Können Sie kurz das Konzept von Venture Capital 2.0 als verbindendes Element und Baustein zwischen diesen Branchengrößen und jungen, innovativen Vorreitern erklären?
Christian Tönies: Ich würde Ihnen das Konzept gerne konkret am Beispiel der sogenannten FinTechs erläutern: Betrachtet man konkret die Zahlen des VC-Marktes, so stellt man – quellenunabhängig – eine Steigerung von VC-Investments in FinTechs fest. FinTechs rangieren aktuell mit einem Investitionsvolumen von ca. einer halben Milliarde Euro im Jahr 2017 hinter E-Commerce Investments auf dem zweiten Platz im deutschen VC-Investmentmarkt.

Der Begriff FinTech setzt sich zusammen aus den Worten Finanzdienstleistungen und Technologie und beschreibt letztlich die Veränderungen und Umbrüche im Finanzdienstleistungssektor durch den Einsatz von Technologie. Seit der Verwendung des Internets als Kommunikations- und Arbeitsmediums und mit dem Beginn der Digitalisierung begann auch schrittweise die Entwicklung der FinTech-Branche, dies alles bereits ab dem Ende der Neunziger Jahre. Die wichtigsten Geschäftsfelder für FinTechs sind seither das Bankenwesen und die Versicherungswirtschaft. Der „jüngste“ Durchbruch im Bankensektor beispielsweise war der Geldautomat und das Online-Banking. Die letzte wirkliche Revolution im Versicherungswesen war die elektronische Versicherungsbestätigung. Die Digitalisierung ist die neue „Revolution“.

„Junge innovative Startups profitieren von dem Know-how, dem Kundenzugang und dem Bekanntheitsgrad der führenden Branchengrößen“

Wie genau wird sich die Digitalisierung in der Finanzbranche auswirken?
Christian Tönies: Die Digitalisierung des Finanzdienstleistungssektors durch FinTechs wird einen Umbruch zur Folge haben, der die Ablösung und Verdrängung von traditionellen Geschäftsmodellen, Produkten, Technologien oder Dienstleistungen durch innovative Erneuerungen bewirken wird.

Allgemein lässt sich daher sagen, dass dieser branchenübergreifende Umbruch neben dem klassischen Konkurrenzkampf im Wettbewerb zumindest auch zu interessanten Kooperationsmodellen führen kann.

Junge innovative Startups profitieren von dem Know-how, dem Kundenzugang und dem Bekanntheitsgrad der führenden Branchengrößen und schätzen diese als Partner an ihrer Seite. Die Branchengrößen im Gegenzug sehen neben der Möglichkeit, mit Investments in Startups Geld zu verdienen, auch die Chance, mit zukunftsweisenden Ideen den (digitalen) Marktanschluss zu halten.

„Dieser branchenübergreifende Umbruch kann neben dem klassischen Konkurrenzkampf im Wettbewerb zumindest auch zu interessanten Kooperationsmodellen führen“

Wie genau unterstütz P+P?
Christian Tönies: Wir vertreten Venture Capital Gesellschaften und Fonds, institutionelle Investoren, Business Angels, junge Wachstumsunternehmen und strategische Investoren in allen Bereichen im Zusammenhang mit Venture Capital Transaktionen. Venture Capital Investoren und Existenzgründer nehmen unsere Dienstleistung in Anspruch, um eine praxis- und lösungsorientierte, rechtliche Beratung zu erhalten.

Unsere Expertise umfasst insbesondere die Durchführung von Finanzierungsrunden, Exit-Transaktionen sowie die Steuerplanung und –strategie.

  • Durchführung Legal Due Diligence;
  •  Gestaltung und Aufbau von Unternehmensstrukturen, Entwicklung der Kapitalstruktur, Umsetzung von (auch virtuellen) Beteiligungs- bzw. Incentive-Programmen sowie Verhandlung von Management-Vereinbarungen;
  • Verhandlung und Ausarbeitung der Beteiligungs- und Finanzierungsverträge (einschließlich Wandel- und Überbrückungsdarlehen);
  • Exit-Transaktionen, wie z.B. strategische Verkäufe (Verkauf von Anteilen und sonstigen Vermögenswerten), Auktionen, Börsengänge, Kapitalerhöhungen und Liquidationen; und
  • laufende Rechtsberatung im Rahmen des day-to-day business.

Welches halten Sie für die größten Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung?
Christian Tönies: Durch die Digitalisierung haben sich zahlreiche neue Geschäftsbereiche eröffnet, welche durch die innovativen Ideen von Startups erschlossen werden, wobei hier der Kreativität kaum eine Grenze gesetzt wird. VC 2.0 ist ein verbindendes Element zwischen jungen Unternehmen mit Kapitalbedarf und den bis dato „Branchengrößen“ mit „Digitalisierungsbedarf“. Das Zusammenspiel bewirkt Synergien und erzeugt damit zahlreiche Chancen für beide Seiten.

Jedoch stellt der durch die Digitalisierung immer schneller wachsende VC Markt alle Parteien auch vor erheblichen Herausforderungen. Der Markt verspürt generell den Druck, nicht stehen bleiben zu dürfen und die Marktteilnehmer haben stets die Angst vor Augen, von anderen Konkurrenten überholt zu werden. Überspitzt könnte man sagen, was heute „in“ ist könnte morgen schon „out“ sein. Eine weitere Herausforderung der Digitalisierung ist darüber hinaus die immer stärker werdende Spezialisierung, die sowohl Unternehmen (Stichwort: qualifizierte Mitarbeiter) als auch die Rechtsberatung zur ständigen Weiterentwicklung „zwingt“.  

Christian Tönies

Christian Tönies, LL.M. Eur. ist Partner bei P+P Pöllath + Partners, einer international tätigen deutschen Wirtschafts- und Steuerkanzlei mit mehr als 130 Anwälten und Steuerberatern in Berlin, Frankfurt und München. pplaw.com

Foto: Jenna Dallwitz
Foto: Jenna Dallwitz