Wird die BRLNCoin oder eine andere Kryptowährungen irgendwann als echtes Zahlungsmittel dienen?
Simona Pop: Die BRLNCoin hat keinen monetären Gegenwert, aber mit Bitcoin kann man schon an einigen Orten bezahlen. Hier in Berlin etwa in der Bar Room 77 und in der Lekkerurlaub Notaufnahme.  Ich habe auch gehört, dass man in der Leuchtstoff Kaffeebar mit ETH, also Ether, bezahlen kann. Die European School of Management und Technology (ESMT) akzeptiert Bitcoin, ETH und LTC. Die Anzahl der Geschäfte und Unternehmen, die Krypto als Zahlungsmittel akzeptieren wird weiter wachsen. Es ist einfach ein Prozess, bis sich Menschen an eine neue Währung gewöhnen. Noch ist Krypto aber für viele ein mysteriöses Konzept. In zwei, drei Jahren wird das schon ganz anders aussehen.

Nach dem Hype des vergangenen Jahres werden Kryptowährungen von der breiten Öffentlichkeit aber eher als spekulative Investition gesehen. Wie schätzt du die Situation ein?
Simona Pop: Krypto ist mittlerweile zu einem sehr assoziationsgeladenen Begriff geworden. Dabei wird übersehen, dass das Potenzial der Blockchain auf einer völlig anderen Ebene liegt. Denn: Blockchain ohne Bitcoin ist absolut möglich, Bitcoin ohne Blockchain funktioniert nicht. Damit möchte ich sagen, das Krypto nicht die Technologie ausmacht. Blockchain ist ja mehr als der Ausdruck eines monetären Wertes. Es geht darum ein dezentrales System ohne zentrale Machtpunkte zu schaffen. Der wahre Wert liegt in den Möglichkeiten, der Auswirkung, die der Aufbau eines solchen Systems birgt.

„Das blinde Vertrauen in eine Organisation wird obsolet. Was zählt ist, aktiv zu werden.”

Kannst du bereits einige nützliche, sinnvolle Anwendungsfälle sehen, die die Zukunft verändern?
Simona Pop: Ja, natürlich! Es gibt schon viele sinnvolle Anwendungen. Ein gutes Beispiel sind unserer Bounties für die Ozeane. Dabei wird die Bounty als Belohnung dafür ausgesetzt, dass man sich etwa an Aufräumarbeiten beteiligt. Statt um Geld für eine zentralisierte Wohtätigkeits-Organisation bitten zu müssen, welche dann ihr Versprechen einhält (oder auch nicht), können Menschen direkt dazu animiert werden sich für etwas – in diesem Fall für die Umwelt – einzusetzen. Eine völlig neue Herangehensweise, die direkten Impakt auf die Projekte hat. Das blinde Vertrauen in eine Organisation wird obsolet. Was zählt ist, aktiv zu werden. Jeder einzelne, individuelle Beitrag ist wichtig. Wir planen noch für dieses Jahr ein Pilotprojekt in den Philippinen, um zu beweisen, wie einfach und kostengünstig es sein kann ein Umweltschutzprojekt umzusetzen.

BRLNCoin – die erste Kryptowährung für Berlin

Du bist bei ConsenSys für das Bounties Network verantwortlich. Gerade habt ihr die BRLNCoin veröffentlicht, wahrscheinlich die erste eigene Kryptowährung Berlins. Kannst du unseren Lesern ein wenig das Projekt dahinter erzählen?
Simona Pop: Wir wollten ein maßgeschneidertes Bounty-Netzwerk und einen eigenen Token für Berlin schaffen. Damit können wir den Menschen in dieser fantastischen, kreativen, offenen Stadt die Möglichkeit geben, Token zu verdienen und eine dezentrale Live-Anwendung – oder dApps – in Aktion zu sehen. Diese Wochenende kollaborieren wir mit den Organisatoren des Hackathons ETHBerlin (7.-9. September), die perfekte Chance, viele auf Ethereum basierende Projekte als Kollaborateure zu gewinnen. Die Resonanz beim ETHIndia Hackathon in Bangalore im August war schon mal fantastisch!

Wie funktioniert die BRLNCoin?
Simona Pop: Im Prinzip geht es darum, dass Bounties für bestimmte Aufgaben ausgeschrieben werden. Wer eine der Aufgaben erfüllt, wird mit BRLNCoin belohnt. Dabei hat BRLN keinen monetären Wert, sondern fungiert eher wie ein Punktesystem, ähnlich wie Rabatt- oder Wertmarken. Die Idee ist es Leute dazu zu bringen Token zu verdienen anstatt sie an einer Kryptobörse zu kaufen. Während wir noch die Bausteine für funktionierende Peer-to-Peer-Marktplätze entwickeln, geht es mit solchen Projekten einfach darum die Hemmschwelle dafür zu senken, Token wirklich für Güter oder Dienstleistungen zu nutzen.

Simona Pop ist Head of Community bei Bounties Network, einem Unternehmen aus den Reihen des Blockchain-Giganten ConsenSys.

Das Bounties Network ist eine Plattform auf Basis der Ethereum-Blockchain über die Projekte aller Art (aktuell vorrangig aus dem Software-Bereich) mit Aufgabenpaketen erstellt und mit Rewards versehen werden können

Simona Pop ist bei Consensys für das Bounties Network verantwortlich. Foto: Consensys