Frau Helming, auf Dawanda verkaufen hunderttausende Hersteller Ihre Handmade-Produkte. Wie steht es um Ihr handwerkliches Geschick?

Claudia Helming: Die Leidenschaft für Handmade ist da, das Talent, es selber herzustellen, leider nicht. Bevor wir Dawanda ins Leben gerufen haben, haben wir genau das versucht – und sind damit grandios gescheitert. Aber ab diesem Zeitpunkt war die Idee da: Es gibt doch bestimmt viele Menschen, die genauso wenig kreatives handwerkliches Talent haben wie wir – und trotzdem gerne kreative Sachen zu Hause hätten. Die Gründung kam dann vor fast genau zehn Jahren.

Sehen Sie sich rückblickend in Ihrer Annahme bestätigt?

Claudia Helming: Auf jeden Fall! Wir haben damals ganz klein begonnen – zwei Mann in meinem Wohnzimmer, etwa hundert Verkäufer beim Launch der Seite. Mittlerweile haben wir fast 400.000 Anbieter und rund sieben Millionen Produkte und auch Kunden. Das ist jetzt nicht wenig. Aber unser Ziel ist es, Handmade als echte Alternative zum industriellen Konsum zu etablieren – und da gibt es noch Einiges zu tun.

Was muss dafür noch passieren?

Claudia Helming: Wir müssen es schaffen, dass die Leute sich fragen: ‚Woher kommt eigentlich das Möbelstück oder die Deko, die ich für meine Wohnung kaufe? Wer stellt die Sachen für meine Kinder her?‘ Auch wenn wir insgesamt noch von einem kleinen Prozentsatz der Bevölkerung reden: Ich glaube, wir sind schon soweit, dass zunehmend Wert darauf gelegt wird, dass ökologisch und sozial fair produziert wird.

„DIE EIGENE EINRICHTUNG STEHT HEUTE MEHR DENN JE FÜR EINEN LIFESTYLE“

Ein Trend, der auch den Großen nicht entgangen ist. Seit diesem Jahr können Kunsthandwerker in Deutschland auch auf einem Marktplatz von Amazon verkaufen.

Claudia Helming: Als klar war, dass wir solche Konkurrenz bekommen, musste ich schon erst mal schlucken. Allerdings hat sich die Aufregung mittlerweile gelegt. Schon ein Jahr vor dem europäischen Start ist das Programm in den USA gestartet, und wie ich es bisher beobachtet habe, ist da nicht die Hölle los. Dafür gibt es auch Gründe: Amazon ist sehr käuferorientiert und sicher das Maß aller Dinge, wenn es um Onlinehandel-Service geht, aber das Label Handmade nimmt man dem Konzern einfach nicht ab.

Was machen Sie besser als Amazon?

Claudia Helming: Dawanda ist viel näher am Verkäufer dran, als Amazon es sein kann. Wir haben ganze Abteilungen, die sich nur mit deren Bedürfnissen beschäftigen. Wir erklären ihnen: Wie mache ich mich selbstständig? Was muss ich rechtlich dabei beachten? Und wie vermarkte ich mich, wie mache ich aus meiner Kreativität ein Business? Wir geben Hilfestellung, halten sogar Workshops zu diesen Themen. Wir haben in den vergangenen zehn Jahren viel aufgebaut und viele Erfahrungen im Handel mit handgemachten Produkten erworben. Das lässt sich nicht von null auf hundert kopieren.

Wird der Trend des individuellen, bewussten Einrichtens anhalten?

Claudia Helming: Das wird sich verstärken. Besonders in der Customization, der Möglichkeit der Anpassung an die Wünsche des Kunden, liegt viel Potenzial. Darin sehe ich auch einen unserer Vorteile: Da unsere Produkte handgemacht sind, sind sie auch individualisierbar. Die ei-gene Einrichtung steht heute mehr denn je für einen Lifestyle.

Das Gespräch führte Max von Harsdorf.

Dieser Artikel erschien zuerst in NEW LIFE – deine Welt von morgen. Das neue Special-Interest-Magazin von NKF Media beschäftigt sich in seiner Erstausgabe ausschließlich mit Trends zu den Themen Möbel, Interior und Design. Startups verändern die Welt, in der wir Leben. Und wir fragen uns: Wie sieht das in der Möbelwelt aus? Gemeinsam mit der führenden Möbelmesse IMM präsentiert NEW LIFE zahlreiche spannende Trends und Protagonisten. NEW LIFE kostenlos laden und lesen

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5 Kommentare auf "Dawanda-Gründerin Claudia Helming: „Uns kann man nicht kopieren“"

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[…] Claudia Helming, Gründerin und CEO von Dawanda, spricht über ihr handwerkliches Geschick, ihre Ziele und die Konkurrenz von Amazon Der Beitrag Dawanda-Gründerin Claudia Helming: „Uns kann man nicht kopieren“ erschien zuerst auf BerlinValley. Jetzt lesen […]

Beli
Gast
Sorry aber Frau Helmig spricht von 400000 Shops vor kurzen noch vor 600000. Sind soviele in so kurzer Zeit schon gegangen? Hmm wohin denn zu Amazon Handmade und Etsy. Ach und wenn man diese so mal nach deren Erfahrungen frägt, sind die zufrieden und verkaufen besser als bei Dawanda. Wenn sich Frau Helmig selber und Dawanda einen gefallen tun will, dann sollte sie wenigstens der Realität ins Auge schauen, denn der Unmut bei Dawanda ist sehr gestiegen, viele Verkäufer wandern ab, weil sie 1. die schlechte Kommunikation bemängeln, 2. die ständigen Fehler bei der Plattform als unzumutbar empfinden, 3. die… Read more »
Ich
Gast

Glaubt sie iegentlich selbst noch, was sie sagt?

Ich auch
Gast

… schwerer Realitätsverlust! Da ist wohl der Wunsch Vater des Gedankens.
Besonders putzig finde ich die Aussage: “Dawanda ist viel näher am Verkäufer dran, als Amazon es sein kann.” …
Ich warte immer noch auf eine Antwort zur Frage zu einem technischem Problem, das ich bereits am 24.11.2016 gemeldet habe.
Ganzzzzz nah dran …ganzzzz nah!
Ich zähle übrigens gerade 90911 Shops/Anbieter auf der Plattform DaWanda.
Entweder die restlichen <300.000 verstecken sich geschickt, oder da stimmt was nicht mit der Angabe 😉

DW-User2008
Gast

Meine VorschreiberInnen kann ich nur beipflichten.
Sieht jetzt, im Sommer 2017 fast so aus, als ob man dabei ist die Plattform an die Wand zu fahren
DaWanda entlässt ein Viertel der Mitarbeiter
https://www.gruenderszene.de/allgemein/dawanda-entlaesst-ein-viertel-der-mitarbeiter

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