Ende 2017 verwalteten Spezialbanken mit Nachhaltigkeitsfokus wie die Ethikbank, die GLS Bank oder die Triodos Bank laut dem Fachverband für nachhaltige Geldanlagen FNG gerade einmal 1,6 Prozent der Gesamteinlagen in Deutschland. Tomorrow, gegründet von Michael Schweikardt, Jakob Berndt und Inas Nureldin aus Hamburg, will Banking mit gutem Gewissen aus der Nische holen.

Von null auf über 10.000

„Wir haben uns mit der Frage beschäftigt, was unser Geld tut. Die Banken arbeiten damit und finanzieren alles Mögliche – Waffen, Kohlekraftwerke, Fracking und andere Dinge“, sagt Michael Schweikart im Gespräch mit Berlin Valley. „Geld bewegt die Welt, aber leider in die falsche Richtung. Unser Ziel ist es, Gelder zu verschieben: von negativen oder gestrigen Industrien zu Unternehmen und Industrien, die für positiven Wandel stehen.“

Ende 2017 setzte Tomorrow die Segel, nahm ein halbes Jahr später in einem Beta-Test erste Kunden an Bord und startete Ende 2018 in den regulären Betrieb. Aktuell verwaltet Tomorrow über die Solarisbank etwa 10 Millionen Euro Einlagen auf knapp 13.000 Kundenkonten (Stand Oktober 2019). Eine eigene Banklizenz steht derzeit trotzdem noch nicht auf dem Plan. Stattdessen will Tomorrow den Funktionsumfang ausbauen, ergänzende Finanzprodukte als Ergänzung zum Girokonto entwickeln und mit gutem Beispiel vorangehen. „Neben einem erfolgreichen Geschäftsmodell ist es unser Ziel, die Agenda der Branche neu zu definieren“ sagt Jakob Berndt.

#Neuland

Dass andere nachhaltige Banken dieses Ziel noch nicht erreicht haben, liegt laut den Gründern an einem nicht mehr zeitgemäßen Kundenerlebnis und Einstiegshürden wie einer komplizierten Kontoeröffnung. „Schon heute gibt es ein paar gute Kandidaten. Aber noch keine, die so richtig im 21. Jahrhundert angekommen sind (#neuland)“, schreibt Tomorrow auf seiner Webseite. Berndt ergänzt: „Wir setzen die Hürde maximal niedrig an und bieten ein Produkt, das man schnell ausprobieren und kennenlernen kann und das mehr Freude bereitet als das Konto bei der Sparkasse um die Ecke.“ Das beutet: Funktionen, die Kunden schon von anderen Fintechs kennen wie die schnelle Kontoeröffnung per Video-Ident, Kartenverwaltung per App sowie eine Analyse der Ein- und Ausgaben.

Die technische Vorleistung rechnet Schweikart der Konkurrenz hoch an. „Das Thema Nachhaltigkeit spielt allerdings überhaupt keine Rolle. Und das ist bei uns anders.“ Mit B Corp zur „Bio“-Bank Tomorrows Werkzeug, um Nachhaltigkeit nicht nur als Worthülse zu verankern, heißt B Corp. Ziel des Zertifizierers B Lab ist eine „globale Wirtschaft, die Unternehmen als Kraft des Guten verwendet“. In Deutschland sind unter anderem Einhorn, Coffee Circle, Startnext und Ecosia zertifiziert.

Für Schweikart ist B Corp aber nicht nur ein Gütesiegel, sondern auch ein Gerüst beim Unternehmensaufbau. „Für unser Zertifikat mussten wir um die 800 Fragen beantworten. Das macht einem bewusst, wie viele Bereiche man berührt. Von Diversität im Management über Partner vor Ort bis zu der Frage, ob wir unseren Müll trennen. B Corp hilft uns zu wachsen, uns Dinge bewusst und letztlich auch besser zu machen.

Drei Säulen für Erfolg

Übersetzt auf das Geschäftsmodell bedeutet das, dass Kredite und Investitionen nur dann vergeben werden, wenn der Empfänger einen Beitrag zu den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen leistet und einen positiven ökologischen, ethischen und sozialen Fußabdruck hinterlässt. Außerdem beurteilt ein externer Beirat das Impact-Projekt. Erst danach beginnt die klassische Risikoprüfung. Perspektivisch will Tomorrow neben Finanzprodukten wie einem grünen Versicherungs-Check oder nachhaltigen Investment-Angeboten auch ein Premium-Konto anbieten – ohne Metallkarte.

„Diesen ganzen Hype finden wir ziemlich albern. Hat etwas von dem Motto ‚Wer hat die Dickste?‘“ Auf die Interchange-Gebühr bei Kartenzahlungen verzichtet Tomorrow übrigens. Stattdessen gibt die Bank die Gebühr an Umweltschutzprojekte weiter. Prominente Unterstützung Noch schreibt Tomorrow keine schwarzen Zahlen und ist auf Investoren angewiesen. „Wir haben einige glaubhafte Überzeugungstäter als Business Angels. Dazu zählen Georg Kaiser, der Gründer der Bio Company, Matthias Willenbacher, Gründer der Firmengruppe Juwi, Harry Assenmacher von Forest Finance, Georg Bader und Berlin Ventures. Alles Leute, denen es in ihrer eigenen Historie gelungen ist, Unternehmertum mit einem hohen Anspruch an Ethik und Nachhaltigkeit umzusetzen. Für die ersten Meter hat das gereicht, im zweiten Quartal 2019 steht unsere Series A bevor.“

Details gibt es noch nicht, aber Tomorrow plant „groß, ambitioniert und perspektivisch auch international“, sagt Schweikardt. „Das wird viel Arbeit und Energie kosten, aber das erste Jahr hat gezeigt, dass das, was wir tun, auf extreme Resonanz trifft. Wir treten zwar der Branche rhetorisch in den Hintern, aber gleichzeitig gibt es viele Akteure, die Lust haben, Dinge anders zu machen.“

Gehen mit gutem Beispiel voran: Matthias Schweikart, Inas Neureldin, Jakob Berndt. Foto: Viertel Vor Magazin, Marcus Werner