Immer mehr Verbraucher nutzen digitale Kanäle. Ihre Anforderungen an Produkten und Dienstleistungen steigen. Gerade in Tech-Unternehmen, bei denen Technologie zum Kern-IP gehört und ein Alleinstellungsmerkmal darstellen soll, kommt daher dem Chief Technology Officers (CTO) eine absolute Schlüsselposition zu. Er verkörpert in der Regel die höchste technologiebezogene Position innerhalb eines Unternehmens und ist somit für die gesamte Technologieentwicklung verantwortlich. Wie sein Titel bereits suggeriert, ist der CTO Teil des Führungsteams des Unternehmens.

Lean-Startup-Autor Eric Ries sieht den Aufgabenbereich des CTOs sehr vielschichtig: Neben einem betriebswirtschaftlichen Blick sieht er die primäre Aufgabe darin, „sicherzustellen, dass die Technologiestrategie des Unternehmens der Geschäftsstrategie dient.“ Damit dies gelingt, identifiziert Ries fünf spezifische Kompetenzen eines CTOs:

1. Auswahl der Plattform und technisches Design
2. Das Gesamtbild (Big Picture) sehen
3. Anbieten unterschiedlicher Optionen
4. Den 80/20-Ansatz verfolgen
5. Technische Führungskräfte aufbauen

Team aufbauen und führen

Der CTO ist in der Regel für das Engineering-Team und die Mitarbeiter in der IT-Abteilung verantwortlich. Er ist Teammanager und Teamplayer in Personalunion. Priorisiert man seine Aufgaben, so dürfte der Aufbau eines hervorragenden Teams die Aufgabe sein, mit der er am meisten Zeit verbringt. Zeitgleich muss er diesem Team die richtige Orientierung geben, weswegen er eine klare Vision entwickeln und vermitteln muss.

Als Führungspersönlichkeit sollte er transparent agieren. Die Fähigkeit, mit Menschen umzugehen, ist daher eine der Kernkompetenzen eines erfolgreichen CTOs. Innerhalb der Tech-Organisation muss er eine technologiefreundliche Kultur schaffen, also eine Atmosphäre, in der Entfaltung und Weiterentwicklung möglich sind. Er muss sicherstellen, dass die richtigen Leute in seinem Team sind, weshalb er in der Regel viel Zeit mit dem Recruiting neuer Entwickler, Tester, Administratoren und Operatoren verbringt. Zeitgleich muss er immer wieder entscheiden, ob Projekte oder Teilprojekte ausgelagert werden können und ob die Plattform mittels Outsourcing gebaut werden soll.

Klarer Blick für die Zukunft

Sobald ein Tech-Startup abhebt, ist die Skalierungsfähigkeit der Plattform der neuralgische Punkt. Daher gilt es, in der Frühphase die richtigen Grundlagen zu legen. Der CTO stellt sicher, dass das Unternehmen Technologien einsetzt, die die Produktentwicklung verbessern. In den meisten Startups ist der CTO ein Mitarbeiter, der durch seine Programmierkenntnisse an die Spitze aufgestiegen ist.

Bei diesem Shift ist es wichtig, dass er die Anforderungen an seine neue Rolle versteht: Als CTO muss er technologische Trends kennen und diese schnell erfassen. Er muss ein breites Know-How zu Technologien besitzen, sämtliche Aspekte der technischen Architektur herausarbeiten und daraus eine Technologie-Strategie für das Unternehmen ableiten. Als Technologieführer im Unternehmen muss der CTO alles über die innovativen Technologien wissen und sich ständig über neue Trends informieren.

Um zu Antizipieren, wie neue Trends den Markt beeinflussen könnten, ist Neugierde gegenüber potenziell relevanten Technologien eine seiner wichtigsten Charaktereigenschaften. Kenntnisse zu bestimmten Kerntechnologie wie zum Beispiel künstliche Intelligenz, Systemarchitektur oder UX/UI sind dabei durchaus hilfreich.
Ein guter CTO ist aber auch ein Stratege mit klarer Produktvision, die sowohl die geschäftliche Seite sowie die technischen Aspekte des Projekts abbildet. Er darf sich nicht abschotten, sondern muss ein klares Verständnis für seine Wettbewerber entwickeln und auf die Ziele und Strategien des Unternehmens abstimmen.

„CTOs müssen sich ständig anpassen und in der Lage sein, ihren Kurs zu korrigieren.”

