Alleine 2017 wurden laut Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) 720.000 E-Bikes verkauft, also 19 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Langfristig hält der ZIV sogar einen Anteil der E-Bikes von 30 Prozent am gesamt Fahrradmarkt für möglich. Zahlreiche Startups und etablierte Unternehmen konkurrieren nun mit immer leichteren und schickeren E-Bike Modellen, sowie innovativen Antriebssystemen im Rennen um Marktanteile.

200 E-Bike Hersteller in Deutschland

Mittlerweile gibt es laut e-motion Technologies, Deutschlands größtem Zusammenschluss von unabhängigen Fachhändlern, über 200 E-Bike Hersteller. Dazu gehören auch große Unternehmen wie BMW oder Bosch, reine Fahrradmanufakturen greifen in Sachen Elektro häufig auf Zulieferer zurück, dessen Motoren sie dann in bestehende Modelle integrieren. Egal ob Trekking-, Stadt-, Renn-, Klapp- oder Lastenrad: Alle Modelle gibt es mittlerweile auch mit Elektroantrieb, wobei die meisten der heute angebotenen E-Bikes streng  genommen Pedelecs sind. Bei diesen schaltet sich nämlich nur dann der Motor ein, wenn der Fahrer selbst in die Pedale tritt. Reine E-Bikes dagegen fahren auf Knopfdruck von alleine und sind daher – ab einer Geschwindigkeit von 18 Stundenkilometern – auch zulassungspflichtig. Daher werden sie grundsätzlich seltener angeboten. Neben den reinen E-Bikes selbst verlangt der boomende Markt auch eine bessere Infrastruktur, etwa durch entsprechende Ladestationen. Die Startup-Szene ist sogar noch einen Schritt weiter und entwickelt smarte Lösungen für mögliche neue Geschäftsfelder von E-Bikes und Lastenrad-Flotten.

Players to watch:

Urban X

Urban X und Superpedestrian haben sozusagen das Rad neu erfunden: Beide Startups bieten durch das Auswechseln des Vor-, beziehungsweise Hinterrads die Möglichkeit,
innerhalb von wenigen Minuten jedes Rad zum Pedelec umzufunktionieren. Das motorisierte Vorderrad von Urban X wiegt sieben Kilogramm und sorgt für eine Fahrgeschwindigkeit von bis zu 25 bis 30 Kilometern pro Stunde. Ab 299 Dollar können sich Unterstützer über Kickstarter ein Urban X-Rad vorbestellen. Das Rad kommt in vielen verschiedenen Größen und ist damit mit so ziemlich jedem Rad kompatibel. Bisher konnte das Startup aus New York 634.472 Dollar einsammeln.

Superpedestrian

Mit 1749 Euro etwas kostspieliger ist das Copenhagen Wheel von Superpedestrian. Unter diesem Namen hat das Startup aus Kopenhagen seinen Spin-off des bereits 2009 vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelten Umbaukits lizenziert und mit ein paar smarten Funktionen aufgepeppt. So reagiert das Wheel in Echtzeit, passt sich dem Fahrstil an und optimiert so Leistung und Geschwindigkeit. Abgesperrt wird natürlich per Android oder IOS. Außerdem überwacht ein SmartSense™ das Fahrumfeld.

E-Bike Fazua: fast unsichtbarer Elektroantrieb

Fazua

Mit 6,5 Millionen Kapital in einer weiteren Finanzierungsrunde Mitte März hat Fazua gute Chancen auch weiter ganz vorne mit im Rennen zu bleiben. Unternehmertum Venture Capital Partners investierte zusammen mit den bestehenden Investoren High-Tech Gründerfonds, Bayern Kapital, dem Wachstumsfonds Bayern sowie einigen Business Angels. Das 2013 in München gegründete Startup hat mit seinem innovativen evation-Antriebssystem nicht nur die Investoren überzeugt sondern auch namhafte Fahrradhersteller wie CUBE, Pinarello, Bianchi, Fantic und Focus, die den evation-Antrieb in ihre Serienprodukte integrieren. Erfolgskonzept sind zum einen das innovative Design, das den 3,3 Kilogramm leichten Akku und Motor nahezu unsichtbar ins Unterrohr integrieren lässt, zum anderen das natürliche Fahrgefühl. Denn trotz Elektroantrieb wird der Radfahrer sportlich gefordert.

Comodule

Mit IOT-Technologie revolutioniert Comodule die E-Bike-Branche. Das 2014 gegründete Startup mit Sitz in Berlin, Taipei (Taiwan) und Tallinn (Estand), hat mittlerweile mehrere smarte Anwendungen auf dem Markt, die von Navigations- und Diebstahlfunktionen per Smartphone-App bis hin zu einer cloudbasierten Analyse Plattform für CRM sowie Produktentwicklung und Management von Light-electric-vehicle (LEV) Flotten reichen. Bevor das Team von Comodule auf dem E-Bike-Markt durchstartete sammelten sie Erfahrung beim Bau von Elektro-Rennwagen.

Bike-Energy

Ziel des österreichischen Startups Bike-Energy ist es, ein flächendeckendes Netz von Ladestationen für E-Bikes aufzubauen. Dazu entwickelten die Gründer, Rupert Stranger und Volkmar Schitter, eine mit mehreren Adaptern ausgestattete Station, an denen immerhin 80 Prozent der über 1500 verschiedenen Pedelec-Typen aufgeladen werden können – auf Wunsch auch umweltschonend mit Solarstrom. Die einfachste Ausführung kostet 4.409 Euro. Natürlich gibt es auch größere Stationen, die bis zu 30 Steckplätze bieten und auf Wunsch auch Elektroautos bedienen können. Robuste City Charger, schnelle Super Charger und Safety Charger, also eine Ladestation inklusive Schloss sind in Planung. Und die Nachfrage steigt: Alleine im vergangenen Jahr haben sich die Verkaufszahlen in Österreich und Deutschland verdoppelt.

 

Zuerst erschienen in Berlin Valley 28.

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