Welche Vorteile bringt es, Euro und Bitcoin bei Bitwala im selben deutschen Bankkonto verwalten zu können?
Jörg von Minckwitz: Unser Blockchain Bankkonto ist sicherer, verlässlicher und einfacher als alle bisherigen Lösungen. Nutzer von Kryptowährungen mussten bislang umständlich ihr Geld auf eine Krypto-Börse, meist im Ausland, überweisen. Das heißt man braucht mindestens zwei Konten und hat nicht die deutsche Rechtssicherheit. Bei uns ist man sofort liquide und kann Geld mit ein paar Klicks umtauschen. Durch die Banklizenz unseres Partners sind die Euro-Einlagen außerdem bis 100.000 Euro abgesichert.

Kannst du erklären, wie die Abwicklung über die Blockchain genau funktioniert?Jörg von Minckwitz: Die Bitwala-Kunden nutzen ihr Konto wie beim konventionellen Online-Banking und können Lastschriften und Daueraufträge oder die Bitwala Debitkarte managen. Wenn man Bitcoins kauft, werden diese auf die integrierte Bitcoin Wallet gutgeschrieben. Da es sich um eine sogenannte Multi-Signatur-Wallet handelt, können wir zwar einzahlen, aber nicht ohne die Zustimmung des Kunden auf die Bitcoins zugreifen. Nur die Kunden halten den nicht-öffentlichen Schlüssel zu ihrer Wallet. Falls wir also jemals gehackt werden, bleiben die Bitcoins jedes einzelnen trotzdem sicher. Wenn der Nutzer schnell Geld braucht, kann er in der App Bitcoin umgehend in Euro umtauschen und bekommt mit der Bitwala-Karte am Geldautomaten Euro oder kann seinen Einkauf bezahlen.

Wie werden die Kursschwankungen von Bitcoin ausgeglichen?
Jörg von Minckwitz: Wir führen ein eigenes Trading Desk rund um die Uhr, das den direkten Umtausch ermöglicht. In dieser kurzen Zeit schlagen Kursschwankungen durchschnittlich nicht so stark durch, da der weltweite Bitcoin-Handel sehr liquide ist. Der Kunde erhält den Umtauschkurs, den wir ihm vorher angeben und hat damit Kontrolle. Wer aber Bitcoin hält, muss auf absehbare Zeit mit teils starken Kursschwankungen leben.

„Mithilfe von Bitcoin die Transaktions-Kosten für den Kunden erheblich reduzieren.“

Müsst ihr – etwa für Auslandsüberweisungen – mit traditionellen Banken zusammenarbeiten?
Jörg von Minckwitz: Das haben wir schon in der Vergangenheit getan, nur dass wir mithilfe von Bitcoin die Kosten und die Dauer der Transaktion für den Kunden erheblich reduzieren konnten.

Habt ihr Partner aus dem traditionellen Bankengeschäft? Wenn ja, wen?
Jörg von Minckwitz: Wir nutzen die digitalen Banking-Plattform der solarisBank, um die Brücke zwischen herkömmlichem Banking und der Blockchain-Technologie zu schlagen. Bitwalas Expertise bei Kryptowährungen gekoppelt mit den technischen und regulatorischen Stärken der solarisBank machen es erst möglichen, dass wir ab November das erste deutsche Blockchain Bankkonto anbieten.

Werdet ihr von den traditionellen Playern nicht als Gefahr angesehen?
Jörg von Minckwitz: Die beobachten sicher ganz genau, was wir tun. Unser großer Vorteil ist, dass wir in der Krypto-Community – also bei den Early Adoptern – großes Vertrauen genießen. Bis Ende 2017 hatten wir 80.000 Nutzer und haben weltweit mehr als 100 Mio. Euro transferiert.

Was waren die Herausforderungen?
Jörg von Minckwitz: Finanzdienstleistungen, wie wir sie anbieten, sind insbesondere in Deutschland sehr streng reguliert. Gemeinsam mit unserem Bankingpartner haben wir das aber jetzt geschafft.