Dieser Spagat ist nicht einfach und kann die Richtung und Geschwindigkeit eines Startups stark beeinflussen. Ein erfolgreicher CTO stellt den Status quo konstant in Frage, verfolgt die konstante Verbesserung des Endprodukts (was auch die produktbezogene Infrastruktur beinhalten kann) und stellt den Kunden in den Mittelpunkt.

Dazu Thuan Pham, Chief Technology Officer, Uber: „CTOs müssen sich ständig anpassen und in der Lage sein, ihren Kurs zu korrigieren. Startups wird das, was einen zu einem bestimmten Punkt gebracht hat, nicht auf die nächste Stufe bringen. Daher muss man immer über kreative Wege nachdenken, um Probleme zu lösen, Annahmen zu hinterfragen und sich der aktuellen Situation bewusst zu sein.“

Da das gesamte Projektentwicklungsteam auf die Fähigkeit des CTO angewiesen ist, muss er in der Lage sein, in schwierigen Situationen qualitativ hochwertige Entscheidungen schnell zu treffen.

Vollzeit-CTO oder Hands on?

Für junge Startups stellt sich natürlich die Frage, ob man mit einem Startup CTO oder oder einem Developer beginnen soll. Soll man eher Entwickler oder Hands-On Lead-Entwickler suchen? Oder lieber einen Vollzeit-CTO einstellen, der nicht „Hands-on“ ist? In der Regel ist der CTO einer der ersten technischen Mitarbeiter des Unternehmens, was dazu führen kann, dass er am Anfang nicht ausgelastet ist, wenn er nicht selbst Code schreibt.

Je nach Unternehmensgröße kommt der CTO also ums Coden nicht herum. Hier gibt es keine Faustregel: Einige CTOs verbringen 80 Prozent ihrer Zeit mit Coden, einige nur 40 Prozent und einige nur 10 Prozent. Und obwohl der Erfolg der Mission von anderen Fähigkeiten abhängt, hilft coden definitiv dabei, die Kern-Architektur zu verstehen und die richtigen Grundlagen in Qualität und Ausrichtung der Plattform zu legen. Und ohnehin muss ein festangestellter CTO in der Lage sein, Code zu schreiben. Mit zunehmender Unternehmensgröße werden dann die Skalierung von Entwicklungsteams und die Einführung von Prozessen wichtiger.

Maximale Agilität

Will der CTO Innovation und Erfolg vorantreiben, muss er in der Lage sein, einen facettenreichen Ansatz zu verfolgen. Er muss das gesamte Bild in seiner endgültigen Form vor Augen haben und sein Team von der Prototypen-Phase des Projekts bis zur MVP-Phase (Minimum Viable Product) führen können. Daher ist es wichtig, dass der CTO mit agilen Praktiken vertraut ist und irgendeine Art von Prozess wie zum Beispiel Lean/Kanban oder Scrum einführt (und dann auch als ScrumMaster fungiert).

Bei agilen Methodiken geht es um Zusammenarbeit und Teamwork, weshalb die frühe Einbindung des Teams oft propagiert wird. Der CTO kann beispielsweise nach der 80/20-Regel spielen und jedes Teammitglied um seine Meinung bitten, bevor er eine Entscheidung trifft. 80 Prozent der Entscheidung müssen aus den von einem CTO gesammelten Informationen stammen und die restlichen 20 Prozent sind abhängig von dem CTO und seiner Fähigkeit, schnelle Entscheidungen zu treffen.

Effektive Kommunikation

Neben Teamführung und technologischem Verständnis ist vor allem Netzwerken und effektive Kommunikation innerhalb des Teams (und zu anderen Bereichen) die Hauptaufgabe eines guten CTOs. Für gewöhnlich hat die Technologieentwicklung viele Schnittstellen zu anderen Geschäftsbereichen wie dem Marketing und der Sales-Abteilung. Der CTO muss eine Verbindung zwischen Kundenproblemen und Technologie herstellen und auch zwischen verschiedenen Technologien innerhalb des Unternehmens.

Die komplexe Rolle der Technologie und die damit verbundenen Herausforderungen zu vermitteln, ist eine essentielle Aufgabe. Viele CTOs gelten daher auch als „professionelle Gechichtenerzähler“, denn sie müssen immer wieder die „Problemlösungsgeschichte“ erzählen. Dabei geht es ihnen vor allem um das Vermittelten einer überzeugenden Vision, mit der man Investoren und Anhänger gleichermaßen mobilisiert. Zu guter Letzt muss der CTO komplexe Konzepte schnell verstehen, diese vereinfachen und dann einem breiten Publikum vermitteln können.

Dieser Artikel erschien zuerst in Berlin Valley Nr. 30.

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