Nur acht Prozent des Plastikmülls weltweit werden derzeit wiederverwertet. Das liege, meint Miranda Wang, Gründerin von Biocellection, vor allem daran, dass „wir heute eine sehr limitierte Vorstellung davon haben, wie Plastik recycelt werden kann“. Plastik werde in Plastik umgewandelt. Und je hochwertiger der neue Gebrauchsgegenstand sei, desto hochwertiger müsse das Plastik sein, das dafür recycelt wird. „Unsere Mission ist, dass wir uns um das kontaminierte Plastik kümmern, mit dem niemand anderes etwas anfangen kann“, sagt die 23-Jährige und blickt dafür über Essensreste und andere Verschmutzungen hinweg direkt auf die molekulare Ebene von PET, HDPE, PVC, LDPE, PP, PS und anderen Plastikmaterialien.

„Wir müssen die Moleküle recyceln“

In der Grundstruktur, so Miranda, bestehe Plastik vor allem aus sehr starken Carbon-Verbindungen. „Die fundamentale Idee meiner Firma ist, dass wir unsere Denkweise dahingehend expandieren, dass wir eigentlich die Moleküle recyceln müssen. Das Problem ist ja nicht das Plastik an sich. Plastik wird zum Müllproblem, weil es nicht – oder nur sehr schwer – zersetzt werden kann.“ Nach mehr als 600 Versuchen entwickelten Miranda und ihr Team einen Katalysatoren-Prozess, mittels dem es gelang, die starken Carbon-Verbindungen aufzubrechen und am Ende 94 Prozent reine Adipinsäure zu gewinnen. Diese wird etwa zur Herstellung von Nylon oder auch Glasreiniger verwendet. „Der Prozess ist sehr komplex, aber die Produktanforderungen sind nicht sehr hoch und können leicht implementiert werden“, erklärt Miranda.

Das Startup ist bereits mit einigen großen Unternehmen im Gespräch, unter anderem mit Green Waste Recovery, die für das Recycling von halb Silicon Valley zuständig sind. Während der Entwicklungsphase wurde Biocellection von verschiedenen Materialrückgewinnungsanlagen mit echten Proben des Plastikmülls beliefert, der nach der industriellen Sortierung übrig bleibt. Das waren vor allem elastisches Plastik, Folien, häufig PE, aber auch unbestimmbare Plastiktypen. Etwaige Verunreinigungen beeinflussten den Katalysatoren-Prozess nicht negativ.

Bisher wandelte Biocellection täglich rund 100 Gramm Plastik um, alles in allem 14,6 Kilogramm Plastik oder 2.920 Plastiktüten. Von Oktober bis Dezember dieses Jahres will das Startup im Rahmen eines Pilotprojekts 136 Kilogramm Plastik-Film täglich verarbeiten, also insgesamt 17 Tonnen. Nächstes Ziel ist es, bis 2020 alle Plastikmaterialien im Silicon Valley zu recyceln. Zusätzlich soll der Prozess auch direkt in den Wertstoffzyklus interessierter Firmen integriert werden. „Wir sind offen für Lizenzen.“

Quick Facts: Biocellection

Branche: Werstoffaufbereitung
Biocellection bereitet in biosynthetischen und chemischen Prozessen verschmutztes Plastik auf.
Gründer: Miranda Wang, Jeanny Yao
Gründungsjahr: 2015
Mitarbeiter: zehn
Investoren: Seed Funding, Grant
Website: biocellection.com

Miranda Wang und Jeanny Yao erfinden neue Recycling-Prozesse. Foto: BioCellection
Miranda Wang und Jeanny Yao erfinden neue Recycling-Prozesse. Foto: BioCellection

zuerst erschienen in Berlin Valley Nr. 28

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