin ihren eigenen Baum zu, aber wir haben natürlich Partnerschaften mit Landbesitzern in Südamerika und achten darauf, dass genug echte Bäume im System bleiben. Es geht also schon um echte Werte“, erklärt Lewis Just.

Lewis Just, Mitgründer von Eco Coin. Foto: Eco Coin
Lewis Just, Mitgründer von Eco Coin. Foto: Eco Coin

Lewis Just, Mitgründer von Eco Coin geht es mit dem Projekt darum, Umweltschutz und Nachhaltigkeit einen ökonomisch haltbaren Stellenwert zu geben, der Sinn stiftet: „Die Eco Coin wird von Bäumen gedeckt. Es geht also um echte Werte“.

Statt das Geld für sich arbeiten zu lassen, sollen die Teilnehmer am Eco-Coin-System selbst aktiv werden. Pre-Sale hat begonnen Der Pre-Sale, also der Vorverkauf der grünen Kryptowährung, hat bereits begonnen. Dieser wie auch auch der eigentliche ICO werden sich jedoch vor allem auf bereits bestehende Partner und Kunden konzentrieren.

„Natürlich besteht die Idee zu skalieren, aber am Anfang ist es sinnvoller, sich auf einen Marktplatz zu konzentrieren und dort die Eco Coin erfolgreich einzuführen“, erklärt Lewis Just. „Uns geht es momentan vor allem darum, ein Produkt zu schaffen, das wirklich funktioniert.

Wenn du dir den Krypto-Markt im Allgemeinen anschaust, gibt es da eine Menge vielversprechender Projekte, die viel Geld bekommen, aber nach sechs Monaten quasi nicht mehr existieren.“ Viel wichtiger als die Möglichkeit, über den ICO zusätzliches Funding zu generieren, sei die Möglichkeit, mit dem auf Ethereum basierten Eco-System ein dezentrales Netzwerk aufzubauen.

„Uns ist wichtig, dass jeder, der mitmacht, eine Stimme hat. Eco Coin ist für die Zukunft von uns allen, eine Zukunft, die jeder mitgestalten können soll.“

Blockchain und Energiekonsum

Mit einem CO2-Fußabdruck von 212,2 Kilogramm ist die Bitcoin ein Umweltdisaster. Bitcoin verbraucht mit 47,29 Terawattstunden jährlich so viel Energie wie Singapur. Eine einzelne Bitcoin-Transaktion verbraucht so viel Energie wie 15 US-Haushalte an einem Tag. Ehtereum verbraucht fünfzehn Mal weniger Energie und im Jahr geschätzt etwa so viel wie Bolivien. Außerdem will Ethereum den Proof-of-Work-Algorithmus noch dieses Jahr in den nachhaltigeren Proof-of-Stake-Algorithmus ändern.