Wie oft bin ich wie im Schock im Restaurant oder vor dem Kühlregal erstarrt, als ich erkannte: Die haben ja nur die Standardbiere … Diese Momente sind seltener geworden – zum Glück. Geblieben ist der fahle Nachgeschmack, nie eine Wahl gehabt zu haben. Dieses Gefühl der Machtlosigkeit braucht das Craft Beer in Hinsicht auf die (Un)Erreichbarkeit des Mainstreammarktes nicht zu haben: Der Weg zum Markt führt über die Systemgastronomie und durch den Handel in die Herzen der Menschen.

„Dem Gastronom ist also alles recht, solange er die Sehnsüchte seiner Gäste befriedigt“

Apple hat gezeigt, dass man die Fans, die einen dafür lieben, dass man der ewige Herausforderer ist, nicht verlieren muss, wenn die Marke den Mainstream erobert. Noch nimmt der Gastronom die Biermarke, die ihm die Sonnenschirme auf der Terrasse zahlt. Zeitgleich erobern aber auch neue Trends den gastronomischen Alltag: Plötzlich gibt es überall coole „Bowls“, wo es vorher Teller gab. Und ein Vapiano lässt seine Openings von hübschen Bloggerinnen moderieren und dokumentieren. Dem Gastronom ist also alles recht, solange er die Sehnsüchte seiner Gäste befriedigt. Wir alle wollen doch einfach nur eine gute Zeit mit Menschen verbringen, die wir mögen, weil sie unsere Identität bestätigen.

Ähnlich verhält es sich mit Craft Beer. Es ist Ausdruck unserer Individualität, da es eine Magie besitzt, die sich aus dem Kontrast der Einzigartigkeit von „Craft“ und der Massentauglichkeit von „Beer“ nährt. Restaurants, in denen es Stühle in unterschiedlichen Farben gibt, aber auch von allen Farben gleich viel und alle sind gleich neu, will keiner mehr. Das war okay für eine Zeit des Übergangs. Wir wollen das individuelle Erlebnis mit Qualitätsgarantie. Das kann das regionale Craft Beer sein. Wie wäre es, wenn Vapiano Berlin BRLO und Vapiano Frankfurt NAIV im Programm hätte? Der Gast würde es sicherlich zahlend danken.

„Craft Beer sollte seine Vielfalt zelebrieren, denn genau darauf begründet es sich.“

Craft Beer sollte seine Vielfalt zelebrieren, denn genau darauf begründet es sich. Es hat viele Gesichter: regional, individuell, pragmatisch, urban, natürlich, aber auch Handwerk, Design, Luxus oder Kunst – alles ohne Widerspruch und alles im eigenen Design. Bräuchte es da nicht einfach nur noch einen Kanal, eine Online-Plattform, die die Administration und Logistik für alle Craft-Beer-Hersteller übernimmt und für die Gastronomie bündelt? Sodass Vapiano mit einem Klick einkaufen, aber in jeder Stadt individuell anbieten kann? Zumindest auf Deutschland beschränkt, wäre das doch denkbar.

Zuerst erschienen in Berlin Valley Nr. 26

 

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