Könnt ihr etwas näher auf die Unterbrechung des Dienstes Ende 2017 eingehen?Jörg von Minckwitz: Wir haben seinerzeit mit einem der vielen internationalen Kartenpartner von Visa zusammengearbeitet. Wir kennen nicht die genauen Hintergründe, aber Visa hatte offenbar zum Jahresende 2017 diesem Partner die Lizenz, an der eben auch wir dranhingen, nicht verlängert. Das hat auch alle anderen Kunden dieses Kartenpartners betroffen und lag nicht an uns. Das ist uns mehrfach versichert worden.

Wie lange hat es gedauert, bis er die Genehmigung von der BaFin bekommen habt?
Jörg von Minckwitz: Das hat einige Monate gedauert.

Wer ist eure Zielgruppe?
Jörg von Minckwitz: Es haben sich bereits 35.000 Kunden auf unserer Webseite vorregistriert. Die meisten sind es Leid, ihre Kryptobestände umständlich mit verschiedenen Konten und Wallets zu managen. Sie gehören also zu den frühen Nutzern von Kryptowährungen und wollen mehr Komfort und Absicherung.

Wie seid ihr überhaupt auf die Idee für Bitwala gekommen?
Jörg von Minckwitz: 
Meine Co-Founder Jan, Ben und ich haben uns sehr früh mit Kryptowährungen beschäftigt. Wir haben dann einiges ausprobiert. Bitwala war mit Abstand die beste Idee und wir haben uns darauf konzentriert.

Was habt ihr vor Bitwala gemacht?
Jörg von Minckwitz: Unser Co-Founder Jan und ich haben in Berlin studiert und dann erste Bitcoin-Basierte eCommerce-Lösungen entwickelt und mit anderen Ideen gespielt. Ben hat uns geholfen und ist heute ebenfalls Co-Founder.

Ihr habt gerade nochmal vier Millionen Euro eingesammelt – für was werdet ihr diese Investition verwenden?
Jörg von Minckwitz: Wir stellen ein. Bis Jahresende wollen wir auf 40 Team-Mitglieder wachsen.

Ab November können Interessierte euer Konto nutzen – und ihr habt auch schon einige Registrierungen (35.000). Wieviel Kapazität habt ihr?
Jörg von Minckwitz: Das ist nach oben offen. Aber eine Vorab-Registrierung lohnt sich, weil wir alle Kunden einen Identifizierungsprozess durchlaufen müssen.

„Wir haben nach und nach alles digitalisiert, warum sollte bei Geld Schluss sein?“

Was sind eure Pläne für die Zukunft? Wird das Bitwala-Bankkonto auch bald in anderen Ländern verfügbar sein?
Jörg von Minckwitz: Wir wollen 2019 profitabel arbeiten und unsere eigene Banklizenz anstreben. Das europaweite Rollout ist ebenfalls für Mitte 2019 auf unserer Roadmap.

Wie sieht euer Geschäftsmodell aus? Wird es Kontoführungsgebühren geben?
Jörg von Minckwitz:Kontoführungsgebühren gibt es keine. Nur der Umtausch von Kryptowährungen kostet ein Prozent. Das ist im Schnitt fünf Prozentpunkte günstiger als bei einer Crypto Exchange, wo schon Überweisungen per Kreditkarte rund ein Prozent kosten.

Wie sieht eure Vision für das Bankwesen der Zukunft aus?
Jörg von Minckwitz: Wir steuern auf eine Zukunft zu, in der es sowohl FIAT-Geld wie Euro als auch Kryptowährungen geben wird. Die Kryptowährungen werden von vielen disruptiven Geschäftsmodellen genutzt werden und schrittweise immer wichtiger werden.

Wird es in Zukunft überhaupt noch Bargeld geben?
Jörg von Minckwitz:Ich denke aber schon, dass die manche Zentralbanken irgendwann eigene digitale Währungen rausgeben werden. Wir haben nach und nach alles digitalisiert, warum sollte bei Geld Schluss sein?

Bitwala

Branche: Blockchain, FinTech, Cryptocurrency
Beschreibung: Bitwala bringt das Banking auf die Blockchain.
Gründer: Benjamin Jones, Jan Goslicki, Jörg von Minckwitz 
Gründungsjahr: 2015
Mitarbeiter: 40 (geplant)
Investitionshöhe: USD 7,3 Millionen
URL: bitwala.com

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