Am 24. September 2017 ist Bundestagswahl. Wir haben Gründer gefragt, welche für Startups relevante Themen sie auf der politischen Agenda der neuen Bundesregierung sehen wollen und welche politischen Maßnahmen sie sich speziell für Startups in ihrer Branche wünschen. Mehr Investitionen in Bildung ist eine der am häufigsten genannten Forderungen. Im dritten Teil äußern sich Susanne Krehl (Managing Director, Barzahle), Christian Rietz (Project Manager, Bitkom), Adrienne Fischer (CEO, Tinkerbots) und Christoph Gerlinger (Gründer, German Startups Group).

„Mehr Menschen für eine Unternehmensgründung begeistern“

Susanne Krehl, Managing Director Austria and Switzerland bei Barzahlen

Susanne Krehl, Managing Director Austria and Switzerland bei Barzahlen (Foto: Cash Payment Solutions)
Susanne Krehl, Managing Director Austria and Switzerland bei Barzahlen (Foto: Cash Payment Solutions)

Regulatoren und Behörden müssen für die Herausforderungen von jungen Unternehmen sensibilisiert werden. Die digitale Kompetenz und das Verständnis für digitale Geschäftsmodelle müssen in Institutionen, bei Behörden und bei Regulatoren erhöht werden. Ziel sollte zudem eine weitere Harmonisierung der Regulierung auf EU-Ebene sein, um so die Grundlage für ein gemeinsames Startup-Ökosystem in Europa zu schaffen. Deutschland muss es gelingen, mehr Menschen für eine Unternehmensgründung zu begeistern und entsprechende Rahmenbedingungen hierfür zu schaffen. Dies fängt bei der digitalen und technologischen Kompetenz von (zukünftigen) Arbeitnehmern an. Die Beschäftigung von ausländischen Fachkräften muss weiter erleichtert werden und es sollte in die Ausbildung von Fachkräften – Stichwort Mint-Fächer – investiert werden.


„Deutschland zu einem Hot-Spot der Digitalisierung machen“

Christian Rietz, Project Manager bei Bitcom

Christian Rietz, Project Manager Startups bei Bitkom (Foto: Bitkom)
Christian Rietz, Project Manager Startups bei Bitkom (Foto: Bitkom)

Die Digitale Agenda der Bundesregierung muss in der nächsten Legislaturperiode nicht nur fortgeschrieben werden, wir müssen „digital first“ denken. Startup-Politik muss keine Politik sein, die nur Startups in den Blick nimmt. Die beste Startup-Förderung ist eine Politik, die innovationsfreundlich ist, und das zentrale Ziel hat, Deutschland zu einem Hot-Spot der Digitalisierung zu machen: E-Government, Gründung per App, Abbau bürokratischer Hürden und Regularien, Schaffung von Testumgebungen – verbunden mit einer Willkommenskultur für internationale Fachkräfte. Wir haben diejenigen gefragt, die es betrifft. In einer Umfrage äu- ßern mehr als 250 Startup-Gründer in Deutschland klare Wünsche an die Politik für die kommende Legislaturperiode: Vor allem Bürokratieabbau und die Digitalisierung von Verwaltungsvorgängen stehen ganz oben auf der Wunschliste.


„Dringend mehr in die digitale Bildung von Kindern investieren“

Adrienne Fischer, CEO von Tinkerbots (Foto: Robert Lehmann)
Adrienne Fischer, CEO von Tinkerbots (Foto: Robert Lehmann)

Adriene Fischer, CEO von Tinkerbots

Aus unserer Sicht sollte in Deutschland dringend mehr in die digitale Bildung von Kindern investiert werden. Hier hängt Deutschland weit hinter dem Standard anderer europäischer Ländern zurück. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung, die heranwachsende Generation bestmöglich auf ein Leben im digitalen Zeitalter vorzubereiten und sie dafür mit den notwendigen Kompetenzen auszustatten. Ein erster Schritt wäre ein Angebot von Robotik-Kursen an allen Schulen, in denen Kinder spielerisch das Programmieren erlernen können. Dafür benötigen Schulen die finanziellen Mittel und kompetente Lehrer.


„Behördenvorgänge bei Unternehmensgründungen beschleunigen und erleichtern“

Christoph Gerlinger, Gründer von German Startups Group (Foto: German Startups Group)
Christoph Gerlinger, Gründer von German Startups Group (Foto: German Startups Group)

Christoph Gerlinger, Gründer von German Startups Group

Ich habe eine ganze Reihe von Wünschen an die Politik, aber wohlgemerkt keine Subventionierungswünsche. Das beginnt damit, die Behördenvorgänge bei Unternehmensgründungen zu beschleunigen und zu erleichtern (etwa was die Umsatzsteuer-ID-Nummer betrifft, die oft Monate dauert). Mitarbeiter-Optionen auf Startup-Anteile sollten wie im Ausland geringer besteuert werden. Börsengänge sollten erleichtert werden, zum Beispiel durch einen weniger aufwändigen Prospekt und Bafin-Billigungsprozess. Um die Angebotsseite von VCs zu fördern und damit mehr Kapital für Startups zu generieren, müssten unter anderem eine kapital- statt einer umlagebasierten Altersvorsorge eingeführt, die Anlageklasse VC für Kapitalsammelstellen wie Lebensversicherungen aufsichtsrechtlich zugelassen, staatliche Anlagetöpfe eingerichtet und eine steuerliche Förderung von Anlagen in VC eingerichtet werden. Schließlich brauchen wir unbedingt eine Abzugsfähigkeit von Vorsteuern auf Management-Fees wie im Ausland, sonst sind deutsche Investoren da immer systematisch deutlich benachteiligt, und eine Klarstellung, dass die Alternative Investment Fund Management Directive und das Kapitalanlagegesetzbuch für Venture Capital nicht gelten oder deren Geltung auf die mit VC vereinbaren Regeln eingeschränkt wird.


Zuerst erschienen in Berlin Valley Nr. 24

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