Was genau macht der Business- und Innovations-HUB Deutschland–China (DC-Hub) und warum ist es gerade jetzt wichtig, Beziehungen zu China aufzubauen
Der DC-Hub ist ein Multiplikator und eine Koordinierungsstelle für deutsch-chinesische Kooperationen mit Bezug zur Wirtschaft, um Unternehmergeist, Innovationen und die internationale Ausweitung des Handels zu fördern. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf deutschen Startups und KMUs. China wird künftig eine noch größere Rolle in der weltweiten Wirtschaft spielen. Deutsche Unternehmen sind innovativ, verlässlich und international wettbewerbsfähig. Sie bringen daher gute Voraussetzungen mit, um auf Auslandsmärkten erfolgreich zu agieren. Je eher man als Deutscher Unternehmer China besser kennen lernt, desto besser ist man für das vorbereitet, was in den nächsten Jahren aus China kommen wird.

Wird der DC-Hub auch von chinesischer Seite unterstützt?
Wir konnten seit Beginn des Projektes im Oktober 2017 verschiedene Partner in China gewinnen, welche uns und auch besonders die Startups, vor Ort unterstützen. Dazu zählen unter anderem unser Projektpartner in Shanghai, verschiedene Co-Working-Spaces, sowie auch Vertreter von deutschen Unternehmen, die schon länger in China agieren                  .

Arbeitet der Hub mit großen chinesischen Firmen/Investoren zusammen, etwa Tencent oder Alibaba? Gibt es da einen Austausch?
Wir arbeiten zum Beispiel mit dem größten privaten chinesischen Anbieter für Co-Working Spaces zusammen, P2 aus Shanghai. Dieser wiederum arbeitet mit den genannten Unternehmen zusammen. Es gibt auch einen Austausch mit weiteren Unternehmen und Investoren.

Mal abgesehen von dem riesigen Konsumentenmarkt – was noch macht China für Startups interessant?
In den nächsten 50 Jahren werden einige der größten und einflussreichsten Unternehmen aus China kommen. Außerdem wird China immer mehr Einfluss auf bestimmte Entwicklungen nehmen, wie zum Beispiel den Electric Vehicle Markt, Mobile Payment, Normung, um nur ein paar zu nennen. Allein aus diesem Grund sollte man immer mit einem Auge in Richtung Osten blicken! Daneben suchen Chinesen nach Innovation und haben auch das entsprechende Geld. Viele Investoren aus China suchen traditionell im Silicon Valley nach Möglichkeiten zu investieren. Deutschland hat sich leider bisher in nicht amerikanischen Märkten sehr zurückgehalten, im Gegensatz zum Silicon Valley. Hier ist man schon lange in China aktiv und umwirbt mit Möglichkeiten und Gewinn-Investoren aus Fernost. Es wird langsam Zeit, dass wir uns in Deutschland auch um die Startups kümmern, für die der Chinesische Markt interessant ist.

Chinesische Geschäftsmodelle scheinen gerade auch den deutschen Konsumentenmarkt zu disruptieren – und zu überschwemmen. Ein Beispiel ist die Invasion der China-Räder im Leihfahrradbereich. Wird sich dies auf weitere Branchen ausweiten?
Auf jeden Fall!

Nach Zahlen der Auslandshandelskammer in China haben mittlerweile rund 6.000 deutsche Unternehmen den Schritt nach Fernost gewagt, allen voran die Hersteller von Autos und Maschinen. Gibt es schon Zahlen von ihrer Seite?
DC-Hub ist brandneu, dieses Jahr schicken wir die ersten sechs Start-ups nach China.

An welchen Branchen, vor allem im Startup-Bereich ist China interessiert?
Nach meinen eigenen Erfahrungen sind besonders Neue Materialien, IoT und Big Data sowie Innovationen im Electric Vehicle Bereich gefragt. Abgesehen von den oben aufgelisteten Top 10 Industrien haben auch die Altenpflege und technologische Lösungen dafür sehr viel Zukunftspotenzial. China steuert durch die Jahrzehntelange Ein-Kind-Politik auf eine außerordentliche Alters-lastige Demographische Entwicklung zu.

Shanghai, China
Shanghai, China

Top 10-Industrien

  • Informationstechnologie der nächsten Generation,
  • Hochwertige numerische Steuerungen und Robotik, 
  • Luft- und Raumfahrttechnik, 
  • Schiffsbauausrüstung und Hightech-Schiffbau,
  • Moderne Bahnausrüstung,
  • Energiesparende Fahrzeuge,
  • Elektrik,
  • Neue Materialien,
  • Biomedizin und Hochleistungs-Medizinprodukte,
  • Landwirtschaftliche Maschinen und Geräte.

Vergangenes Jahr haben chinesische Firmen 13,7 Milliarden US-Dollar in Deutsche Firmen investiert. Kritiker warnen vor dem Ausverkauf der deutschen Wirtschaft. Eine berechtigte Warnung? Oder eher eine Chance?
Aus Deutscher Sicht sollte eine konservative Handhabung bei Mega-Übernahmen, wie im Falle von Kuka oder anderen für die Deutsche Wirtschaft bedeutenden Unternehmen, befürwortet werden. Gerade wenn es sich um undurchsichtige Chinesische Käufer handelt. Generell sollten aber Investitionen durch chinesische Unternehmen unterstützt werden, wenn eine intensive Auseinandersetzung mit dem Chinesischen Partner stattgefunden hat. Denn der Ruf und die Erfahrungen mit chinesischen Investoren, nicht nur in Deutschland, fallen durchaus positiv aus.* Man sollte sich immer im Klaren darüber sein, dass China ein Riese ist, der „nur“ kurz geschlafen hat und sich (schon fast) seine 30 Prozent am Weltmarkt wieder geholt hat. Es ist natürlich Deutschland überlassen, ob es mit von der Partie sein möchte, oder versucht, dagegenzuhalten. Wenn sich die Chinesen an einem Unternehmen jetzt nicht beteiligen können, dann gehen sie woanders hin und in 20 Jahren haben wir dann das Nachsehen!

