Robert, euer bekanntester Mitarbeiter ist Bob, der Roboter. Welche Rolle spielt er in der Außenwirkung?

Robert Jänisch: Es ist immer schwierig, zu transportieren, was wir im IOX Lab eigentlich machen. Das Produkt der Firma sind Professional Services, Beratung zum Thema Innovation und wie man möglichst schnell Digitalisierungs- oder IoT-Projekte vorantreibt – immer mit dem Ziel, auch einen Prototypen zu bauen. Unsere ersten Kunden waren Konzernkunden, da galten Geheimhaltungsvereinbarungen. Das heißt, wir hatten zunächst nicht viel zu zeigen. Deshalb wollten wir etwas bauen, das relevant ist – vielleicht nicht heute, aber in den nächsten fünf bis zehn Jahren. So sind wir auf die Robotik gekommen. Bob vereint alle Fachdisziplinen: Industriedesign, Elektrotechnik und Sensorik, Softwareentwicklung bis hin zu Artificial Intelligence. In den Augen sind zwei Kameras, mit denen kann er Gesichter erkennen und dadurch richtig interagieren.

Was steht hinter dem Gedanken, in 30 Tagen einen IoT-Prototypen zu entwickeln?

Robert Jänisch: Wir wollen zeigen, dass sich viel in sehr kurzer Zeit umsetzen lässt. In der Menschheitsgeschichte gab es noch nie so viel Technologie. Wir verfügen momentan über die größte Toolbox der Welt und müssen die Puzzleteile nur in der richtigen Art und Weise zusammensetzen.

„Spannend sind die Schnittstellen und die Intelligenz“

Haben große Unternehmen noch Schwierigkeiten mit dieser Technologievielfalt und greifen deshalb auf Experten wie euch zurück?

Robert Jänsich: Die Thematik ist zweigeteilt. Ich habe einen klassischen IT-Background und komme aus dem Rechenzentrum der Volks- und Raiffeisenbanken. Dort sind Stabilität und Kosteneffizienz die Treiber. Das sind Themen, die auch einen CIO bewegen. Innovation benötigt andere Zutaten. Deshalb sehen wir auch gerade, dass sich CDOs – Chief Digital Officer – oder Chief Innovation Officer finden, manchmal sind es auch Teams. Die stellen andere Fragen. Ein CIO kommt um die Ecke und fragt: Was ist das Tool? Was macht es? Was kostet es? Was ist der Wartungsvertrag dahinter? Ein CDO stellt ganz andere Fragen: Was macht der Markt? Was braucht der Kunde? Wie kann ich mit digitalen Tools die Situation kurzfristig verbessern? Da muss nicht jedes Projekt sofort im Profit-Bereich landen. Es werden Dinge ausprobiert. Durch das Thema Digitalisierung ist hier eine gewisse Offenheit entstanden.

Was habt ihr neben Bob schon umgesetzt?

Robert Jänisch: Zum Beispiel einen Amazon Dash Button, der weltweit funktioniert und ohne Wlan auskommt. In der Sensorplattform C-Ring findet sich Video Recognition für Verkehrszählungen, Kennzeichen- und Container-Erkennung. Gerade arbeiten wir sehr intensiv an unserem Bot-Management-System. In Zukunft wird es viele kleine Helfer für unterschiedlichste AI-Aufgaben geben, die müssen gemanagt werden. Ein internationales Unternehmen muss sich zum Beispiel beim einfachen Thema Chatbot überlegen: Wie rolle ich das international aus? Daran arbeiten wir gerade auch mit einer großen Bank, denn das Consulting-Geschäft wird im Grunde durch solche Intelligenzen ersetzt.

Was war für euch der Schlüssel zum Erfolg?

Robert Jänisch: Wir haben das Thema IoT sehr früh auf die Spitze getrieben. Laut Gartner-Report gibt es 2020 20 Milliarden Devices und nur acht davon kennen wir heute, grob gesagt unsere Handys und Notebooks. 2015 fühlte es sich ein bisschen so an wie das Internet 1999: Die Technologie ist da, alle sind total wild und heiß darauf, aber keiner macht was. Also haben wir etwas gemacht. Das Thema Prototyping war uns wichtig, um die Barriere in den Köpfen abzubauen, dass Hardware ein total schwieriges Geschäft sei. Dabei wird Hardware immer modularer und damit einfacher einzusetzen. Außerdem wollten wir den Lean-Startup-Gedanken aufnehmen: den Kunden ins Zentrum setzen und schnellstmöglich in die Lernkurve kommen. Dazu bündeln wir alle Fähigkeiten in einem Team: Industriedesign, Hardware-Entwicklung, Software-Entwicklung, Connectivity und Cloud. Deshalb sind wir sehr breit aufgestellt, was reiner Business-Effizienz widerspricht. Andererseits ist es unser Vorteil: So können wir die Fachdisziplinen immer schnell für Projekte zusammenziehen.

„Es fühlte sich so ein bisschen an wie das Internet 1999: Die Technologie ist da, alle sind total wild und heiß darauf, aber keiner macht was“

Ihr seid auch sehr aktiv in der Düsseldorfer Community, organisiert Veranstaltungen und Projekte.

Robert Jänisch: Es ist uns wichtig, Menschen außerhalb unseres Kundenkreises unsere Technologie zu erklären. Deshalb fördern wir Personen, die in der Community immer mal wieder etwas Neues ausprobieren und erproben. Zum einen können wir da ein bisschen was zurückgeben, weil wir aus dieser Community heraus entstanden sind. Zum anderen ist es schön, sich mit den Leuten zu treffen und zu brainstormen. Das hilft uns auch, neue kreative Ansätze zu finden. Vor einem halben Jahr haben wir ein Projekt gestartet, bei dem Schüler ihren eigenen Bob bauen. Es reicht nicht aus, dass wir das tun. Jede Schule sollte ihren eigenen Roboter bauen. Zum einen, um die Technologie zu verstehen, zum anderen, damit Schüler erleben, was sie später in der Arbeitswelt wiederfinden werden. Auch um Hemmschwellen abzubauen und zu realisieren, dass man durch einen verantwortungsvollen Umgang mit Technologie etwas Gutes bewirken kann.

Was sind die spannendsten Aufgabenstellungen für euch?

Robert Jänisch: Am Anfang haben wir immer erstmal erklärt, was IoT überhaupt ist. Die ersten Geldautomaten 1967 sind für mich IoT-Devices: Sensorik, eine Intelligenz, ein Kabel, das mit einer zentralen Instanz verbunden ist – alle wesentlichen Komponenten von IoT waren vorhanden. Inzwischen denken wir anders über IoT nach. Die meisten denken an Smart Cities, Smart Factory und so weiter. Aber was heißt denn eigentlich smart? Die Antwort ist relativ banal: Es gibt irgendwo Interfaces zum Menschen oder zur physischen Welt und es geht um Intelligenz. Alles, was dazwischen ist – wie Daten von A nach B kommen oder wie man 60.000 Devices managt – dafür gibt es Lösungen. Spannend sind die Schnittstellen und die Intelligenz. Darauf fokussieren wir uns.

Wie führt ihr eure Kunden an die Thematik heran?

Robert Jänisch: IoT war ja vor zwei Jahren sehr intensiv in den Medien. Es braucht solche Impulse und dann gibt es eine digitale Community, die lernen und verstehen will: Was bedeutet dieses Konzept? Wie können wir damit umgehen? Wie können wir daraus ein Business machen? Das ist der erste Schritt, das Verstehen. Der zweite Schritt kommt mit der Frage: Was wäre dann unsere Lösung? Und der dritte Schritt ist „Go to market“. Die Großen, die wirklich was am Markt bewegen, wie die Telekommunikationsanbieter, die sind gerade erst an dem Punkt, dass sie ein „Go to Market“ mit dem Thema Narrowband IoT machen, einer Technologie, die extrem spannend dafür ist. Ähnlich sehe ich das auch bei dem ganzen The- ma Chatbots. Die Relevanz steigt dadurch, dass die Menschen mehr Messenger Services nutzen. Die Akzeptanz des Einsatzes ist durch erste Studien belegt: Mehr als 60 Prozent der User sind zufrieden, wenn sie mit einem Computer kommunizieren.

„Ich sehe uns als Innovationsbeschleuniger“

Gerade ist Blockchain das Trendthema. Gibt es da Ansätze bei euch?

Robert Jänisch: Auf jeden Fall. Da werden es wieder die großen Player sein, die nachhaltige Lösungen ausrollen. Wir haben das mit einem großen Kunden vor ein paar Monaten mal durchdiskutiert. Die sind da noch extrem vorsichtig. Es gibt erste Prototypen, es gibt aber auch die Challenges mit dem Energieverbrauch. Dann muss man schauen, was man in der Blockchain abbildet und was keinen Sinn macht. Ich denke, Blockchain ist momentan Reifegrad fünf, vernetzte Devices sind Reifegrad eins, sie intelligent zu machen, dass sie auch ohne Cloud selbst denken können, ist zwei. Wir reden zurzeit mit Kunden viel über Reifegrad eins und zwei. Bevor wir die nicht auf dieses Level gehievt haben, wird es schwer, zu empfehlen: „Denkt doch mal über Blockchain nach.“

Wo soll die Reise in den nächsten Jahren hingehen?

Robert Jänisch: Wir werden unseren Baukasten weiter entwickeln und sind gerade dabei, bei dem ganzen Thema Hardware-Module einen Riesensprung nach vorne zu machen. Wir sehen uns in ein bis zwei Jahren als Innovationsbeschleuniger, der den ganzen Innovationsprozess bis zum Company Building bedienen kann.

Robert Jänisch ist Gründer und CEO von IOX Lab. Er arbeitet seit mehr als 17 Jahren mit IT-Technologie und hat schon viele Transformationsprojekte für Unternehmen verantwortet. Seit zwei Jahren engagiert er sich im Vorstand der M2M Alliance, die die Interessen der M2M- und IoT-Branche vertritt.

Kopie von 101 CEO Robert Jänisch Foto Jakob Wagner - „Die größte Toolbox der Welt“
Robert Jänisch, CEO IOX Lab. Foto: Jakob Wagner
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