Was erhofft sich der DC-Hub vom Ausbau der Beziehungen zu China?
Wir wollen Gründer, Startups, Alumni und kleine Unternehmen auf China sensibilisieren! Wir erhoffen uns davon, dass wir unseren enormen Rückstand den Chinesen gegenüber aufholen. Etwa 600 Millionen Menschen, was in etwa der Mittelschicht in China entspricht, beschäftigen sich seit 25 Jahren mit nichts anderem als dem Ausland, USA, Europa, Deutschland, Frankreich und so weiter. Sie lernen Sprachen, wie unsere Wirtschaft und Politik funktioniert, sie kennen die Fortune 500 und die DAX 30 besser als die Deutschen. Chinesische Unternehmen bieten Etiketten Kurse an, wie man in Deutschland isst, Meetings abhält und wer Dieter Bohlen ist. Wenn man in Deutschland Unternehmen und besonders Startups fragt, ob Sie Chinesisch sprechen, oder ob sie wissen wer Ma Yun (Jack Ma) oder Zhang Ruimin (Haier) oder Ren Zhengfei (Huawei) ist, bekommen die Leute ganz große Augen. Sie wissen zum großen Teil weder, wie die Wirtschaft in China funktioniert, noch wie Politik gemacht wird, warum Chinesen investieren und vor allem wie? Wir haben also einen unglaublich großen Rückstand, von dem die Unternehmen nicht einmal wissen. Da China nicht weggehen wird, sondern das Gegenteil der Fall ist, sollte in Deutschland eine Chinakompetenz aufgebaut werden. Selbst wenn man nicht nach Asien internationalisieren will. Ist man schließlich die Nummer eins, kommen die Chinesen zu einem nach Deutschland und klopfen irgendwann an die Tür. Spätestens dann sucht man nach Antworten!

Auf was müssen Startups achten, wenn sie in Richtung China internationalisieren wollen?
Einen/mehrere Partner in China braucht man unbedingt! Außerdem sollte man sich vorher mit dem Land und der Kultur beschäftigen. Das neue China (Volksrepublik) ist noch sehr jung im Vergleich zur gesamten Geschichte des Landes. Daher darf man sich davon nicht blenden lassen sondern sollte der gesamten Geschichte Aufmerksamkeit schenken. Das hilft enorm seine chinesischen Geschäftspartner zu verstehen und erfolgreich zu sein. Außerdem wird einem dann mit viel Respekt begegnet als „junger“ Europäer oder Amerikaner, wie es die Chinesen manchmal gerne ausdrücken.

Bis zum 24. Juni können sich Startups beim DC-Hub für die Shanghai Startup Class 2018 bewerben. Was erwartet die Teilnehmer bei diesem vierwöchigen Aufenthalt?
Das DC-Hub bezahlt den Flug von Frankfurt nach Shanghai und zurück, sie bekommen einen Arbeitsplatz kostenfrei im Stadtzentrum von Shanghai im P2 Coworking sowie ein Taschengeld. Während der vier Wochen gibt es Workshops, Vorträge, Netzwerkveranstaltungen und Möglichkeiten vor VCs und Investoren sein Startup zu pitchen. Außerdem kann man Messen besuchen. Des Weiteren organisieren wir ein individuelles Programm für die Teilnehmer der Start-up Class zum Beispiel Treffen mit Lieferanten, potenziellen Kunden bzw. Partnern aus Wirtschaft und Regierung.

* Quelle: Eigene Erfahrungen und unter Anderen: Mitbestimmungsreport Nr. 37, ISSN 2364-0413 der Hans-Böckler-Stiftung; Deutsche Welle: Chinas Greed for German Companies (zum Buch)

Martin Gothe (J.A.M Universal Trade & Distribution) und Steve Uhlig (International SEPT Program / Universität Leipzig) sind beide Co-Gründer des DC-Hubs. Der Business- und Innovations-HUB Deutschland – China (DC-Hub) ist ein innovatives Konzept des Internationalen SEPT-Programms der Universität Leipzig zur deutschlandweiten Arbeit der Deutsch-Chinesischen Alumnifachnetzwerke. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert, begleitet vom DAAD.

Foto: Patrick Bauer / Basislager coworking Leipzig
Foto: Patrick Bauer / Basislager coworking Leipzig
DC Hub 216x300 - Chance China: DC-Hub fördert deutsch-chinesische Kooperationen

Noch bis zum 24. Juni könnt ihr euch mit folgenden Unterlagen für die Shanghai Startup Class bewerben:

  • Factsheet, maximal 2 Seiten/ Pitchdeck zum Unternehmen (Profil, Zahlen, Team)
  • kurze kreative Begründung, warum euer Unternehmen nach China gehen sollte
  • als PDF
  • Mehr Infos und Bewerbung findet ihr auf der Website des DC-Hub
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